Hedi Nacke baut Denkmal nach
Der Hermann kratzt an der Zimmerdecke

Epe -

Etwas überraschend kam der Auftrag schon. „Der Reitverein hatte angefragt, ob ich für die Westfälischen Meisterschaften einen Hermann gestalten könne“, erinnert sich Hedi Nacke an den Anruf im Mai. Die Figur sollte als Symbol für den Landesteil in der Reithalle in Epe aufgebaut werden, in der unter anderem die Siegerehrungen stattfanden.

Montag, 15.10.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 15.10.2018, 06:00 Uhr
Nachdem die Hermann-Figur, die sich in mehrere Teile zerlegen lässt, von Hedi Nacke beim Reitturnier abgebaut wurde, wird sie derzeit in der Volksbank in Epe ausgestellt.
Nachdem die Hermann-Figur, die sich in mehrere Teile zerlegen lässt, von Hedi Nacke beim Reitturnier abgebaut wurde, wird sie derzeit in der Volksbank in Epe ausgestellt. Foto: Guido Kratzke

Das Denkmal im Teutoburger Wald kannte die Eper Hobbykünstlerin, geboren in Ibbenbüren, natürlich. „Da führte damals meine erste Klassenfahrt hin“, verweist sie auf einen persönlichen Bezug zu dem Denkmal, das 1875 in der Nähe von Detmold eingeweiht worden war. „Aber eine so große Figur hatte ich noch niemals zuvor erstellt.“

Glücklicher Weise hatte sie gerade erst erfahren, dass der Düsseldorfer Bildhauer Jacques Tilly , bekannt geworden durch seine überdimensionalen Figuren auf den Wagen des rheinischen Karnevals , just ein Wochenendseminar offerierte. „Der macht ja alles aus Karnickeldraht“, erklärt Hedi Nacke und sah so eine Möglichkeit, sich Anregungen für ihr bislang am höchsten herausragendes Kunstwerk anzueignen. Ein Platz war noch frei, die Veranstaltung wurde gebucht.

„Mit der Unterstützung aus seinem Team habe ich beispielsweise ein großes Herz erstellt“, blickt sie auf die Lehrveranstaltung zurück. „Für meinen Hermann war die Technik aber nicht geeignet.“ Zum Einsatz kam sie aber beim Sockel, an dessen Herstellung auch Helmut Böcker beteiligt war.

Nach einigem Experimentieren entschloss sich Hedi Nacke dazu, die Miniatur des Wahrzeichens, die immerhin rund 5,60 Meter hoch in den Raum ragt, aus Styroporblöcken zu schneiden.

„An den Figurteilen ließ sich allerdings weder Kleber noch Farbe anbringen“, beschreibt sie ein weiteres Problem. Die einzelnen Elemente – beispielsweise der Korpus oder der Arm mit dem in den Himmel ragenden Schwer – wurden durch Steckverbindungen miteinander verbunden, alles anschließend mit einem Gemisch aus Kleber und Sand überzogen. „Die Figur sieht jetzt aus, als wäre sie aus Stein – aber man kann sie unter einem Arm tragen“, schmunzelt die Hobbykünstlerin.

Beim Gesicht der Statue profitierte sie von ihren Erfahrungen aus der Modelage von Puppen und Marionetten. „Ich konnte das gleiche Material verwenden – das hat glücklicher Weise gehalten“, beschreibt sie die weitere Vorgehensweise. „Im Nachhinein würde ich mir ein umweltfreundlicheres Material wünschen, dass sich ebenso gut verarbeiten lässt.“ Styroporkügelchen verteilten sich während ihrer Schaffensphase in der kompletten Wohnung, weil sie das Wohn- und Esszimmer temporär in ihr Atelier umfunktioniert hatte.

Bei Hedi Nacke ist es derzeit wie bei Fußballern. Allerdings heißt es nicht „nach dem Spiel ist vor dem Spiel“. Aber auch bei ihr jagt ein Projekt das nächste. „Ich fange jetzt an, für die neapolitanischen Figuren der Krippe in der Galerie van Almsick die vorhandenen Gebäude, die ich vor drei Jahren erstellt habe, zu überarbeiten“, schaut die rüstige Seniorin in die nahe Zukunft. Damals war die Krippe rund sechs Quadratmeter groß. Ob sie wachsen wird? Hedi Nacke zuckt mit ihren Schultern: „Es gibt wohl zusätzliche Figuren . . .“ Und vor Projekten, die etwas größer ausfallen, hat sie jetzt auch keine Manschetten mehr.

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