Nachfrage lässt noch auf sich warten
Keine Hochkonjunktur für E-Autos

Gronau -

„Ich denke, in den nächsten zehn Jahren passiert das.“ Dennis Gritsch vom Autohaus Wallmeier gibt dem Verbrennungsmotor nicht mehr lange. Egal, ob Diesel oder Benziner.

Mittwoch, 24.10.2018, 06:10 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 24.10.2018, 06:01 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 24.10.2018, 06:10 Uhr
Das wird so schnell in Gronau noch kein vertrauter Anblick im Straßenbild. Bei vielen Autohändlern vor Ort ist die Nachfrage nach E-Autos bisher verhalten.
Das wird so schnell in Gronau noch kein vertrauter Anblick im Straßenbild. Bei vielen Autohändlern vor Ort ist die Nachfrage nach E-Autos bisher verhalten. Foto: dpa

„Ich denke, in den nächsten zehn Jahren passiert das.“ Dennis Gritsch vom Autohaus Wallmeier gibt dem Verbrennungsmotor nicht mehr lange. Egal, ob Diesel oder Benziner: „Die Piesackerei wird weitergehen, bis Elektroautos mittelfristig die Verbrennungsmotoren ersetzen.“

Piesackerei? Der politische Wille zeigt für den Geschäftsführer des Renault-Vertragshändlers eindeutig in eine Richtung. „Wenn der Diesel kaputt ist in der Bevölkerung, wird der Benziner schlecht gemacht.“

Das sei aber auch unvermeidlich. „Es gibt immer mehr Menschen, immer mehr wollen Auto fahren, immer mehr können es sich leisten“, stellt er fest. „Der Schadstofffaktor multipliziert sich.“ Gritsch: „Jetzt ist die Zeit, in der alle Hersteller auf den Zug aufspringen müssen.“

Das passiert allerdings nicht überall mit demselben Tempo wie bei Wallmeier, wo es bereits eine Ladestation gibt und sich die Lieferzeiten für den elektrisch betriebenen Kleinwagen „ZOE“ von denen eines Benziners nicht unterscheiden. „Ein bis vier Monate sind das in der Regel“, so Gritsch. Kostenpunkt je nach Ausstattung: 23 000 bis 24 000 Euro. Die Stadtwerke haben zwei dieser Wagen in ihrem Fuhrpark und entsprechend selbst eine Ladestation auf dem Betriebsgelände.

Beim Autohaus Brockhues & Engelke hört sich das eher verhalten an. „Anfragen gibt es vereinzelt“, erklärt Thomas Brockhues. Der Grund für die Zurückhaltung bei den Kunden liege im Preis der bisher gehandelten E-Autos. „Die sind noch viel zu teuer.“ Aber auch die Hersteller sind noch nicht alle soweit. „Bei Skoda fangen sie an mit dem ‚City Go‘, den gibt es aber erst 2020“, so Brockhues. „Wir müssen uns jetzt einrichten, dazu haben wir ein Jahr Zeit“, erklärt er, „auch um unsere Leute zu schulen.“

Beim Autohaus Bösing wird der Eindruck bestätigt, dass die Nachfrage nach E-Autos erst schleppend anläuft. „Meist sind die den Kunden zu teuer“, sagt Heinz Bösing. Im Schnitt 10 000 bis 15 000 Euro mehr müsse ein Käufer auf den Tisch legen im Vergleich. „Dazu sind die Kunden nicht bereit“, so der Geschäftsführer. „Und Strom ist ja auch nicht umsonst.“ Er habe ein halbes Jahr lang ein Hybrid-Fahrzeug zum Verkauf angeboten. „Das wollte keiner haben.“ Wer aktuell ein Auto kaufen müsse, kaufe in der Regel einen Benziner. „Die meisten Leute sind erstmal unsicher.“

Er empfehle nach wie vor einen Diesel. „Wenn heute einer ein Auto kauft, kann er besser zur Zeit eine Finanzierung auf drei Jahre machen und einen Diesel kaufen“, so Bösing. „Damit fährt man als Kunde am günstigsten.“ Er fahre selbst einen Diesel. „Und ich will auch gar nichts anderes haben.“

Dirk Vortkamp vom Autohaus Vortkamp, wo unter anderem VW-Modelle gehandelt werden, findet E-Mobilität gut. Sein Unternehmen hat einen „E-up“ im Bestand, der Kunden für Testfahrten oder als Ersatzfahrzeug bei Werkstattbesuchen zur Verfügung gestellt wird, „damit man mal langsam an E-Mobilität herangeführt werden kann.“ Sein Haus sei bereits e-zertifiziert. „Und wir werden auch weiter investieren.“

Vortkamp sieht indes auch noch die Herausforderungen, die damit einher gehen, etwa in Sachen Entsorgung der Batterien oder bei der benötigten Ladeinfrastruktur. Und: „Aktuell sind die Reichweiten noch keine Konkurrenz zum Verbrennungsmotor.“ Er glaube nicht, dass es binnen zehn Jahren einen kompletten Abschied davon geben kann. „Was in absehbarer Zeit kommen wird, wird eine interessante Alternative.“ Über Lieferzeiten zu verfügbaren oder angekündigten E-Modellen will er indes keine Aussage machen. Und auch für Preise, Ausstattung, Reichweite gelte: „Das ist alles noch in der Schwebe.“

Dennis Gritsch lehnt sich da deutlich weiter aus dem Fenster: „Es werden noch viele Verbrenner fahren, bis die kaputt sind. Aber irgendwann wird es keine Neuzulassungen mehr geben. Irgendwann erledigt sich das von selbst.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6141096?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Preußens Remis gegen Großaspach ist eine gefühlte Niederlage
Fußball: 3. Liga: Preußens Remis gegen Großaspach ist eine gefühlte Niederlage
Nachrichten-Ticker