Auftakt zur „Woche der Erinnerung“
Alte Synagoge ins Licht setzen

Epe -

Licht erhellt am Donnerstag um kurz nach 18 Uhr die ehemalige Synagoge. Helles Licht. „Onkel Felix von nebenan fällt gleich aus dem Bett“, unkt einer der Umstehenden. Zwei sogenannte Moving-Lights setzen das Gebäude der Alten Synagoge bei der Generalprobe in Szene. Und genau darum geht es: „Die ehemalige Synagoge ins Licht setzen“ – am Samstag von 17 bis 22 Uhr.

Samstag, 03.11.2018, 07:10 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 03.11.2018, 07:01 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 03.11.2018, 07:10 Uhr
Eine Lichtinstallation wird am heutigen Samstag die ehemalige Synagoge an der Wilhelmstraße ins Licht setzen. Die Aktion (17 bis 22 Uhr) bildet zugleich den Auftakt für die „Woche der Erinnerung“.
Eine Lichtinstallation wird am heutigen Samstag die ehemalige Synagoge an der Wilhelmstraße ins Licht setzen. Die Aktion (17 bis 22 Uhr) bildet zugleich den Auftakt für die „Woche der Erinnerung“. Foto: Klaus Wiedau

Die Generalprobe droht am Donnerstagabend im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser zu fallen. Regen plätschert auf die Fahrbahn der Wilhelmstraße, an der das Gebäude der ehemaligen Eper Synagoge im Dunkel liegt. Aber Rüdiger Häming lässt sich von dem bisschen Schietwetter nicht beeindrucken. Und seine Technik auch nicht. Licht erhellt um kurz nach 18 Uhr die ehemalige Synagoge. Helles Licht. „Onkel Felix von nebenan fällt gleich aus dem Bett“, unkt einer der Umstehenden. Zwei sogenannte Moving-Lights setzen das Gebäude der Synagoge in Szene. Und genau darum geht es: „Die ehemalige Synagoge ins Licht setzen“. Mit dieser Aktion soll am heutigen Samstag zu Beginn der „Woche der Erinnerung“ ein besonderes Zeichen gesetzt werden.

Die Idee stammt von Rudolf Nacke (Förderkreis „Alte Synagoge Epe “). Während des Schützenfestes der Georgi-Gilde im Sommer, als mit Lichteffekten das Haus von König Patrick Brökers illuminiert wurde, durchzuckte es ihn. Nacke: „Da habe ich gedacht, so etwas müsste man auch mal mit der Synagoge machen.“

Dass es mit dem Eperaner Rüdiger Häming einen Profi für solche Lichtinstallationen vor Ort gibt, machte die nächsten Schritte quasi zu einem Heimspiel. Nacke: „Ich wusste, da sind wir an der richtigen Adresse.“ Denn: Häming ist Niederlassungsleiter des Unternehmens Pre Works, hat zwei Jahre in den Staaten gearbeitet und ist heute für den deutschlandweiten Vertrieb von professioneller Lichttechnik tätig. Eigentlich für den Vertrieb zuständig, verfügt er aber auch über das technische Know-how für die Programmierung der komplexen und vor allem teuren Technik: Equipment für rund 100 000 Euro wird am Samstagabend für besondere Lichteffekte auf der Fassade der Synagoge sorgen.

Mit Licht lassen sich verschiedene Stimmungen umsetzen.

Mit Licht lassen sich verschiedene Stimmungen umsetzen. Foto: Klaus Wiedau

Und dass es dabei nicht nur um „Licht an“/Licht aus“ geht, wird deutlich, wenn Häming erzählt, dass er sich im Vorfeld viele Gedanken für diesen Abend gemacht hat: „Das sind Prozesse, die sich entwickeln.“ Herausgekommen ist ein „Storybook“ mit insgesamt sieben Kapiteln, die die Besucher am Samstagabend erleben können. Es beginnt mit „Indigo/Nacht“, gefolgt von einem Stimmungswechsel, den Häming „Das Haus erwacht“ genannt hat. „Frühling“ und „Festliche Stimmung“ heißen weitere Kapitel. Aber auch die düsteren Zeiten der Geschichte wird er mit Licht sichtbar machen: „Feuer“ ist eine Programmierung betitelt, die an den deutschlandweiten Sturm auf Synagogen erinnert, ein anderes Kapitel hat Häming „Suchscheinwerfer“ überschrieben und will damit an den Krieg und die Scheinwerfer der Flakgeschütze erinnern, ehe am Ende die „Stille“ steht.

Die Alte Synagoge soll am Samstag ab 17 Uhr ins Licht gesetzt werden

Die Alte Synagoge soll am Samstag ab 17 Uhr ins Licht gesetzt werden Foto: Klaus Wiedau

Als Nacke die Idee für die Illumination an ihn herangetragen habe, sei Häming „sofort Feuer und Flamme dafür gewesen“, so Nacke. Häming selbst räumt ein, dass er zwischendurch aber auch gedacht habe: „Was habe ich mir da aufgehalst?“ Am Donnerstagabend ist davon nichts mehr zu spüren. Konzentriert checkt Häming die insgesamt vier Moving-Lights, programmiert an der Konsole (Lichtmixer) diverse Einstellungen, zaubert mit „Gobos“ – eine Art Maske – Muster und Ornamente auf das Haus, die er mit Zoomeinstellungen und Lichtintensität verändern kann. Dass er dabei trocken steht, verdankt er einem Nachbarn der Synagoge, der seinen Carport als Technikstandort zur Verfügung gestellt hat. Neben dem Licht außen soll am Samstagabend auch Licht im Inneren der Synagoge besondere Akzente setzen. Für eine denkbare Wiederholung der Aktion haben sich Nacke und Häming schon eine Ausweitung überlegt: Auch die Straße ließe sich in das Lichtkonzept einbinden. Zudem könnte das Szenario mit Musik begleitet werden. „Beim nächsten Mal“, sagt Nacke.

Rüdiger Häming (Mitte) zeigt Rudolf Nacke (l.) und Wilhelm Niehoff verschiedene Lichteffekte.

Rüdiger Häming (Mitte) zeigt Rudolf Nacke (l.) und Wilhelm Niehoff verschiedene Lichteffekte. Foto: Klaus Wiedau

Wer die Licht-Installation sehen möchte, hat dazu am heutigen Samstag zwischen 17 und 22 Uhr in der – eigens gesperrten – Wilhelmstraße Gelegenheit. Ein Durchlauf der verschiedenen Kapitel dauert rund 20 Minuten. Besichtigungen der Synagoge sind an diesem Abend nicht möglich. Trotzdem ist der Besuch an der Wilhelmstraße eine gute Möglichkeit, auch mit den Verantwortlichen des Förderkreises ins Gespräch zu kommen. „Wir sind vor Ort“, sagt Nacke. Im Licht stehen wird aber die Synagoge.

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