Aktionstage zum Thema Sucht
„Mit Saufen viel kaputt gemacht“

Gronau -

Heute ist es ihm klar. „Ich habe mit dem Saufen viel kaputt gemacht.“ Mit Ende 40 ist der Gronauer jetzt Rentner, wird dauerhaft mit Problemen an der Bauchspeicheldrüse klarkommen müssen. „Sucht hat immer eine Geschichte“ ist das Motto von Aktionstagen, die vom 7. bis 16. November in Gronau stattfinden. Doch oft sind es gleich mehrere Geschichten, die das Suchtverhalten fördern.

Dienstag, 06.11.2018, 10:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 06.11.2018, 10:00 Uhr
Ein Betroffener berichtet: „Mit 13 war ich zum ersten Mal besoffen.“
Ein Betroffener berichtet: „Mit 13 war ich zum ersten Mal besoffen.“ Foto: Fotolia.com

„Ich setze mich jeden Tag mit meiner Sucht auseinander“, betont er und verweist auch auf eine posttraumatische Belastungsstörung, verursacht durch Probleme aus dem Elternhaus.

Seine „Trinkerkarriere“ begann recht früh. „Ich war mit 13 zum ersten Mal besoffen“, erinnert er sich. Im Fußballverein gehörte Alkohol in der C-Jugend schon zum guten Ton. „Und ich hab es übertrieben.“ Nächster „Karriereschritt“ war mit 16 die nächste Vereinszugehörigkeit als Jungschütze. Auch dort gehörte der Konsum von Alkohol dazu. Als er mit 17 seine Ausbildung begann, verließ er Gronau. Aber an den Wochenenden war er immer in der alten Heimat – und traf sich mit Freunden zum Saufen. „Ich war eigentlich jedes Wochenende dauerstramm“, blickt er auf die Zeit bis zu seinem 23. Lebensjahr zurück. „Meine erste Frau hat mich aus dem Sumpf herausgeholt.“ Es ging rund fünf Jahre gut. Dann die Trennung, er wurde zum Alleinerziehenden. „Irgendwann war wohl der Stress zu viel, eine Überbelastung“, benennt er Ursachen, warum er wieder mit dem exzessiven Trinken startete. „Mir war nicht bekannt, dass ich psychisch krank war.“

Doch er hat Glück: Er lernte seine neue Frau kennen. „Die hat mich dann aus dem Loch wieder raus geholt.“ Aber nur temporär. „Ich hab zwar noch Alkohol getrunken, hatte aber keinen Kontrollverlust mehr.“

Unter der Woche trank er keinen Alkohol. „Ich habe das von Zuhause gehasst“, verweist er auf seine Kindheit. „Mir ging es eigentlich richtig gut“, blickt er auf die erste Zeit in seiner neuen Patchworkfamilie zurück – doch der nächste Absturz kam. Unter der Woche war er auf Montage. „Doch ich war dem Stress nicht gewachsen.“ Der Alkohol rückte zunehmend in den Mittelpunkt. „Mittwochs hab ich mich schon darauf gefreut, dass ich mir einen reintun kann.“ Und das ganze Wochenende wurde durchgesoffen. Irgendwann reichte es seiner Frau. Sie stellte ihm ein Ultimatum – und er begab sich in professionelle Hilfe. Entgiftung und Reha waren erfolgreich. „Seit Pfingsten 2016 bin ich trocken.“

Im Haus befindet sich kein Alkohol mehr. Partys besucht er – aber nicht an allen Tagen. „Das hängt dann davon ab, wie ich mich fühle“, sagt er. „Ich habe zum Glück nicht alles verloren, aber dennoch vieles kaputt gemacht“, so seine Erkenntnis. Und deshalb ist es ihm heute ein Anliegen, anderen zu helfen. „Ich habe mit meiner Sauferei mindestens zwölf Jahre verpasst.“ Davor will er andere bewahren.

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