Domenik Blömer stellt auf Europaschau in Dänemark aus
Leidenschaft für Kraienköppe

Gronau -

Die Stalltür öffnet sich. Domenik Blömer erscheint im Türrahmen des ehemaligen Schweinestalls, und die Tiere in ihren Dressurkäfigen heben die Köpfe. Der Geflügelzüchter bringt die künftigen Kandidaten aus seinem Team für die Europaschau in Dänemark auf Vordermann.

Donnerstag, 08.11.2018, 14:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 08.11.2018, 13:23 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 08.11.2018, 14:00 Uhr
Kosmetik für „303“: Domenik Blömer trägt etwas Öl auf Kamm und Kehllappen des Hahns auf.
Kosmetik für „303“: Domenik Blömer trägt etwas Öl auf Kamm und Kehllappen des Hahns auf. Foto: Anna-Lena Haget

Die Stalltür öffnet sich. Domenik Blömer erscheint im Türrahmen des ehemaligen Schweinestalls, und die Tiere in ihren Dressurkäfigen heben die Köpfe. Der Geflügelzüchter bringt künftigen Kandidaten für die Europaschau aus seinem Team auf Vordermann. „Ich fahre mit insgesamt acht eigenen Tieren meiner Rasse Kraienköppe in goldhalsig zur Europaschau nach Dänemark.“ Außerdem nimmt er Zwerghühner und Tauben mit. Zielstrebig geht er auf einen der Hähne zu. Ein prächtiger Kerl namens „303“, den eine besondere Wellnessbehandlung für Champions erwartet. „Mir gefallen diese Tiere am besten. Sie kommen in meinen Augen am weitesten an die Vorgaben der Musterbeschreibung heran“, sagt der Hühnerliebhaber. Er erinnert sich an seine erste Europaschau 2006 in Leipzig. „Damals war ich 19 und alle alten Hasen dachten: ‚Was will der junge Schnösel denn hier?‘. Nach der Bewertung war ich Europameister auf der Kollektion, und in der Einzelwertung wurden jeweils Tiere von mir Europachampion“, sagt er. Zehn Jahre später gesellte sich ein Deutscher-Meister-Titel hinzu.

Die Leidenschaft für Kraienköppe zieht sich seit Generationen durch seine Familie. Dass Domenik Blömer auch Mitglied im Sonderverein der Kraienköppezüchter ist, versteht sich von selbst. Schon Großvater Ludwig Blömer war seit den 60er-Jahren Mitglied im Vorstand des bundesweiten Sondervereins, Vater Klaus Blömer bis zu seinem Tod sogar 1. Vorsitzender. „Ich war dort auch schon im Vorstand tätig, aber habe es mal erst abgegeben, da damals alles etwas viel wurde“, gibt der junge Züchter zu, der auch noch Zeit für die Familie und seine Hobbys haben wollte.

Mit vielfach geübtem Griff schnappt er sich den Hahn, der erschrocken gackert und strampelt. „Man kann seine besten Tiere nicht von Schau zu Schau schicken, die brauchen auch ihre Pausen“, meint der Gronauer. Nervös sei er nicht vor der großen Europaausstellung. Aber: „Man hat ja das ganze Jahr Spaß und Freude an seinen Tieren. Wenn ich meine Tiere eingesetzt und die anderen Tiere in der Konkurrenz gesehen habe und die Halle verlasse, bis am nächsten Tag die Ergebnisse bekannt werden, dann bin ich schon etwas nervös“, meint Domenik Blömer, während er „303“ beruhigend durchs Gefieder streichelt. „Generell bin ich ein schlechter Verlierer, wenn aber andere Tiere besser sind, dann ist das nun mal so.“ Er bückt sich nach der Transportkiste, in der „303“ mit leisem Gackern verschwindet.

In Blömers Hauswirtschaftsraum ist es angenehm warm. Er hat seinen geflügelten Modellathleten aus der Kiste genommen. „303“ steht auf der Arbeitsplatte und sieht sich neugierig um. In einem Eimer steht ein lauwarmes Schaumbad bereit. Luxus pur – auch wenn Hühner normalerweise nichts weiter als ein Sandbad brauchen. Den Bademeister macht der Hühnerzüchter selbst. „An meine Tiere lasse ich so viele Menschen nicht ran. Abgesehen von meinen Eltern und Großeltern gab es erst eine weitere Person, die mal mit an den Tieren helfen durfte“, erklärt der Hühnerfreund. Fürs Schau-Tuning hat der gebürtige Eperaner sein eigenes Rezept. „Ich weiß nicht, ob es unbedingt Tricks sind. Ein paar Wochen vor der Schau füttere ich meine Tiere vermehrt mit Vogelfutter. Das ist ölhaltiger, das wirkt sich aufs Gefieder aus. Es glänzt mehr. Bevor das Tier in den Käfig kommt, werden die Beine und das Gesicht noch etwas mit Öl eingerieben. Die Farbe scheint dann etwas intensiver. Durch meine Freundin bin ich in die Pferdebranche gerutscht. Da wird gerade etwas ausprobiert. Was, das verrate ich aber noch nicht“, sagt Domenik Blömer mit einem Augenzwinkern.

Vorsichtig hebt er „303“ in sein warmes Luxusbad. „Ob das alles Tricks sind, weiß ich nicht. Vielleicht ist es einfach Aberglaube, weil Opa und Papa es auch genauso gemacht haben. Eigentlich habe ich den Standpunkt: Versorge deine Tiere das ganze Jahr vernünftig mit Futter und viel Platz. Wenn ich das ganze Jahr das Tier falsch versorge, kann ich es eine Woche vor der Schau nicht wieder reinholen“, ist der Züchter überzeugt. Gefieder und Füße des Tieres werden sorgfältig im Schaumbad gereinigt. Dann folgt der zweite Waschgang mit klarem Wasser, um das Shampoo auszuspülen. „303“ lässt das Ganze unter Protest über sich ergehen. Schließlich hebt sein Besitzer den tropfnassen Hahn aus der Wanne. In ein grünes Frotteehandtuch gewickelt, ähnelt der stolze Kraienkopp ein wenig einem Hähnchendöner. „Zum Trocknen kommt er erst mal zurück in die Kiste“, sagt Domenik Blömer. Später wird der Geflügelzüchter etwas Öl auf Kamm und Kehllappen auftragen, das Halsgefieder wird nochmals gebürstet. Vergangenen Dienstag ging es um 6 Uhr los Richtung Dänemark, gemeinsam mit den Tieren der anderen Züchter, die erst später nachkommen. „Wir machen uns erst ein paar schöne Tage in Dänemark. Da mittwochs und donnerstags die Tiere bewertet werden, darf kein anderer in die Halle, ab Freitag ist die Schau geöffnet“, weiß Domenik Blömer. Erst am Sonntag ist gegen Mittag Schluss, und es geht für „303“ und seine Kollegen wieder nach Hause. Hoffentlich mit zahlreichen Titeln im Gepäck.

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