Aktionstage „Sucht hat immer eine Geschichte“ eröffnet
Coole Fluppenschnippser

Gronau -

Es ist cool, ein Fluppenschnippser zu sein. Auf jeden Fall cooler, als an ‘ner Kippe zu saugen und giftiges Nikotin zu inhalieren. Diese Botschaft vermittelt ein Musikvideo, das Salip Tarakci mit Schülern an der Sekundarschule in Schöppingen produziert hat. Suchtprävention muss früh ansetzen – und mit den richtigen Methoden. Das ist mit dem Clip gelungen: Er baut ein starkes Gegenbild zu dem immer noch weit verbreiteten Image auf, dass Zigaretten den Geschmack von Freiheit und Abenteuer vermitteln.

Donnerstag, 08.11.2018, 06:30 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 08.11.2018, 06:28 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 08.11.2018, 06:30 Uhr
Die Kooperationspartner der Aktionstage. Kleines Bild: Die zehnjährige Mia präsentierte mit Salip Tarakci den Song „Lieblingsmensch“.      
Die Kooperationspartner der Aktionstage. Kleines Bild: Die zehnjährige Mia präsentierte mit Salip Tarakci den Song „Lieblingsmensch“.       Foto: Martin Borck

Der Clip erhielt am Mittwochnachmittag bei der Präsentation im Lukas-Krankenhaus kräftigen Applaus. Kein Wunder, bestand das Publikum doch aus Menschen, die sich mit Abhängigkeiten und ihren Folgen sowie mit Suchtvorbeugung beschäftigen: den Kooperationspartnern der Aktionstage „Sucht hat immer eine Geschichte“.

Helmut Berndt, Chefarzt der psychiatrischen Abteilung im Lukas-Krankenhaus, sprach bei der Eröffnungsveranstaltung die Komplexität der zu behandelnden Erkrankungen an. „Ist nicht jeder anfällig für Sucht?“, fragte Moderatorin Christiane Nitsche. Berndt bejahte das. Bei vielen Menschen trete suchtähnliches Verhalten auf (Arbeitssucht, Computersucht). Sucht sei oftmals nicht offensichtlich, sondern finde im Verborgenen statt. Ebenso wie die Arbeit mit Suchterkrankungen, sagte Werner Rasch von der Suchtvorbeugung des Kreises Borken. Ein Ziel der Aktionstage sei es daher, diese Arbeit publik zu machen, und die Menschen für Suchterkrankte zu sensibilisieren. Ein zweites, die Vernetzung der Mitarbeiter in der Region voranzutreiben.

Menschen Stärke zu vermitteln, so dass sie gegen Sucht gewappnet sind – darin sieht Landrat Dr. Kai Zwicker eine wichtige Aufgabe. Bürgermeisterin Sonja Jürgens‘ Herzenswunsch in diesem Zusammenhang: „Dass jeder der durch die Zeit hetzt, die Gelassenheit findet, seinem Gegenüber zuzuhören und aufrichtig zu fragen: ,Wie geht‘s Dir‘. Und dann bitte auch die Antwort abwartet.“

Was professionelle Hilfsangebote, Selbsthilfegruppen und deren Vernetzung angehe, seien Gronau und der Kreis Borken gut aufgestellt, so Jürgens. „Allerdings ist Gronau durch die Grenzlage eine Kleinstadt mit Großstadtproblemen.“ Durch die vielfältigen Angebote werde versucht, die Hemmschwelle für Abhängige, Angebote anzunehmen, niedrig zu halten. „Es kostet schließlich Überwindung, sich als süchtig zu outen“, meinte Zwicker.

Einer, der das schon vor 27 Jahren gemacht hat, ist „Mister Kerosin“. Der Magier konsumierte bis dahin Heroin und Alkohol, ist seitdem clean. Er verzauberte die Besucher des Veranstaltung mit Zaubertricks und einer fast poetisch-magischen „Rahmen“-Geschichte über Auswege aus der Sucht.

Dickes Lob für die Veranstaltungsreihe in Gronau gab es von Armin Koeppe (Landeskoordination Suchtvorbeugung NRW): Auch der Kreis Coesfeld und der Ennepe-Ruhr-Kreis veranstalten Aktionstage. „Doch Gronau hat in diesem Jahr alles getoppt.“

Die zehnjährige Mia und der zwölfjährige Benno sorgten gemeinsam mit Salip Tarakci für musikalische Unterhaltung.

  Foto: Martin Borck

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