Erbrechtstage 2018
Vorsorge besser als Nachsorge

Gronau -

Ein paar Papierschiffchen waren auf dem Rednerpult vor der Fachanwältin und Notarin Felizita Söbbeke aufgebaut. Als Symbol für den Spruch „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand“. Was das mit den Erbrechtstagen zu tun hat?

Freitag, 09.11.2018, 09:30 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 09.11.2018, 09:19 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 09.11.2018, 09:30 Uhr
Rechtsanwältin und Notarin Felizita Söbbeke bei ihrem Vortrag zum Thema Erbrecht.
Rechtsanwältin und Notarin Felizita Söbbeke bei ihrem Vortrag zum Thema Erbrecht. Foto: Martin Borck

Ein paar Papierschiffchen waren auf dem Rednerpult vor der Fachanwältin und Notarin Felizita Söbbeke aufgebaut. Als Symbol für den Spruch „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand“. Was das mit den Erbrechtstagen zu tun hat? „Um das Erbe gibt es häufig Streit, der vor Gericht geklärt werden muss“, erläuterte die Referentin am Mittwochabend in der Volksbank. „Wenn man als Erblasser nicht vorsorgt, ist Streit programmiert“, sagte sie. „Nach dem Tod kramen die Erben vergrabene Verletzungen hervor, Vorwürfe wie: ,Du warst ja immer schon Papas Prinzessin‘ kommen hoch. Darum ist Vorsorge besser als Nachsorge.“

Söbbeke ging auf einige Aspekte des Erbrechts ein. Wenn gar kein Testament vorliegt, greift die gesetzliche Erbfolge. „Doch unser Bürgerliches Gesetzbuch, auf dem sie fußt, ist alt.“ Es berücksichtige die heutigen Formen des Zusammenlebens nicht.

Was viele Menschen nicht wüssten: dass der Güterstand des Ehepaars Einfluss darauf hat, welchen Anteil des Nachlasses der überlebende Ehepartner und die Kinder erben. Und dass in manchen Fällen – wenn der Verstorbene keine eigenen Kinder hat – sogar die Eltern des Verstorbenen Anrecht auf ein Pflichtteil haben.

Das beliebte „Berliner Testament“, bei dem sich Ehepartner zunächst gegenseitig als Erben einsetzen, habe seine Tücken. „Der Inhalt kann nach dem Tod des ersten Partners nicht geändert werden“, betonte die Fachfrau. „Es sei denn, es ist von vornherein eine entsprechende Klausel enthalten.“

Bei größeren Vermögen sei es aus steuerlichen Gründen sinnvoll, das Vermögen gleichmäßig unter den Eheleuten zu verteilen und schon zu Lebzeiten Schenkungen an die Erben durchzuführen.

Sind Eltern nicht verheiratet, sind weitere Besonderheiten zu beachten, da der Lebenspartner – bei der gesetzlichen Erbfolge – nicht erbberechtigt ist. Unter mehreren Kindern entsteht eine Erbengemeinschaft. „Und die kann Entscheidungen zum Erbe immer nur einstimmig treffen“, mahnte Söbbeke. Mit einem Testament dagegen könnten Ansprüche des überlebenden Partners geregelt werden.

Bei Alleinerziehenden erhält – soweit kein Testament vorliegt – der überlebende Elternteil die Vermögenssorge, auch wenn die Kinder die gesetzlichen Erben sind. Testamentarisch können andere Regelungen getroffen werden: Zum Beispiel, wenn eine alleinerziehende Mutter verhindern will, das der leibliche Vater nach den Kindern erbt.

Kompliziert werde es bei Scheidungen, bei Pflege- und Adoptivkindern, bei behinderten Kindern („Ohne Testament ,erbt‘ das Sozialamt“, so Söbbeke) und bei Patchworkfamilien, in denen es um „meine, deine und unsere Kinder“ gehe. „Diese Situation trifft mittlerweile auf fast jeden zehnten Haushalt zu“, sagte Söbbeke.

Verwirrung herrsche oft bei den Begriffen Vor- und Nacherbe. „Der Vorerbe“, so die Fachfrau, „kann nicht frei – ohne Zustimmung des Nacherben – über den Nachlass verfügen. Und er muss die Substanz des Vermögens erhalten.“

Nicht nur bei komplexeren Familienverhältnissen sei es sinnvoll, sich kompetenter Unterstützung zu bedienen, mahnte Söbbeke. Zwar sei ein privatschriftliches Testament schnell und kostenlos errichtet und Änderungen daran seien jederzeit möglich; doch es lauerten auch Gefahren: Formfehler wie das Fehlen der Unterschrift, fehlerhafte Formulierungen, Auslegungsbedürftigkeit, die Gefahr von Verlust und Fälschung und Zweifel an der Testierfähigkeit.

Die notarielle Beurkundung beinhalte eine umfassende erbrechtliche Beratung und Hilfe bei der juristisch exakten Formulierung des letzten Willens. Zudem spare man die Kosten für den Erbschein. Die Notargebühren seien gesetzlich festgelegt.

Ein Testament, schlug Söbbeke den Bogen zu dem anfangs eingeführten Bild des Schiffs auf hoher See, sei wie eine Rettungsweste. Und aus einem der Schiffchen bastelte sie vor den Augen des Publikums eine kleine Weste aus Papier . . .

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