Gedenkveranstaltungen zu den November-Pogromen von 1938
Den Opfern einen Namen geben

Gronau/Epe -

An der Synagoge in Epe und am ehemaligen Standort der Synagoge in Gronau fanden am Freitag Gedenkveranstaltungen zu den November-Pogromen von 1938 statt. Dabei ging es auch darum, den jüdischen Opfern von einst wieder einen Namen zu geben.  

Freitag, 09.11.2018, 19:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 09.11.2018, 19:00 Uhr
Schüler der Fridtjof-Nansen-Realschule tragen einen Kranz zum ehemaligen Standort der Synagoge in Gronau.
Schüler der Fridtjof-Nansen-Realschule tragen einen Kranz zum ehemaligen Standort der Synagoge in Gronau. Foto: Frank Zimmermann

Die Verbreitung von Lügen, Unwahrheiten, falschen Behauptungen – verniedlicht durch Begriffe wie Fakenews oder alternative Fakten – ist ein aktuelles Phänomen. Doch neu ist es nicht.

Auch vor 80 Jahren nutzten Nationalsozialisten diese Methode, um die Wahrheit zu verdrehen. So gab es nach dem 9. November 1938 die „Nachricht“, die Synagoge in Epe sei bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Daran erinnerte Rudolf Nacke vom Förderkreis Alte Synagoge Epe am Freitag bei einer Gedenkveranstaltung zu den November-Pogromen. Und zwar an der Synagoge. Entgegen falscher Behauptungen steht sie ja noch heute! Und schon kurze Zeit später wurden die Namen jüdischer Gronauer und Eperaner aus Adressbüchern gelöscht. Damit sollte wohl ihre tatsächliche Auslöschung vorweggenommen werden.

Vor der Synagoge in Epe stellte die Bürgermeisterin gemeinsam mit Schülern der Euregio-Gesamtschule einen Kranz auf.

Vor der Synagoge in Epe stellte die Bürgermeisterin gemeinsam mit Schülern der Euregio-Gesamtschule einen Kranz auf. Foto: Frank Zimmermann

Gemeinsam mit Bürgermeisterin Sonja Jürgens stellten Schüler der Euregio-Gesamtschule Epe einen Kranz zum Gedenken der Opfer der November-Pogrome auf. Die Schüler trugen Texte vor, die klarstellten: Schuldig oder verantwortlich für die Taten vor 80 Jahren sind sie nicht, aber verantwortlich dafür, dass sie nicht vergessen werden und dass sich solche Schreckenstaten in Deutschland nicht wiederholen.

Über das Engagement der jungen Menschen und der übrigen Teilnehmer – es waren etwa 30 – freue sie sich, betonte die Bürgermeisterin. Räumte aber auch ein: Hass, Neid und Missgunst auf Menschen, die irgendwie anders seien als die Mehrheit, schlafe mitten in unserer Gesellschaft. „Ich bin mir nicht mehr so sicher, dass sich solche Zeiten nicht wiederholen werden.“

Gedenkmarsch und Kranzniederlegung sind auch feste Elemente der Gedenkveranstaltung am späten Nachmittag in Gronau. Vom Alten Rathausturm gingen rund 70 Teilnehmer zum Platz der ehemaligen Synagoge auf dem Kurt-Schumacher-Platz. Hier, wie schon vormittags in Epe, betonte Anne Grothe, Pastoralreferentin der St.-Agatha-Gemeinde Epe, dass die Pogrome ein Zeichen gegen das Miteinander von Juden und Nicht-Juden gewesen sei. Und dass die Gedenkveranstaltung ebenfalls ein Zeichen sei: gegen Rassismus, gegen Fremdenfeindlichkeit und gegen das Vergessen.

Hier knüpfte auch Rudolf Nacke an. Er las zehn Namen von Opfern vor: Isaak de Witte, Helena Rothschild, Sophia Lebenstein, Adele Zilversmit, Gustav Gottschalk, Berhard Pagener, Liesel Eichenwald, Gretel Pagener, Hannelore Eichenwald sowie Ernst Lebenstein.

Schüler der Fridtjof-Nansen-Realschule trugen eigene Texte vor, mit denen sie Parallelen zwischen den Geschehnissen vor 80 Jahren und der Gegenwart zogen. Damals sei es zum Beispiel gefährlich gewesen, sich mit Juden sehen zu lassen. Doch auch heute gebe es Aus- und Abgrenzungen, die sich in einem gedankenlosen „Verpiss dich!“ widerspiegeln. Gedankenlosigkeit und Wegsehen seien Wurzeln des Übels – damals wie heute. Sich dies bewusst zu machen, sei ein erster wichtiger Schritt.

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