Begegnung mit einem Kiepenkerl
In twent’sche Klompen

Epe -

Im Münsterland ist der Kiepenkerl ein Begriff. Aber so in echt, sieht man Kiepenkerle heutzutage doch eher selten. Bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt fiel dieser Kiepenkerl abends im Zentrum Epes deshalb auch derart ins Auge, dass der zufällig vorbeifahrende WN-Reporter nicht anders konnte, als anzuhalten und den wandernden Kiepenkerl um ein Foto zu bitten.

Samstag, 24.11.2018, 10:00 Uhr aktualisiert: 25.11.2018, 15:14 Uhr
Unverhoffte Begegnung: Ein Kiepenkerl spaziert durchs abendliche Epe.
Unverhoffte Begegnung: Ein Kiepenkerl spaziert durchs abendliche Epe. Foto: Daniel Meyer

Im Münsterland ist der Kiepenkerl ein Begriff. Die Gestalten mit Hut, Holzschuhen und der großen, oft geflochtenen, auf dem Rücken getragenen Kiepe zogen ab dem 17. Jahrhundert durch die niederdeutschen Dörfer und verkauften ihre Waren direkt aus der Kiepe. In Form von Denkmalen begegnen sie uns noch heute. Münster hat heute wohl das bekannteste Kiepenkerldenkmal, aber es gibt ähnliche Modelle in der gesamten Region. Kevelaer hat ein Kiepenkerldenkmal, Stadtlohn, Hamm, Solingen und Bielefeld und seit den Skulpturprojekten 1987 steht auch eines in Washington.

Aber so in echt, sieht man Kiepenkerle heutzutage doch eher selten. Bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt fiel dieser Kiepenkerl abends im Zentrum Epes deshalb auch derart ins Auge, dass der zufällig vorbeifahrende WN-Reporter nicht anders konnte, als anzuhalten und den wandernden Kiepenkerl um ein Foto zu bitten.

Im Gespräch stellt sich heraus, der Kiepenkerl wohnt ein paar Straßen weiter, heißt Coe, spricht aber nur Niederländisch. Ganz klar ist deshalb der Grund des Aufzugs auch nicht geworden, aber Coe wollte definitiv nichts verkaufen und befand sich auf dem Rückweg von einem „Feestje“ in den Niederlanden. Die Kiepe und die original twent’schen Klompen, erkennbar an der breiten, abgeflachten Spitze, sind also eher Verkleidung, sagt Coe. Wurden aber laut seiner Erzählung in Holland früher zum Beispiel auch zum Heutransport verwendet. Eine Recherche bestätigt, Kiepkerels waren durchaus auch jenseits der Grenze bekannt. Laut Veenkoloniaal Museum in Groningen zogen Tausende deutsche Kiepkerels zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert auf der Suche nach Arbeit durchs Nachbarland. Ihr Motto: „War in der Heimat bittere Not, in Holland gab’s Verdienst und Brot.“

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