Pioniere wollen Online-Handel auf den Lebensmittelbereich ausweiten
Jungunternehmer sagen: „Tschüss, Tante Emma!“

Gronau -

Die Adventszeit nimmt Bezug auf ein kommendes Ereignis: die Geburt Jesu. Das Weihnachtsfest gilt Christen als Symbol für den Beginn einer (hoffentlich) besseren Zukunft. Eine Serie der WN in der Adventszeit befasst sich daher mit dem Thema Zukunft. Was erwartet uns im Beruf, in der Freizeit und in der Gesellschaft? Wie stellen sich die Akteure auf verschiedenen Gebieten die Welt in einigen Jahren vor? Wo hat die Zukunft vielleicht schon Einzug gehalten? Auf diese Fragen will die Serie Antworten geben.

Donnerstag, 06.12.2018, 10:30 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 18:48 Uhr
Marcus (l.) und Christof Hagemann mit einem ihrer Lieferräder neben einer sogenannten Pick-up-Station. Hierhin liefern sie Lebensmittel, die dann von den Kunden abgeholt werden können. Um den Kunden den Einkauf zu erleichtern, bieten sie Wochenplaner an (rundes Bild).
Marcus (l.) und Christof Hagemann mit einem ihrer Lieferräder neben einer sogenannten Pick-up-Station. Hierhin liefern sie Lebensmittel, die dann von den Kunden abgeholt werden können. Um den Kunden den Einkauf zu erleichtern, bieten sie Wochenplaner an (rundes Bild). Foto: Angelika Hoof

Sie sind jung, dynamisch und erinnern ein wenig an Otto Lilienthal, Ferdinand Graf von Zeppelin und die Gebrüder Wright. Ebenso wie diese Pioniere der Luftfahrt nämlich vor über 100 Jahren unaufhörlich daran arbeiteten, sich den Traum vom Fliegen zu verwirklichen, sind auch Christof (37) und Marcus (34) Hagemann damit beschäftigt, ihre Vorstellungen vom Online-Shopping im Lebensmittelbereich mit ihrem Lieferdienst „Com4buy – So geht Einkaufen heute!“ auf dem Markt immer besser zu etablieren.

„Der tägliche Einkauf ist nach wie vor fest in unserem Tagesablauf verankert. Dabei muss das gar nicht mehr sein“, sind sich die beiden Gronauer einig, die mit ihrem Lieferdienst in Gronau und mittlerweile auch in Münster neue Wege gehen. „Anstatt die besinnliche Adventszeit im Kreise der Familie zu genießen, hetzt man durch die Geschäfte, um Lebensmittel, frisches Brot vom Bäcker, Salat und Gemüse aus der Frischetheke oder vom Markt, Aufschnitt und Fleisch vom Metzger zu besorgen. In vollen Supermärkten und Geschäften mit langen Schlangen an den Kassen ist der Stress quasi programmiert“, schildert Christof Hagemann ein typisches Einkaufsszenario.

„In unserem Click’n’pick-Supermarkt sind die Kunden nur einen Mausklick von der Ladentheke entfernt. Das breit gefächerte Sortiment umfasst alles, was im Haushalt benötigt wird: von Obst und Gemüse über Fisch, Fleisch, Milchprodukte und Süßes bis hin zu Drogerie- und Haushaltsartikeln, Getränken und Tierwelt. Und das auch noch zu handelsüblichen Preisen. Wer bis 7 Uhr in der Früh bestellt, kann seine Ware noch am Nachmittag in Empfang nehmen. Wir organisieren den Einkauf und verschaffen unseren Kunden damit Zeit für andere Aktivitäten“, verspricht Marcus Hagemann.

Online-Shopping, das für den Kunden im Bereich von elektronischen Geräten und Bekleidung seit Jahren schon gang und gäbe ist, benötige seitens der Verbraucher im Bereich der Lebensmittel noch seine Zeit. „Natürlich würden wir uns wünschen, dass sich die Akzeptanz schneller vollzieht. Doch auch die Supermärkte konnten sich nicht von heut auf morgen gegen die Tante-Emma-Läden durchsetzen“, so die Jungunternehmer, die sich noch in Geduld üben müssen. Sie arbeiten mit regionalen Partnern zusammen und legen auf Frische aus dem Münsterland ebenso großen Wert wie auf kurze Weg und möglichst plastikfreie Verpackungen – alles der Umwelt zuliebe. „In den von uns eigens konzipierten grauen Kühl- und Transportboxen werden die Einkäufe in den Pick-up-Stationen deponiert oder an die Kunden ausgeliefert, wobei wir beim Transport auf umweltschonende Logistik, sprich Fahrräder, E-Bikes oder E-Scooter, setzen“, so Christof Hagemann.

Während in Gronau die Pick-up-Stationen gut angenommen werden, bevorzugen die Kunden in Münster den etwas teureren Home-Lieferservice. Grund genug für die zukunftsorientierten Gronauer, an ihrer nächsten Idee für die Dinkelstadt zu tüfteln. „Wir entwickeln gerade ein Pick-up-Modell, das Unternehmen ihren Mitarbeitern anbieten könnten: eine Pick-up-Station, die direkt auf dem Firmengelände deponiert und dort von uns mit den eingehenden Bestellungen beliefert wird. Per Handy könnten die Mitarbeiter mit einem Pin-Code nach Dienstende ihre Station öffnen und die Ware bequem in Empfang nehmen. Dafür testen wir gerade eine Mini-Solaranlage, die den Strom für den Schließmechanismus liefern soll“, zeigen sich Christof und Marcus Hagemann von diesem Angebot überzeugt.

Darüber hinaus verteilen sie DIN-A-5 „com4buy“-Wochenplaner an ihre Kunden, die das Zusammenstellen der Einkaufsliste ebenfalls vereinfachen sollen. „Wer langfristig die Mahlzeiten für die Woche plant, kann neben Zeit auch noch Geld sparen, da zusätzliche Zustellgebühren bei einem Einkauf über 50 Euro entfallen“, erklären Christof und Marcus Hagemann, zu deren Kunden  Single-Haushalte und Familien mit zwei Einkommen und Kindern ebenso zählen wie Senioren, Wohnheime, Kindergärten und Firmen. Da Supermärkte aus dem Leben der Deutschen auch in 25 Jahren noch nicht wegzudenken seien, liegt die Hoffnung des Online-Lieferservices auf den Digital Natives. „Sie sind mit Handy und Computer groß geworden. Somit ist es für sie normal, Dinge  online zu bestellen, eben auch Lebensmittel. Der Markt wächst, wenn auch langsam. Leben können wir von unserer Firma bislang noch nicht. Wir stammen aber aus einer Unternehmer-Familie, in der Innovation groß geschrieben wird.  Zudem haben wir das große Glück, dass unsere Idee finanziell unterstützt wird“, zeigen sich die Pioniere in Sachen Online-Lebensmittel-Handel dankbar.

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