Ausstellung „Demos, Discos, Denkanstöße“ über die 70er-Jahre in Westfalen
Ein schillerndes Jahrzehnt

Gronau -

Diese Schlaghosen! Diese orangefarbenen Telefonapparate (mit Wählscheibe)! Fast schon zu schrill für die Augen. Und der Krautrock, diese als typisch deutsch empfundene Variante des Rock’n’Roll! Mengenlehre, Bildungsoffensive, erwachendes Umweltbewusstsein, Proteste gegen Krieg, der Terror der RAF: Das sind allesamt Facetten der schillernden 70er-Jahre. Sie werden in einer Wanderausstellung eingefangen, die derzeit im Rock’n’Popmuseum zu sehen ist. Sie entstand in Kooperation mit dem Landschaftsverband Westfalen Lippe und dem „S/W­-Labor“­ Münster.

Mittwoch, 05.12.2018, 17:57 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 18:49 Uhr
Eine Frau mit Hoover-Staubsauger – Anfang der 70er ein typisches Rollenklischee.
Eine Frau mit Hoover-Staubsauger – Anfang der 70er ein typisches Rollenklischee.

Schwarz-weiß-Fotos des münsterischen Fotografen Christoph Preker (1945- 1996) wecken Erinnerungen an das rührige Jahrzehnt und seine gesellschaftlichen Umbrüche. Das Millionen Negative umfassende Archiv Prekers, das der Münsteraner Joachim Hilpert verwaltet, birgt zahllose Schätze aus der münsterischen Kulturszene, dem akademischen Leben, Demonstrationen, Hausbesetzungen und dem Alltagsleben.

„Die 70er waren Nachfolger der 68er und somit ein spannendes Jahrzehnt“, sagt Kurator Thomas Mania. Die Überwindung verkrusteter Strukturen fand nicht nur in den Großstädten statt. Wobei Westfalen nicht gerade an der Spitze der gesellschaftlichen Bewegungen stand. „Das ist zeitversetzt zu uns gekommen“, so Verena Burhenne vom LWL-Museumsamt. Doch es gab Ausnahmen: „Die erste große Schwulen-Demonstration in Deutschland fand 1972 in Münster statt.“

Zeitzeugen, darunter Skateboard-Pionier Titus Dittmann, Marita Wagner (politisch engagierte Gronauerin, die zu den ersten Bundestagsabgeordneten der Grünen gehörte) und „Anarcho-Rocker“ Pit Budde erzählten in Interviews ihre Geschichten. Die Protagonisten erzählen in Form von lebensgroßen „Sprechenden Silhouetten“ ihre Geschichten. Die Ausstellungsbesucher dürfen in 70er-Jahre-Sesseln des Designers Luigi Colani Platz nehmen.

Die Exponate und die handabgezogenen Fotografien, die Musik aus der Zeit – von Disco bis Punk, von Liedermachern bis zu progressiven Rockern – vermitteln gemeinsam eine authentische Betrachtung des Jahrzehnts.

Über Audioguides gibt es Informationen und Musikbeispiele, ein virtuelles Fotoalbum eröffnet über Monitore weitere Perspektiven auf die herausragenden Ereignisse und ihre Wahrnehmung auch abseits der großen Zentren Westfalens.

Discjockey am Plattenspieler. 1971 kam die Musik in Diskotheken vorwiegend von der Schallplatte.

Die Ausstellung „Demos, Discos, Denkanstöße“ ist bis zum 7. April im Rock’n’Popmuseum in Gronau zu sehen. Das Museum ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

 

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