Serie: Blick in die Zukunft
Katholische Kirche in der Krise, aber: „Es kommt etwas Besseres“

Epe -

Die Eheleute Gisela und Gregor Veer sind gläubige Katholiken. An eine Zukunft der katholischen Kirche glauben sie allerdings nicht mehr. Persönliche Erfahrungen, aber auch der aktuelle Umgang der Kirche mit den Missbrauchsfällen hat ihnen diesen Glauben genommen. Doch sie resignieren nicht, im Gegenteil: Der Untergang der Institution macht ihnen Hoffnung auf etwas Neues, Besseres.

Mittwoch, 12.12.2018, 09:00 Uhr
Ein Bildausschnitt mit Symbolkraft: Die katholische Kirche – hier stellvertretend die St.-Agatha-Kirche samt Martersäule in Epe – wird untergehen, prophezeit das Ehepaar Gisela und Gregor Veer.
Ein Bildausschnitt mit Symbolkraft: Die katholische Kirche – hier stellvertretend die St.-Agatha-Kirche samt Martersäule in Epe – wird untergehen, prophezeit das Ehepaar Gisela und Gregor Veer. Foto: Martin Borck

Gregor Veer ist Diakon in der Gemeinde St. Agatha Epe. Gisela Veer war viele Jahre als geistliche Leiterin der örtlichen KFD-Gruppe aktiv und hat sich auch im Bibelkreis der Gemeinde engagiert.

Die Eheleute Veer kennen also sowohl die Institution als auch die katholischen Verbände auch aus der Innenansicht. Und das seit vielen Jahrzehnten. Beide erinnern sich noch an die Aufbruchsstimmung, die das Zweite Vatikanische Konzil Mitte der 1960er-Jahre ausgelöst hat. „Aber was ist denn davon geblieben?“, fragt Gisela Veer – und gibt selbst die Antwort: „Eine Veränderung der Liturgie, wobei die Messe auf Deutsch gehalten wird, und die Einführung des Diakon-Amts für Männer. Aber das reicht doch nicht für 55 Jahre!“

Im Gegenteil erleben die beiden gegenläufige Tendenzen in der Kirche: Gisela Veers Engagement bei den KFD-Messen zum Beispiel wurde vonseiten des Klerus derart beschnitten, dass sie ihr Amt niedergelegt hat. Und Gregor Veer sagt über die Tatsache, dass zum Beispiel Akten zu Missbrauchsfällen vonseiten der Kirche nicht an die Staatsanwaltschaft weitergegeben werden: „Das sind Rechtsvorstellungen aus dem Mittelalter. Das sind Dinge, die kein Mensch mehr versteht.“

Die Konsequenzen erleben die beiden schon jetzt: Immer weniger Menschen besuchen die Gottesdienste, Verbände finden keinen Nachwuchs, schrumpfen, vergreisen, lösen sich auf. „Die Kolpingsfamilie in Gronau hat schon aufgeben. Und in Epe hatten wir im vergangenen Jahr genau eine Neuaufnahme“, nennt Gregor Veer ein Beispiel. Auch der Bibelkreis ist komplett eingeschlafen, seitdem Gisela Veer sich zurückgezogen hat. Und weil sie auf der Diözesanebene der KFD noch aktiv ist, weiß sie: „Ich bin kein Einzelfall. Vielen Frauen im Bistum geht es so wie mir. Die Frauen haben den Papp auf.“

Ihre Hoffnung schöpfen die Veers aus der Annahme, dass es vielen katholischen Christen so geht wie ihnen. Menschen, die aus einer freien Entscheidung heraus ihr Christsein, vielleicht auch ihre Katholizismus leben wollen und nicht aus einem Gehorsam heraus, der den „Menschen unserer Generation noch eingebimst wurde“, wie Gregor Veer es formuliert. Dann zeichnen sie ein Bild von der Zukunft, das ans Urchristentum denken lässt: „Ich glaube, es bilden sich kleine Gruppen, so eine Art Hauskirchen oder Basisgemeinden, in denen sich zum Beispiel ein Ehepaar seelsorgerisch um die Menschen kümmert“, sagt Gisela Veer. „Und immer mal wieder kommen diese Gruppen zu größeren Einheiten zusammen, zum Beispiel zu Ostern, um miteinander zu feiern. Dafür werden sicherlich auch noch Priester gebraucht, aber ich glaube nicht, dass das zwingend Männer sein müssen“, ergänzt ihr Mann.

Diese Veränderungen, da sind die beiden sich einig, werden sicher von vielen Menschen als schmerzhafte Einschnitte erlebt werden. Auch sie selbst bedauern die Aussicht, dass katholische Verbände und Institutionen mit der Kirche untergehen werden. Aber sie sind sich auch sicher, dass es so kommen wird – und zwar mit einem Tempo, das für die Kirche atemberaubend schnell ist. „Wir werden das noch erleben“, sagt Gisela Veer. Sie ist Anfang 60 . . .

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