Aktivitäten der SGW im Venngebiet
„Klein-Klein ist nicht förderlich“

Gronau/Epe/Ahaus -

Der Wind ist kalt, schneidet in die Haut. Obwohl es erst Mittag ist, steht die Sonne schon tief, kurz vor ihrer Winterwende. Doch es ist nicht die Kälte, die den kahlen Birken und Eschen im Venn den Garaus gemacht hat. Es ist das Wasser. Was auf den ersten Blick nach einer Naturkatastrophe aussieht, ist tatsächlich ein Glücksfall für die übrige Vegetation – Pflanzen, die auf Feuchtigkeit und Nährstoffarmut spezialisiert sind. Herbeigeführt wurde die Vernässung von Menschen, bezahlt von der Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SGW).

Mittwoch, 19.12.2018, 11:12 Uhr aktualisiert: 19.12.2018, 11:20 Uhr
Abgestorbene Bäume ragen in den Winterhimmel. Das Wasser hat ihnen den Garaus gemacht. Verantwortlich dafür sind unter anderem Markscheider Stefan Meyer (l.) und Landschaftsplaner Dieter Textoris. Die beiden sind bei der SGW für Schutz- und Kompensationsmaßnahmen zuständig, zu denen die SGW verpflichtet ist.
Abgestorbene Bäume ragen in den Winterhimmel. Das Wasser hat ihnen den Garaus gemacht. Verantwortlich dafür sind unter anderem Markscheider Stefan Meyer (l.) und Landschaftsplaner Dieter Textoris. Die beiden sind bei der SGW für Schutz- und Kompensationsmaßnahmen zuständig, zu denen die SGW verpflichtet ist. Foto: Frank Zimmermann

Die oben beschriebene Szenerie ist das Renaturierungsgebiet Glanerbeek (siehe Info-Kasten). Es ist eine von zahlreichen Naturschutzmaßnahmen des Unternehmens. Dabei handelt es sich zwar nicht um freiwillige Maßnahmen, sondern um rechtliche Vorgaben, mit denen das Unternehmen Eingriffe in Natur und Landschaft ausgleichen oder ersetzen muss. Aber die SGW unternehme hier mehr als nur das absolut Nötige, sagt Stefan Meyer . Der Markscheider ist bei der SGW für Genehmigungsverfahren zuständig und somit auch für die damit einhergehenden Kompensationsmaßnahmen.

2008 hat man sich bei der SGW dazu entschlossen, einen landschaftsökologisch begründeten Flächenpool zu entwickeln. „Denn ein Klein-Klein bei Ausgleichsmaßnahmen ist für den Naturschutzgedanken nicht förderlich“, erklärt Dieter Textoris . Bereits seit zwölf Jahren steht der Landschaftsplaner in Diensten der SGW. Auch die Flächenpool-Idee ist mit auf seinem Mist gewachsen. Und die sei seinerzeit auch bei den zuständigen Behörden auf großen Zuspruch gestoßen. Damit stehen nicht nur die Salzgewinner gut da, sondern auch die Gasspeicherbetreiber im Eper-Graeser Venn. Denn: Der von der SGW betreute Flächen­pool steht auf vertraglicher Basis auch den Gas­spei­cher­betrieben im Kavernenfeld Epe zur Abde­ckung ihrer Kompensationsverpflichtungen zur Verfügung.

Zwar räumt Textoris ein, dass das Aufrechnen von Eingriffen in die Natur mit entsprechenden Ausgleichsmaßnahmen „eine Krücke“ sei, aber eine, „mit der man in die richtige Richtung humpeln kann“. Außerdem gibt er zu bedenken, dass es seines Wissens nach keine bessere Alternative gibt. Zumindest sei ihm in den 37 Jahren, in denen er als Landschaftsplaner arbeitet, keine untergekommen. Dass die Maßnahmen in die richtige Richtung gehen, zeigt sich laut Textoris auch daran, dass umfassende Kontrollen – das sogenannte Monitoring – die Wirksamkeit der Maßnahmen ergeben haben. Für eine umfassende Transparenz dieses Monitorings sorgen entsprechende Berichte.

Der Monitoringbericht für das Jahr 2017 umfasst zum Beispiel 434 Seiten. An seiner Erstellung haben neben der SGW und dem Ingenieurbüro Kügler und Textoris auch ein weiterer Ingenieur und die Biologische Station Zwillbrock mitgewirkt. Darin aufgelistet werden unter anderem zahlreiche Brutvogelpaare, darunter viele geschützte Arten, Verbesserungen bei den Lebensräumen für Rastvögel – von Baumfalke bis Zwergtaucher – und eine gute Qualität der Lebensräume von Amphibien. Laubfrosch, Kammmolch, Kleiner Wasserfrosch und Knoblauchkröte tummeln sich demnach auf den begutachteten Flächen.

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