Der Mix macht‘s: Strom, Gas und Wasser sollen sicher, nachhaltig und günstig geliefert werden
„Versorgung zukunftsfähig machen“

Gronau -

„Das Netz“: Dr. Wilhelm Drepper und seine Mitarbeiter sind wohl die einzigen in Gronau, denen zu diesem Stichwort nicht als erstes das Internet einfällt, sondern „ihr“ Netz, sprich: das Netz, das sie als Energieversorger beliefern. Genau genommen sind es mehrere Netze, denn die Stadtwerke liefern Strom, Gas, Wasser – und sorgen in Zukunft auch dafür, dass die Gronauer schnelles Internet bekommen, ist der Ausbau des Glasfasernetzes einmal abgeschlossen. Darum wundert es nicht, dass der Geschäftsführer der Stadtwerke Gronau immer wieder betont: „Wir sehen unsere Aufgabe vor allem darin, das Systemoptimierer aufzutreten.“

Mittwoch, 02.01.2019, 10:00 Uhr
Im Herzstück der Netzsteuerung, der Netzleitzentrale, kümmern sich (v. l.:) Herbert Daldrup (Centerleiter Technik), Daniel Kollbach (Bereichsleiter Asset Service) und Geschäftsführer Dr. Wilhelm Drepper um die Versorgung der Stadt.
Im Herzstück der Netzsteuerung, der Netzleitzentrale, kümmern sich (v. l.:) Herbert Daldrup (Centerleiter Technik), Daniel Kollbach (Bereichsleiter Asset Service) und Geschäftsführer Dr. Wilhelm Drepper um die Versorgung der Stadt. Foto: Christiane Nitsche

Die größte Herausforderung sehe er aktuell darin, „das Versorgungssystem zukunftsfähig zu machen“, erklärt er, „und die Verminderung von CO“. Dazu gehöre einerseits die weitere Umstellung auf erneuerbare Energien, aber auch die Vorbereitung der Netzstruktur auf neue Entwicklungen. Drepper : „Wir sehen, dass wir uns auf hochdezentrale Systeme einstellen müssen, die miteinander vernetzt werden können“, erklärt er. „Dazu brauchen wir ein leistungsfähiges, intelligentes Netz.“ Stichwort Sektorkoppelung. Eine Überlegung dabei: die Wärme aus Blockheizkraftwerken optimal verteilen. Eine weitere: Erdgasgewinnung aus erneuerbaren Energien, auch bekannt als „Strom per Elektrolyse“.

„Das ist alles noch im Forschungsbereich, aber wir beobachten das“, so der SWG-Geschäftsführer. Es werde aber sicher noch zehn bis 15 Jahre dauern, bis das Verfahren auf breiter Ebene nutzbar werde. „Das geht erst, wenn der Anteil an erneuerbaren Energien bei 70 Prozent liegt.“ Zukunftsmusik also. „Aber man muss sich heute kümmern.“

Einer der ersten Schritte, um auf derlei künftige Technologien vorbereitet zu sein, war bei den Stadtwerken die Einrichtung eines neuen Netzleitsystems. Die Netzleitzentrale, die viele Gronauer beim Tag der offenen Tür der Stadtwerke aus nächster Nähe bewundern konnten, ist das Herzstück der gesamten Einrichtung. Ziel: ein leistungsfähiges, gut regelbares Netz. „Wir wissen ganz gut, was in unserem Netz passiert“, so Drepper, „und wir können steuernd eingreifen.“

Bei den angekündigten Preiserhöhungen ist der Spielraum allerdings denkbar klein, wie er erklärt. „Strom und Erdgas werden teurer, weil die Preise in der Beschaffung gestiegen sind“, erklärt er. Einerseits sind die Preise für die Emissionszertifikate gestiegen, zum anderen die Netzentgelte, die die großen Konzerne für die Nutzung ihrer Netze kassieren. „Das alles fließt in die Preise mit ein.“

Hilft es also, sich unabhängig zu machen von den großen Netzen? „Eine hundertprozentige Autarkie gibt es sowieso nicht“, so Drepper. „Und sie ergibt auch keinen Sinn, weil typischerweise Unterschiede zwischen Angebot und Nachfrage bestehen. Wenn etwa an einem Sommertag mehr Strom aus der Solaranlage kommt als im Haus gebraucht wird oder wenn mittags beim höchsten Sonnenstand niemand zu Hause ist, bleibt nur, den überschüssigen Strom zurück ins Netz zu speisen. Obwohl auch hier bereits weitergedacht werde. „Beim Energiedach bieten wir Modelle mit Speicher an, aber das hat Pilotcharakter, denn die kosten viel Geld und haben noch keinen hundertprozentigen Wirkungsgrad.“

1525 Photovoltaikanlagen gibt es zurzeit in Gronau, so Herbert Daldrup , Centerleiter Technik, „davon 26, die einen Speicher haben.“ Da ist noch viel Luft nach oben. Aber Drepper mahnt auch zur Vorsicht. „Da ist die Frage nach der Lebensdauer“, überlegt er. „Das muss man dann erstmal sehen.“

Für die Stadtwerke sei neben der Effizienz entscheidend auch die Frage nach Wirtschaftlichkeit und Preis. „Es gibt Zeiten, wo die einen Überschüsse haben und die anderen Energie kaufen – da sehen wir uns in der Pflicht.“ Darum sei das Stichwort Systemoptimierung so wichtig. Herbert Daldrup: „Da liegt der Fokus im wesentlichen auf Strom. Dabei macht einen Großteil unserer aktuellen Aktivitäten die Kombination von Strom- und Glasfasernetz aus.“

Beispiel Doetkottenweg: In einem Testgebiet entlang einer gedachten Acht – dem sogenannten „Backbone“ – liegen die ersten schnellen Glasfaserkabel, in den nächsten zwei Jahren soll der gesamte Außenbereich angeschlossen werden. Und: „Jedes Mal, wenn wir im Bereich Strom, Gas, Wasser buddeln, wissen wir, dass wir auch die Anschlüsse legen müssen“, erklärt Herbert Daldrup. Allerdings sind das meist zunächst nur die „Leerrohre“, durch die dann später per Luftdruck die Glasfaserkabel in die Häuser „geschossen“ werden können. Aber auch hier sei Gronau schon „ganz weit vorne“, wie Drepper betont, „weil wir ein sehr gut ausgebautes Leerrohrnetz haben.“

980 von 23 371 Kunden (Großkunden ausgenommen) beziehen ihren Strom übrigens über den Öko-Tarif „Extra Strom Natur“. Auch da ist noch Luft nach oben. Allerdings – und da ist Gronau wieder einmal erstaunlich weit vorn: Der von den Stadtwerken gelieferte Strommix kam 2017 zu knapp 52 Prozent aus erneuerbaren Energien. Bundesweit waren es laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft nur rund 33 Prozent.

Fazit: „Die Energiewende erfordert aktives Tun“, so Drepper. Aber Gronau steht versorgungstechnisch gut da, auch wenn es noch Potenziale gibt. Fest stehe aber: „Dass sich Gronau zu hundert Prozent autark versorgen könnte, wird es nie geben.“ Jetzt gehe es um „mehr Steuerung, mehr Technik, mehr Kontrolle.“ Und um Miteinander. Das Bürgerbeteiligungsmodell bei Solar war da ein erster Schritt. Und während bei den Stadtwerken über Quartierkonzepte mit BHKWs nachgedacht wird, entsteht parallel die „grogeno“, eine Genossenschaft für Investitionen im Bereich erneuerbare Energien, der demnächst zwei neue Windkraftanlagen zugeschlagen werden sollen, die auf Stadtgebiet stehen werden. Drepper: „Gronau baut für Gronau, das ist auch ein Stück Autarkie. Aber das geht nur in einer starken Gemeinschaft.“  

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