Tierschutzverein schlägt Alarm
Müll lockt auch Katzen an

Gronau -

Neben den Containern an der Sudetenstraße in Gronau, in die eigentlich nur Glas und Papier gehört, stapeln sich die Müllberge, Ratten und Katzen sind unterwegs. Das Problem ist gewaltig, eine einfache Lösung nicht in Sicht. Mitarbeiterinnen des Tierschutzvereins fanden jetzt in einem der Müllsäcke einen vermutlich totgeprügelten Kater.

Freitag, 04.01.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 04.01.2019, 09:37 Uhr
Der Containerstandort Sudetenstraße am Donnerstagmorgen. „Wir räumen das weg, aber spätestens am Samstag sieht es hier wieder so aus“, kommentierte ein Chance-Mitarbeiter das Bild.
Der Containerstandort Sudetenstraße am Donnerstagmorgen. „Wir räumen das weg, aber spätestens am Samstag sieht es hier wieder so aus“, kommentierte ein Chance-Mitarbeiter das Bild. Foto: Frank Zimmermann

Es ist kurz vor 10 Uhr, als das Trio von der Chance am Containerstandort Sudetenstraße erstmal nicht weiter kommt. „Das ist nach der Enscheder Straße heute unsere zweite Station, aber unser Anhänger ist schon voll. Jetzt müssen wir erst mal zum Bauhof fahren und den leeren. Dann kommen wir wieder“, erklärt einer der Männer.

Dass der Trupp wiederkommen muss, ist angesichts der Müllmenge, die sich zwischen den Containern auftürmt, offensichtlich. Da ist eigentlich alles vertreten, was es an Müll so gibt: Pappe, Glas, Textilien, Möbel, Farbeimer, Zigarettenkippen, Säcke unbestimmten Inhalts, Brotscheiben, Essensreste, ein Kühlschrank . . . Sogar zwei Autos ohne Kennzeichen, die schon den gelben Aufkleber des Ordnungsamts auf der Windschutzscheibe kleben haben, stehen neben den Containern, in die eigentlich nur Glas und Papier gehört.

Nachdem das Thema vermüllte Containerstandorte zwischen den Feiertagen zum Stadtgespräch wurden, weil das Problem an nahezu allen Standorten in der Stadt aufgetreten war, ragen jetzt weiterhin einige Standorte als besonders problematisch heraus.

Zum Standort Sudetenstraße hat sich außerdem der Tierschutzverein Gronau und Umgebung zu Wort gemeldet. Dort gebe es ein Problem mit zahlreichen Katzen: Diese würden sich rund um die Container aufhalten, sich von den Lebensmitteln im Müll ernähren und sich unkontrolliert vermehren. Die widerrechtlich abgestellten Autos würden außerdem die Leerung der Container erschweren.

Tote Katze im Müllsack

Auch gebe es Berichte von Anwohnern, die Katzen würden von Kindern gequält. Bei einem Ortstermin fanden die Mitarbeiterinnen eine tote Katze in einem Müllsack, die sie tags zuvor noch gefüttert hätten, heißt es in einer Facebook-Mitteilung des Vereins. Dazu bestätigte Vorstandsmitglied Jutta Ramnitz: Die Verletzungsspuren hätten deutlich darauf hingewiesen, dass der Kater totgeprügelt worden sei .

Dass rund um die Container viele Katzen streunen, bestätigen die Mitarbeiter der Chance. „Ich habe mal acht Katzen gleichzeitig hier gesehen“, berichtet einer. Die Katzen seien recht zutraulich. Gleiches gelte aber auch für die Ratten, merken die Männer schmunzelnd an. „Wenn wir hier arbeiten, laufen uns die Ratten über die Füße!“

Schwierige Lösungssuche

Auch Ira von Borczyskowski, Geschäftsführerin der Chance, bestätigte auf Nachfrage, dass den Beobachtungen der Chance-Mitarbeiter zufolge bis zu 20 Katzen rund um die Container lebten. Das Thema habe eine derartige Dramatik angenommen, dass man reagieren müsse, sagte Ira von Borczyskowski bezüglich der Vermüllung der Containerstandorte. Allerdings sei es nicht so einfach, für dieses komplexe Problem eine gute Lösung zu finden. Eine Überlegung sei, das Personal aufzustocken, ein zweites Fahrzeug mit Besatzung für die Müllentsorgung einzusetzen. Sie werde diese Idee gegenüber der Stadt ansprechen.

Ihm sei die Katzen-Problematik noch nicht bekannt, sagte Carlo Bosse auf WN-Nachfrage. Er ist beim Fachdienst Allgemeine Bauverwaltung für die Bereiche Abfallberatung und Müllabfuhr zuständig. Ihm sei auch nicht bekannt, dass die widerrechtlich abgestellten Autos die Leerung der Container behindern. Es gebe jedenfalls keine entsprechende Rückmeldung von den ausführenden Firmen. Auch dass das Thema im Moment für Diskussionen sorgt , sieht Bosse relativ gelassen: „Diese Problematik gibt es seit 25 Jahren.“

Videoüberwachung kommt nicht infrage

Auch sei das Problem nicht neu, dass die Menschen zwischen den Feiertagen ihren Müll möglichst schnell loswerden wollen. Dazu komme die Tatsache, dass das Müllaufkommen insgesamt gestiegen sei. Allerdings, räumt er ein, habe wohl inzwischen ein Mentalitätswechsel stattgefunden. „Früher war es allgemein üblich, dass die Leute auch mal vor ihrer Tür geguckt und saubergemacht haben. Das passiert heute nicht mehr.“

Raimund Weber, Pressesprecher der Stadt Gronau, gab zu bedenken, dass bei der Lösung des Problems die Verhältnismäßigkeit beachtet werden müsse. Daher sei zum Beispiel das Aufstellen von Überwachungskameras nicht zu erwägen. Außerdem wolle man vonseiten der Stadt vermeiden, dass zu hoher Druck die Bürger dazu verleite, ihren Müll nicht mehr an den Containerstandorten, sondern in der Natur zu entsorgen. „Dann wird es nämlich richtig teuer“, sagte Weber mit Blick auf die Entsorgung.

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