Sakrale Gegenstände der jüdischen Familie Pagener aus Epe in Chicago
Erfolgreiche Spurensuche

Epe -

Wer sich auf die Suche nach Spuren jüdischen Lebens in Epe begibt, landet – in Chicago: Eine Thorarolle mit Schild, Krone und einem Vorhang für den Thoraschrein, ein Thorazeiger sowie zwei Kidduschbecher werden im auf Judaika spezialisierten Spertus-Institut aufbewahrt. Sie befanden sich ursprünglich im Besitz der aus Epe stammenden jüdischen Familie Pagener.

Samstag, 12.01.2019, 09:00 Uhr
Drei der Exponate, die aus dem Besitz der Familie Pagener stammen und mittlerweile im Spertus-Museum in Chicago ausgestellt werden: die Thorarolle, der Vorhang und ein Thoraschild.
Drei der Exponate, die aus dem Besitz der Familie Pagener stammen und mittlerweile im Spertus-Museum in Chicago ausgestellt werden: die Thorarolle, der Vorhang und ein Thoraschild. Foto: Spertus-Museum, Chicago

Max Pagener (1883 in Epe geboren) emigrierte mit seiner Frau und den drei Kindern in den 1930er-Jahren in die USA. Nach seinem Tod stellte seine Witwe die sakrale Gegenstände der jüdischen Einrichtung zur Verfügung. „In Chicago befinden sich damit mehr jüdisch-sakrale Gegenstände aus Epe als in Epe selbst“, kommentiert Rudolf Nacke vom Förderkreis Alte Synagoge.

Micaela Petermann-Pagener, in Köln lebende Großnichte von Max Pagener, stieß auf die Spur zu den Gegenständen: „Mein Vetter Fred Epstein fand zwei Karten im Nachlass seiner Mutter“, sagt sie. Dabei handelt es sich um Grußkarten zum jüdischen Lichterfest Chanukka. Auf einer dieser Karten ist die Thorarolle mit den dazugehörigen Attributen abgebildet, samt Hinweis auf die Herkunft: „Spende von Lore Amalie Cohn Pagener, in Erinnerung an ihren Ehemann Max Pagener. Maurice-Spertus-Museum für Judaika, Chicago.“

Micaela Petermann-Pagener nahm Kontakt zu dem Museum auf. Tatsächlich werden die auf der Karte abgebildeten Gegenstände dort aufbewahrt. Die Leiterin der Sammlung schickte Fotos und Informationen. Demnach wurde die Thorarolle von Moses Pagener (geboren 1814 in Epe, gestorben 1893) nach dem Tod seiner Frau Elise Cohn (geboren 1810 in Laar, gestorben 1890 in Epe) in Auftrag gegeben. Krone und Schild wurden demnach aus Gold- und Silbermünzen seiner Sammlung hergestellt. Der Thoramantel wurde den Informationen aus Chicago zufolge aus dem Hochzeitskleid der Ehefrau hergestellt. „Die Familie Pagener lebte in Epe, Kreis Ahaus, Westfalen. Die Gemeinde hatte nur einige wenige jüdische Familien, und die Pageners stellten einen Raum in ihrem Haus für die Gottesdienste zur Verfügung“, heißt es in den Informationen aus den USA.

Im Jahre 1907 wurde die Synagoge in der heutigen Wilhelmstraße eingeweiht. Ob Moses Pagener seine Thora (zeitweise) der Synagoge zur Verfügung stellte, ist nicht bekannt.

Moses Pageners Sohn Max wurde 1883 in Epe geboren. Er promovierte in Rechtswissenschaften und war angesehener Anwalt in Köln. Er heiratete 1924 in der münsterischen Synagoge Lore (Eleanor) Cohn, die 1900 in Münster geboren wurde. Die beiden verließen Deutschland 1935. „In den USA änderten die Pageners ihren Familiennamen in ,Page‘“, so die Information aus Chicago.

Die religiösen Gegenstände der Familie nahm Max Pagener mit in die Vereinigten Staaten. Sie wurden 1972 dem damaligen Spertus-Museum zur Verfügung gestellt, aus dem das heutige Spertus-Institut in Chicago hervorging.

Die Thorakrone

Die Thorakrone

Der Thoraschild

Der Thoraschild Foto: Spertus-Institut

Der Vorhang für den Thoraschrein.

Der Vorhang für den Thoraschrein. Foto: Spertus-Institut

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