Gronauer wegen Körperverletzung zu Geldstrafe verurteilt
„Niederträchtige Erziehungsmethoden“

Rheine/Ochtrup/Gronau -

Wegen Misshandlung Schutzbefohlener und Quälereien zwischen 2008 und 2018 stand ein 37-jähriger Mann aus Gronau in Rheine vor dem Jugendschöffengericht. Er soll die Kinder seiner Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung in Ochtrup misshandelt, gequält und beleidigt, aber auch seine Freundin geschlagen haben. Mit ihr hat er vier weitere Kinder. Das Paar ist inzwischen getrennt, hat aber wegen der gemeinsamen Kinder noch Kontakt.

Donnerstag, 24.01.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 25.01.2019, 18:50 Uhr

Nach Anhörung der Mutter und ihrer beiden älteren Kinder wurde er „nur“ wegen Körperverletzung in drei Fällen, begangen an dem inzwischen 17-jährigen Sohn und an seiner Lebensgefährtin im Jahr 2018, zu einer Geldstrafe von 4200 Euro bei 140 Tagessätzen à 30 Euro verurteilt. Damit ist er juristisch vorbestraft. Alles, was vor mehr als fünf Jahren geschah, ist verjährt. Bei einer nachgewiesenen Misshandlung Schutzbefohlener wäre das anders gewesen, aber dafür reichten die Zeugenaussagen der 31-jährigen Mutter und ihrer beiden 15 und 17 Jahre alten Kinder nicht aus. Das Gericht folgte mit dem Urteil dem Antrag des Staatsanwaltes, der in seinem Plädoyer sagte: „Ich finde Ihre Erziehungsmethoden niederträchtig, aber strafrechtlich sind sie nicht mehr relevant“.

Der Angeklagte wehrte sich gegen die Vorwürfe. ihm sei öfter mal die Hand ausgerutscht, weil die Erziehungsmaßnahmen seiner Freundin nicht mit seinen übereinstimmten. Wörtlich: „Ich habe sehr viel geschimpft und bin aufbrausend geworden“. Eigenständig ging er nach der Anzeige zu einem Therapeuten gegen Gewalt, mit dem er regelmäßig Gespräche führe. Vor zehn Jahren seien sie zusammengekommen, kurz darauf sei sie von ihm schwanger geworden. Er sei zu ihr nach Ochtrup gezogen und mit der Situation im Haushalt total überfordert gewesen. Seine beiden Söhne seien 2009 und 2010 geboren, 2014 kamen Zwillinge hinzu. Die eigenen Kinder habe er nie geschlagen, sagte er auf Anfrage des Gerichts.

Die Mutter der Kinder berichtete, dass es im September 2013 „wegen Nichtigkeiten ein riesiges Theater gab.“ Als ihr damals zwölfjähriger Sohn sich die Zähne putzte und die Badezimmertür aufließ, sei ihm das Geräusch des Wassers zu laut gewesen. Er sei zu ihm ins Bad gegangen, habe die Tür abgeschlossen und ihrem Sohn eine blutige Nase geschlagen. Daraufhin sei sie mit den vier Kindern ins Frauenhaus gegangen. Später kam sie zurück und bekam 2014 die Zwillinge.

Im Mai 2018 schaltete sie erstmals die Polizei ein, als er ihr im Auto mit der Faust ein Veilchen verpasste. Der 17-jährige Sohn berichtete, zweimal von ihm mit der Faust in 2018 geschlagen worden zu sein, weil er einen Auftrag nicht erfüllt habe. Die Aussagen der Jugendlichen seien sehr glaubhaft und ohne Belastungstendenz gewesen, waren sich Staatsanwalt und Gericht einig. Mehrfach sprach der 17-Jährige von der psychischen Gewalt des Stiefvaters, der den Bio-Müll über seinem Bett ausgekippt habe, weil er ihn nicht entsorgt hatte. Das bestätigte auch die 15-jährige Stieftochter.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6343685?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Liveticker: Mehr als 20.000 Teilnehmer beim "Fridays for Future"-Aktionstag
Klimastreik in Münster : Liveticker: Mehr als 20.000 Teilnehmer beim "Fridays for Future"-Aktionstag
Nachrichten-Ticker