Gedenktag für die Opfer des Holocaust
Ganz normale Mitglieder der Schützengilde

Epe -

Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog proklamierte 1996 den 27. Januar zum Gedenktag für die Opfer des Holocaust. Am 27. Januar 1945 hatten sowjetische Truppen das Vernichtungslager Auschwitz befreit. Für zahlreiche aus Gronau und Epe stammende Menschen kam diese Befreiung aber zu spät. An die Opfer aus den Reihen des Eper Bürgerschützenvereins soll hier erinnert werden: Hugo Lebenstein, Salomon Lebenstein, Hermann Meyer, Isak (Itzig) Pagener, Siegfried Pagener,  Simon Pagener, Markus Rothschild, Isaak de Witte und Julius de Witte. Denn – wie schon Immanuel Kant sagte: „Tot ist nur, wer vergessen wird.“

Sonntag, 27.01.2019, 09:20 Uhr aktualisiert: 27.01.2019, 17:27 Uhr
Julius de Witte war im Jahr 1928 Beisitzer im Festausschuss zum 300-jährigen Bestehen der Schützengilde. 1943 wurde er in Auschwitz ermordet.
Julius de Witte war im Jahr 1928 Beisitzer im Festausschuss zum 300-jährigen Bestehen der Schützengilde. 1943 wurde er in Auschwitz ermordet.

In ihrer Heimat Epe lebten die jüdischen Mitbürger eng zusammen mit ihren christlichen Nachbarn in der Dorfgemeinschaft. Ihre Anschriften lauteten zunächst „Epe Dorf 5, Dorf 13, Dorf 27, Dorf 148, Dorf 163, Dorf 181“. Straßennamen gab es bei ihrer Geburt in Epe noch nicht. Das war ja auch nicht nötig. Von der Bürgerschützengilde St. Georgi her, die 1928 ihr 300-jähriges Bestehen feierte, kannte man sich. Auch beim Kriegerverein Epe waren einige jüdische Eperaner Mitglied. Die Kinder gingen in dieselbe Schule. Man kaufte in denselben Eper Geschäften.

Nach ihrem Tod hätten sie auf dem jüdischen Friedhof an der Vereinsstraße in Gronau neben ihren Vorfahren ihre letzte Ruhe finden sollen. Ihr Sterbeort war aber nicht Epe oder Gronau. Ein richtiges Grab hat keiner von ihnen erhalten. 1945, als Krieg und Naziherrschaft vorbei waren, wurden sie als „im Krieg vermisst“ in einem Mitgliederverzeichnis aufgelistet. Sterbedatum, Sterbeort und Todesart blieben unbekannt oder unbenannt.

Die Nazis, die sich ja gerne als „völkisch“, „national“ und sogar „sozialistisch“ ausgaben, hatten die Eper Dorfgemeinschaft nachhaltig zerstört. Wer nicht zum Täter geworden war, wurde zwischen Gefühlen von Scham und Verdrängung hin- und hergerissen. Im Eper Adressbuch von 1939 waren ihre Namen einschließlich ihrer Wohnhäuser sowieso schon verschwunden. Und der Krieg hatte ja noch gar nicht begonnen.

So eng man im Geburtsort Epe auch zusammengewohnt hatte, so weit lagen die Sterbeorte auseinander: Riga, Auschwitz, Theresienstadt, Treblinka, Flossenbürg, Sobibor. An diesen Orten wurden Millionen Menschen ermordet, auch die Mitglieder der Schützengilde aus dem Dorf.

►  Hugo Lebenstein wurde am 21 März 1888 in Epe geboren. Zusammen mit Hunderten anderer Juden aus dem Münsterland wurde er am 13. Dezember 1941 nach Riga deportiert. Was danach mit ihm geschah, ist nicht bekannt. Er wurde nach dem Krieg für tot erklärt.

► Salomon Lebenstein: Am 11. Mai 1877 in Epe geboren, wurde er am 14. Januar 1943 in Auschwitz ermordet. Zuvor war er mit seiner Familie nach Almelo und Amsterdam in die noch nicht besetzten Niederlande geflüchtet.

►  Hermann Meyer wurde am 27. Januar 1873 in Uchte geboren. Er war der Schwiegervater des Eperaners Bendix (Benno) Pagener und von Siegfried Pagener. Als Großvater von Gretel und Bernhard Pagener, den jüngsten Eper Holocaustopfern, wird er häufig in Epe gewesen sein. Dabei ist er wohl auch Mitglied der Bürgerschützen geworden. Meyer wurde am 10. Dezember 1943 in Theresienstadt ermordet.

► Isak (Itzig) Pagener kam am 8. Juli 1858 in Epe zur Welt. Seine Spuren verlieren sich im Konzentrationslager Treblinka unbekannten Datums.

► Siegfried Pagener wurde am 20. Januar 1899 in Epe geboren. Sein Name Siegfried und die Namen seiner Kinder, Gretel und Bernhard, und seine Mitgliedschaft im Krieger- und Schützenverein lassen wohl kaum einen Zweifel an seinem Zugehörigkeitsgefühl aufkommen. Siegfried wurde noch kurz vor der Befreiung am 19. Februar 1945 in Flossenbürg umgebracht.

► Simon Pagener: Auch die Spuren von Simon Pagener, am 28. Juli 1872 in Epe zur Welt gekommen, verlieren sich 1944 im „Alters-KZ“ Theresienstadt.

► Markus Rothschild, geboren am 29. Juni 1882, endete im Vernichtungslager Sobibor.

► Isaak de Witte, geboren am 10. Februar 1874, Dorf Epe 148, landete nach seiner Deportation in Theresienstadt. Dort starb er am 25. April 1944.

► Julius de Witte kam am 31. Oktober 1875 in Epe zur Welt. Er gehörte 1928 dem sechsköpfigen Festausschuss zum 300. Jubiläum des Bürgerschützenvereins an. Auch das Ehrenprotektorat des Landrates Sümmermann, des Bürgermeisters Doerenkamp und anderer Prominenter des Ortes waren für ihn keine Garantie für das Überleben in der Nazizeit. Am 19. Februar 1943 wurde er, von Westerbork kommend, in Auschwitz ermordet.

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