Alterstrauma-Zentrum ist zertifiziert
Kooperation von Lukas- und Antonius-Krankenhaus hat 2018 knapp 300 Patienten betreut

Gronau -

Wenn ältere Menschen im Krankenhaus behandelt werden, brauchen sie eine auf die besonderen Herausforderungen im Alter zugeschnittene Medizin. In Gronau kooperieren daher seit zwei Jahren die Unfallchirurgie des St.-Antonius-Hospitals und die Geriatrie des Lukas-Krankenhauses.

Dienstag, 05.02.2019, 09:39 Uhr
Gemeinsame Visite (v. l.): Oberarzt Marius Kaczmarek, Stationsleiter Jürgen Schaa-Filiz, Oberarzt Tilman Wolff, Chefarzt Stefan Rittmeyer, Oberarzt Christian Stroot, Physician Assistant Robin Kwekkeboom.
Gemeinsame Visite (v. l.): Oberarzt Marius Kaczmarek, Stationsleiter Jürgen Schaa-Filiz, Oberarzt Tilman Wolff, Chefarzt Stefan Rittmeyer, Oberarzt Christian Stroot, Physician Assistant Robin Kwekkeboom. Foto: Christiane Nitsche

„Das ist richtig“, sagt der Mann in Pullover und Sporthose. „Dass Sie kommen und sich das begucken, das ist richtig.“ Was Robin Kwekkeboom sich da beguckt, ist unter anderem das Bein von Anton Olde Groote Beverborg, das der alte Herr sich vor rund zwei Wochen brach. Das ist nicht selbstverständlich. Denn der 92-Jährige ist Patient der Geriatrie im Lukas-Krankenhaus, während Kwekkeboom als „Physician Assistant“ in der Unfallchirurgie und Orthopädie im St.-Antonius-Hospital arbeitet. Etwa ein Kilometer Luftlinie trennen das Allgemein-Krankenhaus und das Evangelischen Lukas-Krankenhaus mit seiner geriatrischen Abteilung. Noch vor wenigen Jahren bedeutete das mehr als 20 Minuten Fußweg: Akut-Krankenhaus und Fachklinik waren getrennte Welten.

„Eine multiprofessionelle Geschichte“

Seit etwa zwei Jahren ist das anders: Geriatrie und Unfallchirurgie kooperieren im gemeinsam gegründeten Alterstraumazentrum (ATZ). Will heißen: Erleidet ein alter Mensch einen Knochenbruch, kommen beide Fachabteilungen auf den Plan. „Das ist eine multiprofessionelle Geschichte“, erklärt Stefan Rittmeyer . Der Chefarzt der Geriatrie im Lukas-Krankenhaus hält das Zertifikat in Händen, das bescheinigt: das Alterstraumazentrum ist nun offiziell als solches zertifiziert worden.

Dazu wurde ein Audit durchgeführt, das einen von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie vorgegebenen Kriterienkatalog abprüft. Dabei geht es um Qualitäts- und Prozessmanagement, aber auch um fachliche Fragen. „Der Ablauf ist vorgegeben“, so Rittmeyer.

In der Praxis bedeutet das etwa: „Als der Patient im Antonius-Krankenhaus aufgenommen wurde, haben dort Mitarbeiterinnen ein geriatrisches Assessment durchgeführt.“ Bei diesen Einstufungen und Bewertungen geht es unter anderem um Risiken, die den Heilungsverlauf nach einer notwendigen Operation beeinträchtigen könnten; es geht um bestehende Erkrankungen, Fragen von Inkontinenz und Demenz oder auch die Menge an Medikamenten, die ein Patient schon täglich nehmen muss. Rittmeyer: „Damit steigt das Risiko, dass der Verlauf kompliziert wird.“

Risiko soll gesenkt werden

Genau dieses Risiko wollen die beteiligten Mediziner und Pflegekräfte senken. „Wir bekommen innerhalb von 24 Stunden nach der Aufnahme im Antonius-Krankenhaus einen gefaxten Bericht“, erklärt Rittmeyer das weitere Vorgehen. „Wir können dann wiederum unmittelbar Vorschläge geriatrischen Handelns zurückschicken.“ Und wenn die Kommunikation per Fax nicht ausreicht, werde telefoniert. „Dann können wir persönlich kommen, um den Patienten in Augenschein zu nehmen.“ Meist unnötig, denn man sieht sich ohnehin regelmäßig: Zweimal pro Woche gibt es eine gemeinsame Visite – hüben wie drüben –, zudem einmal pro Woche eine Teambesprechung. Da sind Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte, aber auch die Sozialarbeiterin dabei.

„Bei der Visite ist das Hauptthema der Medikamentencheck“, erklärt Rittmeyer. Die Belastung einer Operation mit Vollnarkose hat Auswirkungen auf die inneren Organe. Aber auch sonst ist die operative Versorgung eines Knochenbruchs bei Patienten jenseits der 70 etwas anderes als bei jungen Menschen, wie Oberarzt Christian Stroot von der Unfallchirurgie betont. „Ein Zwölfjähriger ist nach zwei Wochen fertig damit, ein 80- bis 90-Jähriger braucht sechs Wochen.“ Die Kooperation mit den Kollegen von der Geriatrie unterstütze den Heilungsprozess. „Wir können die Zeit im Akut-Krankenhaus nutzen, damit die Patienten schneller wieder ihre Alltagskompetenz bekommen.“

„Die Patienten sind beruhigter“

Das Ganze kommt nicht zuletzt Patienten und Angehörigen zugute. Die gute, strukturierte Versorgung mache sich qualitativ bemerkbar, findet Robin Kwekkeboom. Tilman Wolff, Oberarzt in der Geriatrie hat festgestellt: „Die Patienten sind beruhigter.“ Aber auch die Fachleute erleben „Aha-Momente“. Kwekkeboom: „Wir lernen voneinander.“

„Wir reden über den Menschen“, sagt Jürgen Schaa-Filiz. Der Stationsleiter der Unfallchirurgie im Antonius-Krankenhaus hat festgestellt, dass das strukturierte, gemeinsame Vorgehen allen Beteiligten zugute kommt, zumal vom ersten Tag des Krankenhaus-Aufenthaltes das anschließende Vorgehen mit im Blick sei. „Es gibt auch den Angehörigen das Gefühl, es geht weiter.“

Genau wie den Patienten selbst. Anton Olde Groote Beverborg etwa hat schon Pläne. Er will so schnell wie möglich wieder auf seinen Elektro-Scooter – den, mit dem er am 15. Januar den Unfall hatte, bei dem er sich den Oberschenkelhalsknochen brach. „Ich will selbstständig bleiben“, betont er. Allerdings werde er wohl nur noch zum Drilandsee fahren, „nicht mehr in der Stadt“. Fragender Blick zu Marius Kaczmarek, dem zuständigen Oberarzt der Geriatrie. Der lächelt. „Er hat gute Aussichten, dass es klappt.“

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