Tobias Groten und Dr. Benedikt Böing küssen textile Immobilie wach
Neues Leben im Dinkellager

Gronau -

Mehr als 800 Likes, und über 300 Kommentare in knapp 24 Stunden: Eine kurze Mitteilung auf Facebook sorgt derzeit für Wellenschlag im Netz und macht aus einer jahrelang vor sich hindümpelnden Ruine ein Objekt der Hoffnung: Tobias Groten, Chef des Ahauser Unternehmens Tobit, küsst gemeinsam mit Dr. Benedikt Böing das Dinkellager wach. Schon im April soll auf dem Freigelände Gastronomie im Stil des Bamboo in Ahaus eröffnen. Im Herbst soll auch ins Dinkellager selbst neues Leben einziehen.

Samstag, 09.02.2019, 08:00 Uhr
Der Platz vor dem Dinkellager, wie er sich heute darstellt, und in der virtuellen Zukunftsversion (unten).
Der Platz vor dem Dinkellager, wie er sich heute darstellt, und in der virtuellen Zukunftsversion (unten). Foto: Klaus Wiedau

Groten ist über die Reaktion im Netz erstaunt, wie er sagt: „Ein kurzer Post und schon sind alle in die eigene Stadt verliebt. Die Leute haben offenbar nur darauf gewartet, dass etwas passiert. Ich freue mich darüber – und nehme das als persönliches Kompliment.“

So soll das neue „Bamboo“ im Außenbereich des Dinkellagers künftig aussehen.

So soll das neue „Bamboo“ im Außenbereich des Dinkellagers künftig aussehen. Foto: Tobit

Wer mit dem Kopf des Softwareunternehmens spricht, merkt schnell, dass der Mann Visionen hat. „Rendite wird nicht nur in Euro gerechnet, sondern ergibt sich auch, wenn ich etwas für die Menschen in einer Stadt tue“, sagt er und wundert sich, dass in Gronau nicht mehr Aufbruchstimmung herrscht. Jene Aufbruchstimmung, die wohl einst die Pioniere der Textilindustrie in dieser Stadt angetrieben hat, als Gronau Boomtown war, Macher für ihre Ideen brannten, zugleich aber auch ihre Mitmenschen dafür begeisterten. Groten: „Warum gibt es dieses frische Denken heute nicht mehr?“ Ein Denken, das Groten auf eine einfache Formel bringt: „Mehr Freude am Gewinnen als Angst vor dem Verlieren.“

Mit Benedikt Böing hat er jetzt immerhin einen gefunden, der ähnlich tickt. „In dieser Stadt weiß immer jemand, wie was gehen könnte, aber in die Hand nimmt keiner was“, sagt er. Genau das hat Böing Ende 2018 getan, indem er das Dinkellager gekauft hat. Motto: „Packen wir‘s an!“

Tobias Groten

Tobias Groten Foto: Tobit

Seit Sommer schon stand er zuvor mit Groten im lockeren Ideenaustausch, was aus der besonderen Immobilie in exponierte Lage wohl zu machen sei. Otto Lohle hatte die Fäden geknüpft. Groten allerdings hatte dieses Brainstorming irgendwann abgebrochen – mit dem Hinweis: „Warum sollen wir darüber reden, wenn der Laden Dir nicht mal gehört.“ Böing kaufte und schickte Groten eine Whatsapp-Nachricht: „Habe gekauft, wie geht es jetzt weiter?“

„Das hat mich beeindruckt“, sagt Groten. Aus den gemeinsamen Gedankenspielen der beiden ist inzwischen Freundschaft erwachsen, die auch Basis für das geschäftliche Miteinander sein soll. Die Aufgabenverteilung ist dabei klar: Böing ist Eigentümer, Groten sieht sich als Unterstützer, der mit seinem Know-how die beiden Gastronomiebetriebe ans Laufen bringt und am Laufen hält. Vorerst ohne Gegenleistung, wie Groten betont.

Dass der Ahauser Unternehmer die Immobilie nicht selbst gekauft hat, ist schnell erklärt: „Das mache ich aus Überzeugung nicht. Immobilien sollten jemandem gehören, der aus der Stadt kommt“, so Grotens Philosophie, die er zuvor auch schon mit Bürgermeisterin Sonja Jürgens diskutiert hatte. Die oft seelenlosen Innenstädte seien Beleg dafür, was im anderen Fall passiert.

Weitere Ansicht des neuen „Bamboo“ in Nachbarschaft zum Dinkellager.

Weitere Ansicht des neuen „Bamboo“ in Nachbarschaft zum Dinkellager. Foto: Tobit

Mit der Gastronomie im und am Dinkellager wollen Böing und Groten Gronau jetzt ein Stück Seele zurückgeben. Das „Bamboo“ soll als Kopie des Ahauser Lokals im Stil eines Café del Mar mit seiner Außengastronomie Sommerfeeling in die Stadt bringen und ein Treffpunkt für die lang ausgedehnte Sommerzeit sein.

Das Dinkellager wird als Gastronomiebetrieb thematisch an die textile Ära Gronaus anknüpfen. Das Ambiente soll eine Verbindung schaffen zur Aufbruch- und Blütezeit der Delden-Epoche. Konkret wird an den Ideen noch gefeilt, so Böing und Groten. Schon bald aber werden die Gronauer – ab Anfang März – die Ergebnisse und die Fortschritte in der Umsetzung verfolgen können. Natürlich auf Groten-typische Weise: Alle seine Projekte entstehen erst einmal virtuell. „Mit eigener Website, auf der von der Ausstattung bis zur Speisekarte alles zu finden ist“, sagt Groten. „Die Handwerker müssen es dann in der Realität nur noch nachbauen . . .“

Apropos nachbauen. Im Gespräch deutet Groten fast nebenbei an, welches andere Projekt ihn reizen würde, um sich gemeinsam mit anderen und „mit Leidenschaft“ dafür zu engagieren: Eine Diskothek. „So einen Club könnte Gronau gut gebrauchen“, sagt er. Für ihn ist die Disco mehr als ein Musiktempel. „Clubgeschehen hat immer auch mit der Entwicklung einer Stadt zu tun. Das ist der Ort, wo Menschen im magischen Alter zwischen 17 und Mitte 20 Leben erfahren, Freunde und Partner finden, Bindungen fürs Leben eingehen.“

Das Dinkellager sei dafür nicht geeignet, aber Groten hat spontan eine Vision: „Die Pyramide aushöhlen und darin eine Disco schaffen. . .“

Soviel ist mal sicher: Die nächsten Posts der Gronauer werden bei dieser Idee nicht lange auf sich warten lassen.

  Foto: Tobit

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