Podiumsdiskussion in der Aula der Euregio-Gesamtschule
Drei Kandidaten vor 500 Besuchern

Gronau/Epe -

Politikverdrossenheit? Pustekuchen! Die Gronauer und Eperaner sind offenbar ganz begierig darauf mitzubestimmen, wer künftig im Rathaus das Sagen hat. Die Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl am 10. März belegte das große Interesse: Rund 500 Menschen drängten sich in die Aula der Euregio-Gesamtschule in Epe. Sie wollten sich einen Eindruck von den drei Leuten verschaffen, die sich für die kommenden sechs Jahre um das Amt an der Spitze von Rat und Verwaltung bewerben. Die Westfälischen Nachrichten und die Kolpingsfamilie Epe hatten dazu eingeladen. Keine vier Wochen vor dem Wahltermin am 10. März standen Amtsinhaberin Sonja Jürgens (SPD) und ihre Herausforderer Rainer Doetkotte (CDU) und der parteilose Christoph Leuders Rede und Antwort. Sie lieferten sich eine faire Debatte.

Dienstag, 12.02.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 13.02.2019, 17:11 Uhr
Kurz vor Beginn der Diskussion: Christoph Leuders, Sonja Jürgens und Rainer Doetkotte vor der gefüllten Aula.
Kurz vor Beginn der Diskussion: Christoph Leuders, Sonja Jürgens und Rainer Doetkotte vor der gefüllten Aula. Foto: Frank Zimmermann

Mit Rainer Doetkotte hat Sonja Jürgens einen profilierten Lokalpolitiker als Widerpart: Beide sind seit rund anderthalb Jahrzehnten im Rat aktiv – und somit für die Entwicklung in der Stadt seit dieser Zeit mit verantwortlich. Ganz im Gegensatz dazu der bislang politisch „unbelastete“ Christoph Leuders. Mit seinen 23 Jahren war er der Junior des Trios, das sich den Fragen von Moderator Klaus Wiedau und der Bürgerschaft stellte.

Christoph Leuders durfte – nach Entscheidung durch das Los – als erster sein Eröffnungsstatement abgeben: Die Idee, für das Amt zu kandidieren, sei an ihn herangetragen worden. „Ich bin von vielen Bekannten gefragt worden, ob ich nicht Bürgermeister werden wolle.“ Daraus habe sich das ernsthafte Interesse an dem Amt entwickelt. „Ich habe nicht den Anspruch, heute vollständig ausgearbeitete Konzepte vorzustellen“, gab der Student (Wirtschaftsingenieurswesen Chemietechnik in Steinfurt) zu. „Das wäre für einen Einzelbewerber überheblich.“ Doch er habe sich unzählige Stunden mit dem Amt und der Stadt auseinandergesetzt. Dabei sei ihm aufgefallen: „Es gibt vieles, über das wir meckern können und müssen, aber wir sind auch eine Stadt mit unglaublich viel Potenzial.“ Darauf wolle er aufbauen. Er wolle Entwicklungen nicht nur für, sondern mit der Gemeinschaft umsetzen. Er sei überzeugt, dass sich vor allem die jüngeren Leute aktiv einbringen sollten. „Denn wir sind es, die noch viele Jahre in dieser Stadt leben werden.“ Die Zukunftsgestaltung werde eine Riesenherausforderung, denn: „Die Welt von morgen wird grundlegend anders sein. Deshalb ist es wichtig, die Herausforderungen mit dem Geist eines Chemikers zu analysieren und mit dem Einfallsreichtum eines Ingenieurs Lösungen zu finden.“ Die Herausforderungen erforderten kreatives Denken, Visionen und Mut für langfristige Strategien. „Das alte Denken funktioniert in vielen Teilen nicht mehr.“

Sonja Jürgens nutzte die ihr zugebilligten fünf Minuten für einen Rückblick auf ihre Amtszeit: „Wir haben gemeinsam einiges geschafft“, sagte sie. Hertie gekauft, 15 Millionen Euro Schulden abgebaut, zwei Gesamtschulen errichtet, die Flüchtlingszuzug gemeistert, Industriegebiete erschlossen, 130 Millionen Euro Mittel vom Bund und vom Land akquiriert, das Rock‘n‘Popmuseum modernisiert, die Partnerschaft mit den Niederlanden, speziell mit Enschede intensiviert, Grundschulstandorte gesichtet, die Industrie- und Gewerbeschau durchgeführt, Sportstätten aufgebaut und den Kirchplatz in Epe neu gestaltet, 245 neue Kitaplätze geschaffen. Angesichts dieser Fülle empfinde sie die sechs Amtsjahre als kurz. „Aber die Liste der Dinge, die noch getan werden müssen, ist genauso lang: der weitere Kita-Ausbau Baugebiete, Wohnungsbau, schnelles Internet, Dinkellager, die Entwicklung von Gewerbe und Industriegebieten, Kultur, Sicherheit Ordnung und Sauberkeit nannte sie ebenso wie die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung.

Rainer Doetkotte, im Beruf Kundenberater einer Krankenkasse, ist nicht nur in der Lokalpolitik, sondern auch stark im Schützenwesen und kirchlich engagiert und gerne mit dem Rennrad unterwegs. „Seit 2004 bin ich im Rat, seit 20011 stellvertretender Bürgermeister. Ich möchte einfach mehr machen. Ich möchte Verantwortung für die Stadt übernehmen“, sagte er. „Viele Dinge liegen mir sehr am Herzen.“ Notwendige Entwicklungen gingen aber gefühlt viel zu langsam voran. Zum Beispiel die in der Gronauer Innenstadt. Er sei aber guten Mutes, dass es mit den Investoren gelinge, die Entwicklung voranzutreiben. In Epe seien es die Fragen der Ortskernentwicklung und des Verkehrs, und die Notwendigkeit den Einzelhandel in die Stadt zu bringen. „Auch beim Thema Gesundheit müssen wir etwas tun. Es ist zwar nicht unsere erste Verantwortung, aber wir können die Entwicklung unterstützen. So dass es nicht mehr passiert, dass Patienten beim Hausarzt abgewiesen werden. Dafür werde ich mich einsetzen.“

Auch Doetkotte sprach sich für eine positive Außendarstellung der Stadt aus, für ein „Wir-Gefühl“. Es gebe genug lobenswerte Punkte wie Musik und das Thema Grün. „Allein die Parks, die sich aneinanderreihen von Epe bis zum Spechtholtshook.“

Die Fragen aus dem Publikum umfassten ein breites Spektrum (siehe 3. Lokalseite). Während der Debatte gingen die Kandidaten sehr fair miteinander um, blieben manches Mal aber auch konkrete Aussagen schuldig.

Die – nicht ganz erst gemeinte – Schlussfrage stellte Moderator Klaus Wiedau an die drei: „Wenn Sie die Wahl gewinnen, müssten aber Ihren beiden Kontrahenten im Rathaus eine Stelle verschaffen, welche wäre das?“

„Sonja Jürgens wäre für einen sozialen Posten prädestiniert“, sagte Leuders. „Und Rainer Doetkotte würde ich am liebsten in einem Amt für Bürgernähe einsetzen, weil er gerne auf Leute zugeht.“

Sonja Jürgens sah für Leuders einen Job im Bereich Innovation, von wo aus er eine Brücke zu den jungen Leuten schlagen könne. Und Rainer Doetkotte wollte sie zum Radwegebeauftragten machen: Ich sehe dich so oft auf dem Fahrrad . . .“

Rainer Doetkotte sah in Christoph Leuders potenziell einen guten Kämmerer. „Und Sonja Jürgens wäre – nach ihren Erfahrungen im vergangenen Jahr – eine gute Standesbeamtin.“

Moderator Klaus Wiedau im Publikum.

Moderator Klaus Wiedau im Publikum. Foto: Frank Zimmermann

Christoph Leuders

Christoph Leuders Foto: Frank Zimmermann

Rainer Doetkotte

Rainer Doetkotte Foto: Frank Zimmermann

Blick durch ein Smartphone-Display auf die Bühne.

Blick durch ein Smartphone-Display auf die Bühne. Foto: Frank Zimmermann

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