CDU-Veranstaltung auf dem Hof Detert
Röring sieht Zukunft der Landwirtschaft fraglich

Gronau -

„Landwirtschaft hat Zukunft – ja“, sagte Johannes Röring, „aber ob Landwirtschaft im Münsterland eine Zukunft hat, weiß ich nicht.“ Der Präsident des Westfälisch-Lippischen Bauernverbands sprach am Sonntag vor rund 80 Gästen auf dem Hof Detert.

Montag, 25.02.2019, 07:00 Uhr
Johannes Röring (li.) sprach zur Zukunft der Landwirtschaft. Jürgen Hovenjürgen, Landrat Dr. Kai Zwicker und Rainer Doetkotte (auf der Bank vorn v. li.) hörten zu.
Johannes Röring (li.) sprach zur Zukunft der Landwirtschaft. Jürgen Hovenjürgen, Landrat Dr. Kai Zwicker und Rainer Doetkotte (auf der Bank vorn v. li.) hörten zu. Foto: Christiane Nitsche

„Landwirtschaft hat Zukunft – ja“, sagte Johannes Röring , „aber ob Landwirtschaft im Münsterland eine Zukunft hat, weiß ich nicht.“ Der Präsident des Westfälisch-Lippischen Bauernverbands und CDU-Bundestagsabgeordnete sprach am Sonntag auf Einladung des CDU-Bürgermeisterkandidaten Rainer Doetkotte vor rund 80 Gästen auf dem Hof Detert zum Thema „Landwirtschaft mit Zukunft!“.

Im Reigen seiner Wahlkampfauftritte wollte Doetkotte mit Landwirten vor Ort ins Gespräch kommen. Die Expertise dazu hatte er sich in Person von Röring, aber auch mit Josef Hovenjürgen , Generalsekretär der CDU NRW und selbst ehemals Landwirt, eingeladen.

Hovenjürgen schlug scharfe Töne an. Er sei froh, „dass ich mich in diese Tretmühle nicht mehr begeben muss“, sagte er. „Landwirtschaft ist kein Traumjob.“ Er skizzierte den Druck, bei gleichbleibenden Flächen mit wachsenden Tierzahlen immer höhere Erträge erzielen zu müssen, um bestehen zu können. Dabei habe man es versäumt, „die Menschen mitzunehmen.“ Die Öffentlichkeit sei gleichzeitig einer „emotionalisierten Politik“ ausgesetzt, die mit den Realitäten nichts zu tun habe. „Es gibt Klimawandel, ja“, sagte er. „Aber der Weltuntergang steht nicht bevor.“ Er erinnerte an eine Reihe von Schreckensszenarien der letzten Jahrzehnte: „Waldsterben, Tschernobyl, Vogelgrippe, Rinderwahn, Fukushima und jetzt Stickoxide.“ Dass „diese ganzen lebensverkürzenden Ereignisse“ gleichzeitig zu einer nahezu Verdoppelung der Lebenserwartung geführt hätten, sei doch bemerkenswert, fügte er unter dem Gelächter der Zuhörer hinzu. Es gelte, die Betriebe zu öffnen, um besser zu informieren. „Wir müssen den Menschen zeigen, dass ich deutlich mehr bezahlen muss, wenn ich eine andere Form der Produktion haben will.“

Unter dem Schlagwort „realistische Politik“ mahnte er auch einen anderen Umgang mit politischen Gegnern an. Wie etwa Röring derzeit angegangen werde, das sei „nicht fair, militant, ehrabschneidend“. Den Grünen im Landtag warf er in Sachen Hambacher Forst Wortbruch vor. Gleichzeitig seien Forderungen von Ex-AfD-Abgeordneten in dieser Frage unterstützenswert gewesen. „Wenn Forderungen gestellt werden, die sich auf dem Boden unseres Gesetzes bewegen, sind die in Ordnung“, sagte er, „auch wenn sie von Idioten kommen.“

Johannes Röring zog das für ihn einzig logische Fazit: „Nur die CDU und CSU können die Menschen wieder in die Realität zurückholen“, sagte er. Das gelte in Brüssel wie in Berlin, im Land wie im Kreis oder in der Kommune. „Man muss den Menschen uneingeschränkt die Wahrheit sagen“, erklärte er. Gleichzeitig gelte es, den ländlichen Raum zu stärken „und die Menschen, die dafür arbeiten, dass andere versorgt werden.“ Röring: „Der ländliche Raum braucht Fürsprecher.“ In Brüssel werde es mit Manfred Weber einen solchen geben, sagte er mit Blick auf die Europawahl. „Wir Bauern sind überzeugte Europäer.“ Es gelte, eine Verschärfung der Düngemittelverordnung zu verhindern. „Keiner kann etwas dagegen haben, das Trinkwasser sauber zu halten, aber wir müssen auch Existenzen betreiben können.“

Er warb für eine Überprüfung der Anordnung von Nitrat-Messstellen und mehr Kooperationen mit den Wasserversorgern, um „rote Wasserkörper“ zu minimieren. „Die Pflanze nicht ernähren heißt geringerer Ertrag“, erklärte er. Und mehr noch: „Das heißt im nächsten Jahr weniger düngen, und das wollen wir nicht, weil wir wissen, dass unsere Tiere daran hängen.“ Und ohne Viehmast gehe es nicht. Mit reinem Ackerbau könne die Landwirtschaft in der Region nicht bestehen. „Nur ein Zehntel hätte eine Chance zu überleben.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6416571?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Was man über Münsters Oktoberfest 2019 wissen muss
Infos zu Programm und Tickets: Was man über Münsters Oktoberfest 2019 wissen muss
Nachrichten-Ticker