Botschafter zu Besuch an der Universität Twente
Wo Ouzo untersucht wird

Enschede -

Textil? Ja. Landwirtschaft? Ebenfalls. Doch auch in Forschung und Wissenschaft nimmt die hiesige Region eine wichtige Rolle ein. „Zwischen Enschede und Münster finden wir 100 000 hoch ausgebildete Menschen“, sagte Enschede Bürgermeister Onno van Veldhuizen am Mittwoch an der Universität Twente (UT). Dort informierten sich der Botschafter Deutschlands in Den Haag, Dirk Brengelmann, und sein niederländischer Amtskollege in Berlin, Wepke Kingma, über die Hochschulen der Region und ihre Kooperationen.

Donnerstag, 28.02.2019, 06:18 Uhr aktualisiert: 28.02.2019, 06:20 Uhr
Wepke Kingma, Botschafter der Niederlande in Deutschland, Dirk Brengelmann, Botschafter in den Niederlanden, und Dr. Mirjam Bult von der Universität Twente (v.l.) ließen sich ein Projekt erläutern, an dem Wissenschaftler aus Enschede und Münster arbeiten. Das kleine Foto zeigt das Nanolab der UT.
Wepke Kingma, Botschafter der Niederlande in Deutschland, Dirk Brengelmann, Botschafter in den Niederlanden, und Dr. Mirjam Bult von der Universität Twente (v.l.) ließen sich ein Projekt erläutern, an dem Wissenschaftler aus Enschede und Münster arbeiten. Das kleine Foto zeigt das Nanolab der UT. Foto: Martin Borck

Die UT in Enschede ist ein Paradebeispiel für deutsch-niederländische Ausrichtung. Nicht nur dass dort derzeit 1300 der insgesamt gut 11 000 Studenten aus Deutschland stammen und 150 deutsche Mitarbeiter dort angestellt sind; nein: Mit dem Fraunhofer-Institut und einem Max-Planck-Zentrum haben sich dort gleich zwei renommierte Wissenschaftseinrichtungen angesiedelt, die ihrer Ursprünge in Deutschland haben. „Das ist schon ungewöhnlich“, kommentierte Brengelmann anerkennend.

Eine ganze Reihe von gemeinsamen Projekten haben die UT und die Uni Münster auf die Beine gestellt. „Von dieser Zusammenarbeit profitiert die gesamte Region“, sagte Dr. Mirjam Bult , Mitglied des Verwaltungsrats der UT. Neue Arbeitsplätze entstehen, neue Firmen.

Die Uni in Enschede stand vor gut 30 Jahren an der Spitze der „unternehmenden Universitäten“, die die Studiengänge auf die Anwendungen und Notwendigkeiten der Wirtschaft und Gesellschaft ausrichteten, Ein Ergebnis sind die zahlreichen Spin-off-Firmen, die auf den an der Uni geleisteten Forschungen aufbauen. Und das ziemlich erfolgreich, wie Unternehmen wie die Hotel-Internetplattform Booking.com oder der High-End-Technologielieferant Demcon zeigen. Über 1000 derartiger Firmen wurden gegründet. Etliche der Unternehmen sind international ausgerichtet. Die Uni hilft ihnen dabei, an Startkapital zu kommen. 80 Prozent existieren immer noch. „Das ist sehr viel“, wie Jaap Beernink von der Innovationsplattform Novel-T sagt.

Welch exzellente Forschung in Enschede geleistet wird, erläuterte unter anderem Dr. Dominik Krug vom Max-Planck-Zentrum für Strömungsmechanik. Von der Forschung profitieren Anwender im Bereich der erneuerbaren Energien (Windräder) genauso wie die Hersteller von Tintenstrahldruckern. Auch „Ouzo-Forschung“ wird betrieben: Warum wird der anishaltige Schnaps trübe, wenn man Wasser hinzufügt? „Das alles ist keine Spielerei. Derartige sogenannte ternäre Lösungen finden vielfach in der Chemie Anwendung“.

Nicht dass alles optimal wäre: Auch im Hochschulbereich wird über viel Bürokratie geklagt, die Kooperationen erschwert Auch bei der Anerkennung von Abschlüssen gibt es immer noch Probleme. Und Enschede kritisiert die mangelhafte Anbindung an die großen Städte im Westen des Landes. „Von Eindhoven aus dagegen fährt alle zehn Minuten ein Zug Richtung Amsterdam“, so Euregio-Präsident Rob Welten.

Den Wissenschaftlern fehlen zudem Ansprechpartner in den Ministerien, wenn sie – wie zum Beispiel bei der Batterienforschung – grenzüberschreitend zusammenarbeiten wollen.

Diese Hinweise nahmen die Botschafter mit. „Das ist ja auch der Hintergrund für unseren Besuch“, so Kingma gegenüber den WN. „Die grenzüberschreitende Arbeit halten wir für wichtig. Wir wollen erfahren, was vor Ort geschieht und was von uns erwartet wird.“ Die Zusammenarbeit zu unterstützen werde einfacher, wenn man sich vor Ort einen Eindruck gemacht habe.

Am Mittag fuhren die Botschafter nach Vreden, wo sie sich über weitere Projekte informierten.

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