Prozess am Landgericht
Anklage wegen Drogenhandels

Gronau/Münster -

Zwei Werkzeugkästen waren Verstecke für diverse Drogen: Varianten des Aufputschmittels Amphetamin, Kokain, Marihuana und synthetisches Meskalin, das wie Ecstasy als Partydroge gilt. Als der Hauptangeklagte (30) aus Gronau schließlich eine Durchsuchung der Polizei in seiner Wohnung befürchtete, übergab er die Koffer an eine Bekannte (38), die ebenfalls in Gronau lebt. 

Mittwoch, 06.03.2019, 18:58 Uhr aktualisiert: 06.03.2019, 19:01 Uhr
Prozess am Landgericht: Anklage wegen Drogenhandels
Für die Angeklagten (r. und l. im Bild) begann am Mittwoch – in Begleitung ihrer Strafverteidiger – das Verfahren gegen sie am Landgericht. Foto: klm

Als der Hauptangeklagte (30) aus Gronau schließlich eine Durchsuchung der Polizei in seiner Wohnung befürchtete, übergab er die Koffer an eine Bekannte (38), die ebenfalls in Gronau lebt. Ihre Wohnung diente seitdem als Lager für den Verkauf an Abnehmer. Von diesem Ablauf geht zumindest die Staatsanwaltschaft aus.

Wegen Handels mit Betäubungsmitteln von September 2017 bis Oktober 2018 sind die beiden Gronauer am Landgericht angeklagt. Seit Mittwoch wird gegen sie verhandelt. Den Stoff soll der 30-Jährige aus den Niederlanden bezogen haben. Abnehmer kamen demnach aus Gronau und Ochtrup.

4300 Euro eingenommen

Rund 4300 Euro soll der Angeklagte alleine als Gewinn aus seinen Drogengeschäften gezogen haben, zitierte die Staatsanwältin aus der Anklageschrift. Die Frau alleine habe rund 1700 Euro eingenommen und beide gemeinsam einen Gewinn von 520 Euro. Mal habe der 30-Jährige mehrere Hundert Gramm Amphetamin angeboten, dann sei es wiederum zu vielen Einzelverkäufen von jeweils wenigen Gramm gekommen. Bei den anderen Substanzen handelte es sich meistens um relativ kleine Mengen.

Ob die Vorwürfe zutreffen, wird das Gericht unter anderem durch Zeugenaussagen, Telefonmitschnitte und Chat-Protokolle aus sozialen Medien klären müssen, denn der Gelegenheitsarbeiter verweigerte am Mittwoch die Aussage. Das Amtsgericht Ahaus hatte den gebürtigen Gronauer im Oktober 2018 bereits zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung wegen Handels mit Betäubungsmitteln in anderen Fällen verurteilt.

"Bloß einen Gefallen tun"

Die 38-Jährige lebt seit 2015 in der Stadt, nahm einen Job als Produktionshelferin an, wie sie erklärte, und will ihrem Bekannten bloß einen Gefallen getan haben, indem sie die Koffer aufbewahrte. „Ich habe kein Geld von ihm dafür bekommen“, sagte sie. Sie habe auch keinen Zugriff für die mit Schlössern gesicherten Werkzeugbehälter gehabt. Zu einem Fall, in dem sie kleine Mengen Marihuana weitergab, erklärte sie, dass sie das Gras jenseits der Grenze in einem Coffeeshop gekauft und es „als Gefallen für einen Kollegen“ als Abnehmer an ihn übergeben habe. „Ohne Gewinn.“

Ein psychiatrischer Gutachter bezeichnete den 30-Jährigen am Mittwoch als „chronisch alkoholabhängig“ und nach mehreren Drogen süchtig. Der Gutachter befürwortete im Falle einer Verurteilung des Mannes als Teil der Strafe die Unterbringung im geschlossenen Drogenentzug für zwei Jahre.

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