Diskussion über Europa im Driland-Kolleg
Für Frieden und Freiheit kämpfen

Gronau -

Die Aula ist mit Europafahnen und gelben Sternen geschmückt, die Stühle stehen in konzentrischen Kreisen um die Mitte. „Fishbowl – Aquarium“ nennt man das, erklärt Moderatorin Christiane Nitsche. Und Oliver Keesen, Leiter des Driland-Kollegs und Gastgeber der Veranstaltung, lädt in diese Stuhlkreise ein: „Kommen Sie ran, nehmen Sie Platz im Zentrum Europas. Denn Sie sind alle Bürger Europas und ohne die Bürger ist Europa nicht lebensfähig.“

Donnerstag, 07.03.2019, 09:36 Uhr aktualisiert: 07.03.2019, 09:50 Uhr
Die Teilnehmer sitzen in konzentrisch angeordneten Stuhlkreisen und sind ausdrücklich eingeladen, mitzudiskutieren. Die jüngste Aktivistin im Zirkel ist Isabelle Büttner (kl. Bild r.), die älteste Threes Koberg (l.). Beiden gemein ist ihre Haltung pro Europa.
Die Teilnehmer sitzen in konzentrisch angeordneten Stuhlkreisen und sind ausdrücklich eingeladen, mitzudiskutieren. Die jüngste Aktivistin im Zirkel ist Isabelle Büttner (kl. Bild r.), die älteste Threes Koberg (l.). Beiden gemein ist ihre Haltung pro Europa. Foto: Frank Zimmemann

Unter der Überschrift „Aktiv für Europa“ haben das Driland-Kolleg, die Euregio-Volkshochschule Gronau und das aktuelle Forum/ VHS Ahaus ins Driland-Kolleg eingeladen. Zunächst sitzen geladene Gäste im Mittelkreis: Von der Bewegung Pulse of Europe Kim Kellermann (Münster), Frank Beckert (Ahaus) und Threes Koberg (Gronau) sowie von den Jungen Europäischen Föderalisten Enschede (JEF) Isabelle Büttner.

Kim Kellermann stellt Pulse of Europe vor. Die Geburtsstunde der Bürgerbewegung schlug im Jahr 2016, das mit dem Brexit-Votum und der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten zu einem Krisenjahr für Anhänger des europäischen Gedanken wurde. Aus dieser Erfahrung entstand der Impuls, nicht nur immer gegen, sondern auch mal für etwas auf die Straße zu gehen.

Von der Idee ließ sich auch eine Gruppe von Frauen in Gronau anstecken. Eine von ihnen: Threes Koberg. „Ich habe noch Krieg erlebt“, sagt sie. Acht Jahre war sie alt, als der Zweite Weltkrieg endete und neben zerstörten Gebäuden auch Hass und Revanchismus zurückgelassen habe. Aber sie habe auch erlebt, wie über einen intensiven Austausch mit Frankreich aus „Erbfeinden“ Freunde wurden. „Man besuchte den Feind und stellte fest: Der ist ja wie ich!“, beschreibt sie diese Erfahrung und ihre Motivation, sich bei Pulse of Europe zu engagieren. „Wir haben jetzt seit fast 75 Jahren Frieden, das ist so wertvoll, dafür möchte ich mich weiter einsetzen. Denn Friede ist kein Naturgesetz, um Frieden muss man sich bemühen“, sagt sie und erntet dafür Applaus.

Einen weiteren Blickwinkel bringt Frank Beckert ein. Der Ahauser Unternehmer erinnert an die Zeiten der verschiedenen Währungen und der geschlossenen Grenzen. „Wir wurden an der Grenze bei Ter Huurne auf Kaffee kontrolliert“, erinnert er sich. „Ich bin als Mensch und Unternehmer froh und glücklich, dass es Europa gibt.“ Deshalb halte er auch den Brexit für einen Fehler und hoffe, dass es nicht dazu komme. „Dafür sollten wir alles tun“, betont er.

Dass für Europa zu sein nicht bedeutet, dass man Europa gegenüber unkritisch ist, betont Isabelle Büttner. Die Studentin engagiert sich in Enschede bei den Jungen Europäischen Föderalisten. Bei den wöchentlichen Treffen setze sich die Gruppe kritisch mit Europa-Themen auseinander. Eines ihrer Ziel sei, dass Europa transparenter und das Selbstverständnis der Menschen als Europäer größer werde.

„Gastfische“, die ins Aquarium kommen, um mitzudiskutieren, benennen mit Blick auf Europa auch Zweifel und Sorgen, sprechen von einem Europa, das auf der Weltbühne als schwach wahrgenommen wird, das die geplante Urheberrechtsreform gegen den Willen vieler junger EU-Bürger durchdrücke. Vom „Spaltpilz“ Viktor Orbán ist die Rede. Die Europa-Aktivisten nicken zustimmend und betonen, dass auch Unzufriedenheit eine gute Motivation sein kann, sich für Verbesserungen in der EU stark zu machen. Ihr gemeinsamer Aufruf: Bringt euch ein, beschäftigt euch mit Europa und vor allem: Nutzt euer Stimmrecht und geht am 26. Mai zur Europawahl.

 

 

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