Volles Haus bei der Veranstaltung des Heimatvereins
„Allens is vergäten“ – nur das Plattdeutsche nicht

Gronau -

Im 19. Jahrhundert war es noch üblich, dass Stadtbewohner bei der Arbeit und werktags Plattdeutsch sprachen, während sie sich bei anderen Gelegenheiten auf Hochdeutsch ausdrückten. In der Mitte des 20. Jahrhunderts verlor das Plattdeutsche an Bedeutung, sein Niedergang wurde prophezeit. Doch das war voreilig: Denn der Heimatverein Gronau, der sich der plattdeutschen Sprache verpflichtet fühlt, verbuchte am Freitag beim Plattdeutschen Abend im Hotel Driland mit fast 130 Besuchern ein volles Haus.

Dienstag, 12.03.2019, 07:32 Uhr aktualisiert: 12.03.2019, 07:40 Uhr
Auf gute Resonanz stieß der Plattdeutsche Abend des Heimatvereins Gronau.
Auf gute Resonanz stieß der Plattdeutsche Abend des Heimatvereins Gronau. Foto: privat

Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Singkreis und den Gästen mit dem Westfalenlied in plattdeutscher Fassung („O, wu schön is mien Westfaolen“), eine Reverenz an die Heimat. In dem Gedicht „De Mönsterlänner“ wurden die Eigenschaften der Menschen in der Region beschrieben. Danach folgte das „Gronauer ABC“, in dem in alphabetischer Reihenfolge die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft beschrieben wurden. Lustige Döhnkes und Vötälsels aus dem Alltag, bei denen überwiegend Geistliche und Bauern nicht verschont blieben, trugen vier Plattkürer aus „erhöhter Position“ vor.

Als Beispiele mögen dienen: „Dat Dänstwicht“, die alle Arbeiten im Haushalt kennt, verpasst ihre Stellung, weil sie nicht Klavier spielen kann. Eine Verkäuferin ist überrascht, als ein Mann beim „BH-Kaup“ für seine Frau die Größe mit den Maßen seines Hutes angibt. Der Bischof ist bei einer Visite im Haus des Pastors entsetzt, als er im Schlafzimmer ein Ehebett vorfindet. Die Erklärung: „Das Bett ist für den Hund bestimmt.“ Im „Bicht­stool“ sieht ein Schüler die Stola als Haltegurt an. „Poggen Änne“ reizt vor dem Kaiserschnitt wie beim Skatspielen. Nach der Entbindung sagt der Doktor zu ihr: „Sie hätten noch weiter reizen können, denn es sind zwei Buben im Spiel.“

Zur Unterhaltung trugen auch die Sängerinnen und Sänger bei, heißt es in einer Mitteilung des Heimatvereins. Bei „Vandage“ wurde die Natur besungen. Es folgte „Dat du mien Leevsten büs“. „Si kien Knurrpott“ wurde aufgefordert, zu lachen, zu singen und vergnügt zu sein. „Allens is vergiäten“ beschreibt Menschen, die sich tagsüber bei der Arbeit abgemüht haben und missmutig waren. Sie wurden durch das Spielen des Nachbarn mit seiner Treckfiedel (Ziehharmonika) abends wieder ermuntert.

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