Das Miteinander gerät immer mehr in den Hintergrund
Soziale Lerngruppen bei der Caritas

Epe/Ahaus -

„Sozial braucht digital“ – so lautet die Jahreskampagne 2019 des deutschen Caritasverbandes, die deutlich machen will, dass soziale Arbeit digitale Zugänge, Tools und Möglichkeiten braucht, um nah bei den Menschen zu sein, betont Caritas-Präsident Peter Neher. Auch umgekehrt gelte dies, weiß Hildegard Roling, Leiterin der Jugendhilfe des Caritasverbandes Ahaus-Vreden, aus Erfahrung.

Dienstag, 12.03.2019, 08:21 Uhr aktualisiert: 12.03.2019, 08:40 Uhr
In der sozialen Lerngruppe entsteht das Wissen darum, mit Problemen und Anliegen nicht allein zu sein
In der sozialen Lerngruppe entsteht das Wissen darum, mit Problemen und Anliegen nicht allein zu sein Foto: Caritas

Gerade bei der zunehmenden Bedeutung der digitalen Medien in den Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen gerate das soziale Miteinander immer mehr in den Hintergrund. Deshalb werde das Angebot der sozialen Lerngruppen für viele Kinder und Jugendliche immer wichtiger. Höre sich der Begriff „Soziale Lerngruppe“ auch etwas sperrig an, so Hildegard Roling , so verberge sich dahinter ein Angebot, bei dem die Kinder und Jugendlichen miteinander spielen, toben und auch bei erlebnispädagogischen Elementen eigene Talente, aber auch Grenzen erfahren. Sie bieten auch die Möglichkeit, sich Geheimnisse anvertrauen und in einem geschützten Raum über Dinge sprechen und sich Unterstützung bei Gleichaltrigen holen. Dadurch entstehe, so Caritas-Mitarbeiterin Vera Reimer , ein Gefühl der Solidarität bei den Teilnehmern und das Wissen darum, mit ihren Problemen und Anliegen nicht allein zu sein.

Die Gründe für die Teilnahme an einer Gruppe sind so unterschiedlich wie die Kinder und Jugendlichen selbst: Da ist der elfjährige Kai, der im Schulbus immer wieder Mobbing erfährt und nicht weiß, wie er sich verhalten soll. Da ist Finn, 13 Jahre, der häufig sehr aufbrausend ist und bei Konflikten seine Aggressionen kaum in den Griff bekommt. Die zwölfjährige Marie hat sich völlig zurückgezogen, seit ihre Eltern sich getrennt haben. Und Sophia (14) würde am liebsten aus ihrem Elternhaus ausziehen, weil es immer wieder Zoff mit ihren Eltern gibt, seitdem sie versucht, in der Pubertät eigene Wege zu gehen und dabei die Grenzen, die ihre Eltern setzen, nicht akzeptieren will.

Häufig trauen sich Familien nicht, sich Unterstützung in einer Beratungsstelle zu holen, so Matthias Wahl von der Caritas . Dahinter mag der Gedanke stecken, sich zu outen, weil in ihrer Familie etwas nicht stimme oder die Angst, versagt zu haben. Wahl: „Es gibt keine Familien, in denen es nicht zu solchen oder ähnlichen Schwierigkeiten kommt. Ist der erste Schritt erst einmal gegangen, bekommen die Mitarbeiter der Beratungsstelle sowohl von den Eltern, aber auch den Kindern und Jugendlichen häufig die Rückmeldung, wie hilfreich und entlastend die Unterstützung ist.“ Nicht selten kommt von den Kindern und Jugendlichen, so Vera Reimer, am Ende eines Gruppenangebotes die Frage, ob sie nicht noch einmal daran teilnehmen dürfen.

Die Mädchen- und Jungengruppen richten sich an Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Altersgruppen, die sich wöchentlich zu einer Gruppenstunde treffen. Ein spezielles Gruppenangebot bietet die Caritas-Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche aus Trennungs- und Scheidungsfamilien.

Die Grundsätze der Freiwilligkeit und Verschwiegenheit seien für ihre Arbeit selbstverständlich, so Roling, und alle Angebote sind kostenlos. Alle Ratsuchenden können sich unter ✆ 02565 2424 (Epe), ✆ 02561 42910 (Ahaus) und ✆ 02563 1098 (Stadtlohn) an die Beratungsstellen wenden, informieren und bei Bedarf ein Gespräch vereinbaren.

 

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