Aktionstag gegen Kundenärger im Telefonladen
Schlechter Vertrag statt guter Rat

Gronau -

Ein zweiwöchiges Widerrufsrecht bei Mobilfunkverträgen? Das gibt es zwar im Internet – in der Regel aber nicht, wenn der Vertrag in einem Telefonladen abgeschlossen worden ist. Auf diese wichtige Tatsache weist die Verbraucherzentrale NRW aus Anlass des Weltverbrauchertrags hin. „Probleme mit Mobilfunkverträgen gehören nach wie vor zu den Themen, mit denen wir uns am häufigsten beschäftigen“, sagt Maik Böhme von der Verbraucherberatung in Gronau. Dazu gehören auch Verträge, die im Shop abgeschlossen wurden.

Samstag, 16.03.2019, 09:56 Uhr aktualisiert: 16.03.2019, 10:00 Uhr
Maik Böhme von der Verbraucherzentrale weist auf die Rechte von Kunden hin, die im Telefonshop einen Mobilfunkvertrag abschließen wollen.
Maik Böhme von der Verbraucherzentrale weist auf die Rechte von Kunden hin, die im Telefonshop einen Mobilfunkvertrag abschließen wollen. Foto: Martin Borck

Und das, obwohl den Händlern sogar eine kundenfreundliche Vorgabe auferlegt wurde: Shopbetreiber sind schon seit Mitte 2017 verpflichtet, Kunden vor einem Vertragsabschluss über die wichtigsten Details zu informieren. Sie müssen auf ein von der Bundesnetzagentur gestaltetes Produktinformationsblatt hinweisen und dieses entweder sehr gut sichtbar auslegen oder den Kunden aushändigen. Doch diese Vorgabe ist vielfach bloße Theorie. Das ergab eine Stichprobe der Verbraucherzentrale in NRW-weit 301 Telefongeschäften. Demnach händigten nur zwei Shopverkäufer Ratsuchenden das Blatt von sich aus aus. Neun von zehn Händlern rückten die Übersicht auch auf Nachfrage nicht raus. „Das Ziel der Vorschrift, ratlose Kunden anhand des Produktinformationsblatts durch den Tarifdschungel hin zu dem von ihnen gewünschten Vertrag zu führen, wird durch die Nichtherausgabe des Produktinformationsblatts regelmäßig untergraben“, kritisiert Böhme .

Die Verbraucherzentrale gibt folgende Infos und Tipps:

► Transparenz und Vergleich – im Produktinformationsblatt A und O: Die Übersicht enthält die wesentlichen Angaben, die Telefon-, TV- und Internetverträge transparent und miteinander vergleichbar machen. Dazu gehören unter anderem der Name des Tarifs, die darin enthaltenen Zugangsdienste, die Vertragslaufzeit, Infos zur Kündigung und Verlängerung des Vertrags, die Datenübertragungsraten in Mbit/s, das Datenvolumen und Informationen zur Drosselung, Preise sowie Name und die ladungsfähige Adresse des Anbieters. Mit Hilfe des Produktinformationsblattes soll sichergestellt werden, dass Kunden die wichtigsten Vertragsdetails auf einen Blick erhalten und mit Angeboten anderer Unternehmen vergleichen können.

► Händler muss informieren: Dieses Blatt muss grundsätzlich für alle Verträge bereitgestellt werden, die einen Zugang zum Internet ermöglichen. Weist der Verkäufer während des Verkaufsgesprächs nicht auf das Produktinformationsblatt hin, sollten Kunden gezielt danach fragen und um einen Ausdruck bitten. Falls sich der Händler weigert, verstößt er damit gegen seine gesetzliche Informationspflicht. Kunden sollten in einem solchen Fall besser nach einem Shop Ausschau halten, der seinen Servicepflichten nachkommt.

► Vertragsbedingungen genau studieren: Die Informationen des Produktinformationsblatts müssen im Vertrag deutlich ins Auge stechen. Wichtig ist, dass die Auskünfte darin mit den Angaben im Vertrag übereinstimmen und Sonderkonditionen im Vertrag schriftlich ergänzt werden. Kunden sollten auch prüfen, ob sich die mündlichen Zusagen des Verkäufers exakt im Vertrag wiederfinden. Vor der Zustimmung zu einem Vertrag sollten Kunden alle für den Vertrag relevanten Unterlagen zur Kenntnis nehmen können. Dazu gehören neben dem Vertragsformular die Leistungsbeschreibung, das Preisverzeichnis, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und das Produktinformationsblatt.  Die Un­terlagen sollten am besten zu Hause abgeheftet werden.

► Im Handyshop abgeschlossene Verträge können in der Regel nicht im Nachhinein widerrufen werden. Mögliche Ausnahme: Wenn mit dem Abschluss eines Mobilfunkvertrags etwa zusätzlich ein vergünstigtes Handy oder ein Tablet erworben wird.

►  Wer es sich zu Hause anders überlegt, ist zunächst an den Vertrag gebunden. Haben Kunden Zweifel, ob der Vertrag rechtmäßig zustande gekommen ist, oder stellen sie im Nachhinein fest, dass die Leistungen nicht dem entsprechen, was im Vertrag vereinbart worden ist, sollten Betroffene rechtlich prüfen lassen, ob der Vertrag angefochten, außerordentlich gekündigt und Schadensersatz geltend gemacht werden kann.

In der Beratungsstelle Gronau, Konrad-Adenauer-Straße 47-49, werden die nötige n rechtlichen Informationen gegeben, die für einen optimalen Abschluss eines Handyvertrags erforderlich sind. Außerdem ist dort eine nützliche Checkliste erhältlich.  

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