Demonstration für Klimaschutz
„Noch ist es nicht zu spät“

Gronau -

Die Bewegung „Fridays for Future“ ist auch in Gronau angekommen. Rund 70 Teilnehmer demonstrieren am Freitag lautstark und bunt für Klimaschutz. Doch anders als in vielen anderen Städten kam die Initiative hier nicht von Schülern.

Samstag, 16.03.2019, 07:00 Uhr
Zu Beginn der Demonstration spricht Florian Wielens, einer die Initiatoren, zu den Teilnehmern.
Zu Beginn der Demonstration spricht Florian Wielens, einer die Initiatoren, zu den Teilnehmern. Foto: Frank Zimmermann

Sie skandieren „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ Viele tragen Schilder mit Sprüchen wie „Opa, was ist ein Schneemann?“ oder „Wäre das Klima eine Bank, ihr hättet es längst gerettet.“ Auch dabei: „Würden Bäume gratis Wlan aussenden, überall würden wir sie anpflanzen. Schade, dass sie nur die Luft produzieren, die wir atmen.“ Knapp 70 Gronauer haben am Freitagnachmittag lautstark und bunt für mehr Klimaschutz demonstriert.

Jeweils zur Hälfte Kinder und Jugendliche, zur Hälfte Erwachsene, trafen sich die Demonstranten auf dem Theodor-Heuss-Platz. Von dort aus marschierten sie um kurz nach drei Uhr durch die Innenstadt. Dabei machten sie auch mit Trillerpfeifen auf sich aufmerksam. Damit ist die Bewegung „ Fridays for Future “ auch in Gronau angekommen.

„Fridays for Future“

Mit ihrem Schulstreik für Klimaschutz hat die 16-jährige Greta Thunberg die Bewegung „Fridays for Future“ ins Leben gerufen, die inzwischen immer größere Kreise zieht. Für den gestrigen Freitag hatte die Bewegung zu einem internationalen Schulstreik für den Klimaschutz aufgerufen. Weltweit folgten Hunderttausende Schülerinnen und Schüler diesem Aufruf. Die Logik dahinter: Warum sollen wir für eine Zukunft lernen, die es vielleicht bald gar nicht mehr gibt, wenn niemand etwas zur Rettung dieser Zukunft unternimmt? Inzwischen wurde Greta Thunberg zu einer Ikone für die Klimaschutzbewegung – und sogar für den Friedensnobelpreis nominiert.

...

In Gronau kam die Initialzündung zur Teilnahme am weltweiten Protest jedoch nicht aus den Reihen der Schüler, sondern von engagierten Eltern. Florian Wielens und Susan Trautwein-Köhler haben die Demo organisiert. Beide engagieren sich auch bei den Grünen.

Ein paar einleitende Worte vor dem Start des Protestzugs sprach Florian Wielens auf dem Theodor-Heuss-Platz. Er zeichnete die Entwicklung der Bewegung „Fridays for Future“ nach und ermutigte die Jugendlichen, sich für mehr Klimaschutz stark zu machen. „Wir wollen, dass ihr eine gesicherte Zukunft habt“, erklärte er das Engagement der anwesenden Eltern. „Und Großeltern!, rief ein Teilnehmer dazwischen.

Die Demonstranten ziehen durch die Neustraße.

Die Demonstranten ziehen durch die Neustraße. Foto: Frank Zimmermann

Bei einem Zwischenstopp vor der St.-Antonius-Kirche kam dann auch ein Schüler zu Wort: der 19-jährige Gymnasiast Daniel Eichel. In seiner Ansprache malte er ein düsteres Bild der Zukunft: „Das Abschmelzen der Polkappen wird weitaus mehr als das Aussterben der Eisbären zur Folge haben. Die Meeresströmungen werden sich verändern, was extreme Temperaturveränderungen mit sich bringen wird. Der Meeresspiegel wird steigen. Halb Holland wird im Meer untergehen.“

Aber er zeigte sich auch optimistisch: „Aber noch können wir die Erwärmung der Erde auf 1,5 Grad beschränken, um das Schlimmste abzuwenden. Durch Demonstrationen wie heute zeigen wir, dass wir genug haben von den leeren Worten. Wir wollen, dass die Regierung endlich handelt!“ Lange recherchieren musste er für seine Rede nicht, sagte Eichel am Rande der Demonstration im Gespräch mit den WN. Er habe vor allem seine Emotionen einfließen lassen. Die Fakten seien ja hinlänglich bekannt.

Vor der Evangelischen Stadtkirche ergriff Mitorganisatorin Susan Trautwein-Köhler das Wort und versicherte den Jugendlichen erneut der Solidarität der Erwachsenen. Dass es Politiker gebe, die die protestierenden Schüler nicht ernst nähmen und sie gar diskreditierten, empöre sie.

Schließlich marschierte die Gruppe zum Rathaus, wo der parteilose Ex-Bürgermeisterkandidat Christoph Leuders unter dem Jubel der Demonstranten als letzter Redner zum Megafon griff. Man sei gekommen, um mit zweierlei Menschengruppen abzurechnen: mit denen, die es nicht verstehen können und denen, die es nicht verstehen wollen. Im Umgang mit der ersten Gruppe hülfen Aufklärung und Argumente, sagte Leuders und erklärte im Schnellverfahren die Mechanismen der Klimaerwärmung. Der zweiten Gruppe, das sei die „schlimme Gruppe“, könne man nur mit Protest begegnen. „Sie opfern unsere Zukunft, um sich daran zu bereichern.“ In seiner Rede gab Leuders auch den beiden Bürgermeisterkandidaten Sonja Jürgens und Rainer Doetkotte einen mit, weil für sie Klimaschutz nur relevant sei, weil es dafür Fördergelder gebe. „Politiker haben Angst, ihre Macht zu verlieren. Sie bewegen sich erst, wenn man ihnen kräftig in den Arsch tritt – aber nicht früher“, schloss der Student, der vor einer Woche noch selbst den Sprung ins Bürgermeisteramt schaffen wollte.

 

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