Verhandlung vorm Arbeitsgericht
GPS-Tracker: Wer wusste von der Überwachung?

Gronau/Ahaus -

Wusste die Geschäftsführung der städtischen Beschäftigungsgesellschaft „Chance“ von der Überwachung eines Mitarbeiters per GPS-Trackern? Die Geschäftsführerin weist das von sich, ein gekündigter Mitarbeiter „geht davon aus, dass sie von der ganzen Sache Bescheid wusste“. Bei zwei Güteterminen wegen Kündigungsschutzklagen vorm Arbeitsgericht wurden am Dienstag in Ahaus weitere Details in der Affäre bekannt.

Mittwoch, 20.03.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 20.03.2019, 08:20 Uhr
Verhandlung vorm Arbeitsgericht: GPS-Tracker: Wer wusste von der Überwachung?
Foto: dpa (Symbolbild)

Zum Hintergrund: Anfang 2017 hatte ein Mitarbeiter der „Chance“, L., gemeinsam mit seiner Kollegin E., in einem Fachgeschäft eingekauft. Laut Rechnung eine Richtfunkantenne, tatsächlich erwarb L. aber GPS-Tracker, die an Fahrzeugen angebracht werden und mit denen ein Bewegungsprofil von Personen erstellt werden kann – und auch wurde.

L. beglich die Rechnung selbst. Kurz danach wurde ihm wegen anderer Vorwürfe gekündigt und ein Hausverbot ausgesprochen. Weil er selbst seine Auslagen nicht mehr geltend machen konnte, bat er seinen Vorgesetzen H., ihm das Geld zu erstatten und den Betrag mit der „Chance“ abzurechnen.

Die Rechnung legte H. der Geschäftsleitung vor. Die Geschäftsführerin versah sie mit einem Eingangsvermerk. Sie habe aber keine Kenntnis vom Inhalt der Rechnung genommen, sagte sie bei einem früheren Gerichtstermin. Am Dienstag bekräftigte sie das und sagte, dass sie die Rechnung an die Finanzbuchhaltung weitergegeben habe.

Überwachungen laut Mitarbeiter nicht ungewöhnlich

Er sei davon ausgegangen, dass sie von der Sache – sprich: den Überwachungen – wisse, sagte dagegen H.: „Sonst wäre ich doch nie zu Ihnen gekommen.“ Ihm zufolge waren Überwachungen bei der „Chance“ nicht ungewöhnlich. So sei immer wieder Sammlungsgut aus Altkleidercontainern gestohlen worden. In dem Zusammenhang habe es Nachforschungen gegeben. Dass überwacht werde, sei bei der „Chance“ generell bekannt gewesen, sagte H. „Es hat einen Detektiveinsatz gegeben. Den habe ich selbst mit der Geschäftsführerin angeleiert.“ Zudem sei durch einen Einsatz mit einer Kamera der Arbeitszeitbetrug eines Mitarbeiters nachgewiesen worden. Darum sei er auch davon ausgegangen, dass die Geschäftsführung von den GPS-Trackern wisse.

Die Geschäftsführerin bekräftigte jedoch: „Ich habe definitiv keine Anweisung gegeben, Mitarbeiter per GPS zu überwachen.“ Außerdem wies der „Chance“-Anwalt auf rechtliche Unterschiede zwischen einer technischen Überwachung und einer durch Detektive hin.

Widersprüchliches zum Einkauf der Geräte

Beim Besuch des Fachgeschäfts für Überwachungstechnik Anfang 2017 war L. von Frau E. begleitet worden. Sie bestritt am Dienstag, von dem Kauf der GPS-Tracker gewusst zu haben. Vielmehr sei sie wegen eines Kostenvoranschlags für ein Kamerasystem anwesend gewesen. Der Verkäufer soll dagegen laut Anwalt der „Chance“ ausgesagt haben, dass E. sich als Geschäftsführerin ausgegeben habe und auf ihre Veranlassung hin der Posten auf der Rechnung in Richtfunkantenne geändert worden sei. Das wies E. zurück. Sie habe sich als Leiterin des KDC (Kaufhaus der Chance) vorgestellt. Ihr persönliches Erscheinen sei erforderlich gewesen, um mit dem Geschäftsinhaber über den Umfang des zu bestellenden Kamerasystems zu sprechen. Um ihre Aussage zu untermauern, wies sie darauf hin, dass der Kostenvoranschlag einer weiteren Firmen vorliege.

Das stimme zwar, so einer der Prokuristen der Chance am Dienstag; allerdings stamme der Kostenvoranschlag der anderen Firma erst aus dem Zeitraum um den Jahreswechsel 2017/18 – also fast zwölf Monate nach dem Kauf der GPS-Tracker.

GPS-Tracker nicht auffindbar

Eine weitere Frage ist: Wo befinden sich die GPS-Tracker heute? Formell sind sie im Besitz der „Chance“ – aber de facto sind sie nicht auffindbar. Hat sie jemand unterschlagen?

Aufgefallen waren die Vorgänge, nachdem im Oktober 2018 bei einer internen Prüfung der „Chance“ die besagte Rechnung einem Prokuristen in die Hände fiel. Ihr angeheftet war (Informationen der WN zufolge) das Protokoll einer GPS-Überwachung. Demnach war das Zielobjekt, ein Mitarbeiter der „Chance“, im Februar 2017 elf Tage lang überwacht worden.

Die Gütetermine brachten keine Einigung. Somit kommt es – voraussichtlich Mitte Juni – zu Kammerterminen vorm Arbeitsgericht.

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