Workshop „Kindertrauer“
Verlust und Tod sind Teil des Lebens

Ochtrup/Gronau -

„Das Trauern der Erwachsenen ist wie das waten durch einen Fluss. Kinder stolpern in Pfützen der Trauer und springen wieder hinaus“, hat die Schriftstellerin Astrid Lindgren einmal ihre Wahrnehmung beschrieben.

Dienstag, 19.03.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 19.03.2019, 17:24 Uhr
Der Museumskoffer „Vergiss-mein-nicht“ in Form eines Sarges ist vom Museum für Sepulkralkultur speziell für Kindergarten- und Grundschulkinder entwickelt worden. Er ermöglichst eine spielerische Auseinandersetzung mit den Themen Verlust, Tod und Trauer. Er soll vor allem dabei helfen, Berührungsängste abzubauen.
Der Museumskoffer „Vergiss-mein-nicht“ in Form eines Sarges ist vom Museum für Sepulkralkultur speziell für Kindergarten- und Grundschulkinder entwickelt worden. Er ermöglichst eine spielerische Auseinandersetzung mit den Themen Verlust, Tod und Trauer. Er soll vor allem dabei helfen, Berührungsängste abzubauen. Foto: Susanne Menzel

Wie aber sollen Erwachsene Kinder auf diesen hüpfenden Trauerwegen begleiten? Wie sie ansprechen, wie mit ihrer Trauer umgehen? Und: Kann man Kinder auf das Abschiednehmen vorbereiten? Oder soll man sie nicht besser davor beschützen?

Es waren viele Fragen, die sich die Teilnehmenden am Workshop „Kindertrauer“ stellten, der jetzt vom Hospizverein Ochtrup-Metelen initiiert wurde. Aus Ochtrup, aber auch aus Gronau und Steinfurt hatten die Interessenten – von Erzieherinnen über Bestatterinnen und ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen bis hin zur Notfallseelsorgerin – den Weg in die Töpferstadt gefunden. Zu einem Thema, das die Referentinnen Ute Elbers (Diakonin und Trauerbegleiterin) sowie Marita Olding und Vanessa Wübbelmann (beide von der Initiative „Verwaiste Eltern Osnabrücker Nordland“) nicht nur aus mehrjähriger Erfahrung, sondern zum Teil auch aus eigener Betroffenheit heraus sensibel zu begleiteten wussten.

Ins Auge stach schon vor Beginn der bunt gestaltete Sarg inmitten der Runde: mit knalligen Farben bemalt, mit Totenkopf-, Regenbogen-, Schmetterlings-, Teddybär-, Vogel-, aber auch Blumenbildern geschmückt. „Vergiss-mein-nicht“ heißt dieser Museumskoffer, der eigens für die präventive Arbeit mit Kindern zum Thema Trauer entwickelt worden ist. „Denn Trauer erfährt jedes Kind einmal auf seinem Lebensweg“, erklärte Ute Elbers. Und die Formen des Abschied-nehmen-Müssens sind ganz unterschiedlich. Angefangen bei der Trennung vom geliebten Kuscheltier bis zum Tod des Haustieres, dem Verlust von Oma, Opa oder gar einem Eltern- oder Geschwisterteil. „Diesen Verlustschmerz gilt es anzusprechen, zu benennen und zu begleiten“, so die Referentinnen.

Der Museumskoffer gibt dazu Hilfestellung – kann aber sicherlich das persönliche Begleiten nicht ersetzen. „Er ist ein Rüstzeug, das dabei helfen kann, Kinder gut einzubinden“, so Elbers, die selbst vor sieben Jahren zur Selbsthilfegruppe „Verwaiste Eltern“ stieß. „Mein Leben hat sich dadurch verändert“, erklärt die Diakonin: „Die Mitarbeit dort hat mir neue Türen geöffnet. Früher habe ich das direkte Ansprechen von Tod und Trauer vermieden.“ Aber zu dem Ansinnen, Kinder auf das Leben vorzubereiten, gehöre es nun einmal, sich auch mit Abschieden, Tod und Trauer zu beschäftigen: „Diese Abschnitte sind Teil des Lebens. Wir haben alle Ressourcen in uns, damit umzugehen. Das Leben ist eine Fließbewegung. Das Leid tritt erst durch das Stehenbleiben in diesem Fluss zutage.“

Um Kinder in ihrer Trauer zu begleiten, darin waren sich die Referentinnen einig, „muss sich jeder zunächst den eigenen Erfahrungen mit dem Tod und der Trauer stellen. Diese Selbstklärung ist wichtig, um nicht später zu viel eigene Erfahrungen und eigenes Erleben mit in die Gespräche einfließen zu lassen.“

Kinder zu ermutigen, traurig sein und weinen zu dürfen, sie dabei zu unterstützen, wenn sie dem Verstorbenen einen persönlichen Gegenstand mitgeben wollen, das war eine der Botschaften an diesem Nachmittag. Eine weitere: Erwachsene müssen zulassen können, wenn Kinder sich verabschieden. Ute Elbers: „Das fängt im Kleinen an. Man muss ein verloren gegangenes oder zerbrochenes Spielzeug nicht sofort durch ein neues ersetzen. Kinder sollen auch darum trauern dürfen. Ebenso wie um einen Menschen. Unsere Aufgabe ist es, die Gefühle der Kinder zuzulassen.“

Und in dem kleinen „Handout“, das die Referentinnen den Workshop-Teilnehmerinnen zum Abschluss mit auf den Weg gaben, zitieren sie ein weiteres Mal Astrid Lindgren:

„Lange saßen sie dort und hatten es schwer, doch sie hatten es gemeinsam schwer, und das war ein Trost. Leicht war es trotzdem nicht.“ (Ronja Räubertochter)

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