Bürgermeister-Stichwahl
Rainer Doetkotte wird neuer Bürgermeister von Gronau

Gronau -

Das vorläufige Endergebnis steht fest: Rainer Doetkotte (CDU) hat 60,9 Prozent der Stimmen erhalten und wird neuer Bürgermeister von Gronau. Er löst damit Amtsinhaberin Sonja Jürgens (SPD) ab. Freude und Enttäuschung liegen am Sonntagabend im Rathaus dicht beieinander.

Sonntag, 24.03.2019, 18:05 Uhr aktualisiert: 25.03.2019, 11:13 Uhr
Bürgermeister-Stichwahl: Rainer Doetkotte wird neuer Bürgermeister von Gronau
Sonja Jürgens gratuliert ihrem Nachfolger zur gewonnenen Stichwahl. Foto: Klaus Wiedau

Freude und Enttäuschung liegen am Sonntagabend im Rathaus dicht beieinander: Im Rund des rappelvollen Sitzungssaales steht ein strahlender Rainer Doetkotte inmitten von Gratulanten. Weiter hinten ist auch Sonja Jürgens umringt von Menschen, aber dort geht es in der Stunde der Niederlage leiser und ernster zu. Obwohl die scheidende Bürgermeisterin das Wahlergebnis tapfer wegzulächeln versucht, ist ihr die Enttäuschung über die Niederlage deutlich anzumerken – Wahlabende haben ihre ganz eigene Dramatik.

Mit minutenlangem Applaus quittieren die Doetkotte-Anhänger das (vorläufige) Endergebnis der Stichwahl, das gegen 18.40 Uhr auf der Leinwand im Wahlstudio erscheint – Doetkotte gewinnt in allen Wahlbezirken. Dieser Wahlsieg ist für die CDU insgesamt ein ganz besonderer, wie Insider betonen: Mit Doetkotte gewinnt die CDU erstmals im Kreis Borken eine Stichwahl um das Bürgermeisteramt.

Rainer Doetkotte ist Gronaus neuer Bürgermeister

„Das Leben geht weiter“

Schon vor der Einblendung des Gesamtergebnisses – es fehlen zu diesem Zeitpunkt noch die Stimmen aus zwei Wahlbezirken – reckt der designierte Bürgermeister optimistisch den Daumen in die Luft, der Jubel bricht aber erst los, als alle Zahlen feststehen. Erste Gratulanten sind Ehefrau Andrea (der im Moment des Sieges die Tränen kommen) und die Kinder, ehe auch Papa und Mama Doetkotte ihren Sohn in die Arme nehmen. Danach nimmt die Schlange der Gratulanten lange kein Ende.

BuergermeisterStichwahl

Zehn Meter entfernt gibt es aufmunternde Worte für Sonja Jürgens: „Das Leben geht weiter“, tröstet etwa GAL-Ratsmitglied Udo Buchholz die Verliererin der Wahl. Sie betont später, „dass es Schlimmeres im Leben gibt“ als die Wahlniederlage dieses Abends. Aber: Schöne Momente im Leben der Sonja Jürgens gehen sicher anders. Um so mehr freut sie sich sichtbar über die mitfühlenden Worte, die Familienmitglieder, Freunde, politische Weggefährten und Mitarbeiter der Verwaltung ihr bei Umarmungen zuteil werden lassen.

Faire Gratulation

Für einen kurzen Moment stehen sich wenige Minuten später Doetkotte und Jürgens gegenüber, als sie ihm zum Wahlsieg gratuliert. Ein Händedruck, ein Glückwunsch, ein paar Worte, die im Lärm des Sitzungssaales untergehen: ein schwerer Gang für Sonja Jürgens und ein kurzer Augenblick, in dem auch Doetkotte an diesem Abend nicht lächelt.

In wenigen Tagen beginnt der Alltag für den Neuen, dessen Wirken viele aufmerksam verfolgen werden – die einen voller Hoffnung, andere mit kritischer Distanz.  

Sonja Jürgens (SPD): "Die Enttäuschung ist natürlich da"

„Immer gemeinsame Wege gehen“

Die Last ist groß, die am Sonntagabend von den Schultern von Rainer Doetkotte fällt.

„Es war eine lange Zeit“, sagt er, „da ist man natürlich froh, wenn man sein Ziel erreicht“ – umso mehr, wenn das Ergebnis so gut ausfalle. Ein Erholungsurlaub stehe nun nicht an. Stattdessen werde er die Zeit bis zur Amtsübernahme nutzen, um seinen bisherigen Job ordnungsgemäß abzuschließen. Er gehe davon aus, in den ersten Apriltagen seinen Dienst im Rathaus der Stadt Gronau anzutreten.

Und dann soll die Arbeit – mit einem gehörigen Respekt vor der Aufgabe – aufgenommen werden: Eines seiner wichtigsten Ziele sei nun die Weiterentwicklung in der Innenstadt – Stichwort: Drio –, eine Herzensangelegenheit. Da stehen nun wichtige Entscheidungen an. Das wolle er forcieren, „damit das endlich umgesetzt wird.“

Strategie für die ersten 100 Tage

Künftig wird Doetkotte Chef einer Verwaltung mit mehreren hundert Mitarbeitern sein. Gemeinsam mit dem Verwaltungsvorstand will er dabei in Kürze auch eine Strategie für die ersten 100 Tage festlegen. „Das werde ich dann mit dem neuen Team besprechen“, sieht er zunächst Bedarf, die Dinge nach dem Ende des Wahlkampfs richtig einzuordnen.

Die Kritik, er sei ledigliche eine „Galionsfigur der CDU“, ohne eigenes Profil, weist er zurück. „Wir haben in der Vergangenheit immer Aufgabenteilung betrieben“, betont er. Er werde auch seine eigene Meinung mit ins Amt einbringen und diese innerhalb der CDU kommunizieren. „Aber ich hoffe, dass wir immer gemeinsame Wege gehen werden“, erklärt Doetkotte. „Zum Vorteil der Stadt.“

„Die letzten sechs Jahre waren sehr prägend“

Keinen Stimmbezirk gewonnen, nur 39,1 Prozent der Stimmen erhalten: „Die Enttäuschung ist natürlich da“, gibt die Wahlverliererin und scheidende Bürgermeisterin Sonja Jürgens (SPD) wenige Minuten nach dem Eintreffen im Gronauer Rathaus vor der Kamera zu.

Dabei nutzt sie die Gelegenheit, einen großen Dank an ihren Mann, ihre Familie und ihre Unterstützer zu richten. „Es war schön, eben auch von dem ein oder anderen gespiegelt zu bekommen, dass die vergangenen sechs Jahre nicht vergeblich waren“, sagt Jürgens.

Kernthema Innenstadtentwicklung

Welche Themen aus diesen Jahren womöglich den Ausschlag für ihre Wahlniederlage gegeben haben, vermag sie nicht zu benennen. Das sei meist „Spekulation“, jeder setze einen anderen Fokus. Als ein Kernthema bezeichnet sie aber die Innenstadtentwicklung. „Ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere schon gerne etwas Fertiges hätte stehen sehen“, sagt Jürgens und fügt an: „Sie können es mir glauben: Ich auch!“

Loslassen gehöre indes zur Politik dazu, meint Jürgens: „Politik ist Verantwortung auf Zeit.“ Sie freue sich noch immer über die vergangenen sechs Jahre, „die waren sehr prägend“.

Ihre Amtszeit läuft am Mittwoch (27. März) aus, auch Ratsmitglied ist Sonja Jürgens in Zukunft nicht mehr. Zu ihrer weiteren politischen Laufbahn macht sie noch keine konkreten Angaben. „Wer mich kennt, weiß, dass man nie nie sagen soll.“ Die letzten sechs Jahre seien sehr turbulent gewesen, sie werde die Zeit nun nutzen, um zur Ruhe zu kommen. „Mal schauen, welche Ideen mir dann noch kommen“, so Jürgens.

Kommentar

Kaum Zeit zum Einarbeiten 

Die Wahl ist entschieden: Rainer Doetkotte wird in wenigen Tagen das Amt des Bürgermeisters   übernehmen. Die Ära Sonja Jürgens ist nach sechs Jahren vorbei. Eine bittere Enttäuschung für sie. Sie wird die Niederlage als unverdient empfinden. Denn sie hat sich in ihrer Amtszeit für die Stadt und ihre Bürger eingesetzt. Sonja Jürgens kann mit erhobenem Haupt Abschied vom Amt nehmen. Ich werde die Art und Weise vermissen, wie sie bei Ratssitzungen so manches Mal aufkeimendem Streit durch ihre geschickte Moderation den Wind aus den Segeln genommen hat.

Die Glückwünsche gelten Rainer Doetkotte. Er ist keine schlechte Wahl für die Stadt Gronau. Auch er ist gut vernetzt, hat das Ohr am Volk und ist moderat. Allerdings: Im Wahlkampf sind Zweifel laut geworden, ob er als künftiger erster Bürger so unabhängig agieren wird, wie es Sonja Jürgens getan hat. Sie stimmte schon mal gegen ihre eigene Fraktion. 

Das Wahlergebnis hat auch zur Folge, dass ein weiteres CDU-Mitglied in den Rat nachrückt. Zusammen mit dem neuen Bürgermeister zählt die Fraktion dann 18 Sitze und verfügt somit gemeinsam mit der UWG (drei Sitze) über eine Mehrheit im Rat. Das bedeutet, dass diese beiden Fraktionen bis zu den nächsten Kommunalwahlen im Herbst 2020 eine erhöhte Verantwortung für die Geschicke in Gronau tragen. Das gilt für die Entwicklung der Innenstadt ebenso wie für die Probleme in einigen städtischen Gesellschaften.

Dem neuen Bürgermeister wird also wohl nicht viel Zeit gegönnt werden, sich in sein Amt einzuarbeiten. 

von Martin Borck

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