Bürgermeister-Stichwahl
Nutzen Sie Ihr Wahlrecht!

Haben Sie Lust auf eine Zeitreise in meine Heimatstadt Mönchengladbach? Die größte Stadt am linken Niederrhein weist einige Parallelen zu Gronau auf: alte Textilstadt, zwei Stadtteile (Mönchengladbach und Rheydt) die seit der Kommunalreform eine Stadt bilden, bis heute aber Grabenkämpfe austragen, die Grenze zu den Niederlanden ist nur einen Steinwurf entfernt . . . Aber das nur am Rande. Ich möchte Sie mitnehmen in das Jahr 2004.

Samstag, 23.03.2019, 08:24 Uhr aktualisiert: 23.03.2019, 08:30 Uhr
Endspurt: Die Kandidaten Sonja Jürgens (SPD) und Rainer Doetkotte (CDU) sind auf der Zielgeraden des Bürgermeister-Wahlkampfes. Am Sonntag haben die Wähler das Wort – und sollten ihre Stimme nutzen.
Endspurt: Die Kandidaten Sonja Jürgens (SPD) und Rainer Doetkotte (CDU) sind auf der Zielgeraden des Bürgermeister-Wahlkampfes. Am Sonntag haben die Wähler das Wort – und sollten ihre Stimme nutzen. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Im Herbst 2004, am 26. September, stehen in Mönchengladbach (Ober-) Bürgermeisterwahlen an. Sieben Kandidaten sind im Rennen, nur 45,2 Prozent der Wahlberechtigten machen von ihrem Stimmrecht gebrauch. Am Ende hat – am „schwarzen Niederrhein – zwar erwartungsgemäß der CDU-Kandidat mit 43,5 Prozent die Nase vorn, aber er muss mit dem SPD-Kandidaten, der „nur“ 34,6 Prozent der Stimmen bekommen hat, in eine Stichwahl. Die findet am 10. Oktober 2004 statt, die Wahlbeteiligung ist mit 31,3 Prozent (nach Angabe des Sozialwissenschaftlers Dr. David H. Gehne) die niedrigste in ganz NRW. Das Ergebnis ist eine große Überraschung: Der SPD-Kandidat bekommt 52 Prozent der Stimmen und wird neuer Bürgermeister.

Danke, dass Sie mich bis hierhin begleitet haben. Jetzt geht’s zurück ins Gronau der Gegenwart: Morgen findet die Bürgermeister-Stichwahl zwischen Sonja Jürgens ( SPD ) und Rainer Doetkotte (CDU) statt. Bei der Wahl vor zwei Wochen hatte Rainer Doetkotte die Nase vorn, lag 18,2 Prozentpunkte vor Sonja Jürgens. Das heißt aber noch nicht, dass er morgen automatisch das Rennen macht. Denn wenn seine Wähler, die genau das glauben, morgen zu Hause bleiben, könnten ihm genau diese Stimmen fehlen. Umgekehrt gilt für Sonja Jürgens und ihre Wähler: Das Rennen ist noch offen, Resignation fehl am Platz. „Ich geh’ nicht wählen, weil Jürgens eh keine Chance mehr hat“, ist die falsche Einstellung. Für beides ist das Mönchengladbacher Wahlergebnis von 2004 ein gutes Beispiel.

Noch ein Wort zum Wahlkampf: Wurde den (drei) Kandidaten vor dem ersten Wahltermin noch ein Kuschelkurs attestiert, ist der Ton in den vergangenen zwei Wochen spürbar rauer, die Gangart härter geworden. Dabei betonten beide Seiten, sie hätten einen fairen Wahlkampf geführt. Dagegen wurde der Konkurrenz dies und das unterstellt. Neben Tatsachen spielen dabei natürlich auch Gefühle eine wichtige Rolle – und das ist von den Wahlkämpfern sicher auch so gewollt.

Doch auch hier gilt meiner Meinung nach: Den Wahlkampf als Schlammschlacht abzutun und das Wahlrecht deshalb nicht in Anspruch zu nehmen, ist eine schlechte Entscheidung. Denn wenn sich eine Mehrheit der Wähler so verhält, verkleinert sich die Zielgruppe der Wahlkämpfer und die Stimmen weniger Wähler bekommt plötzlich ein größeres Gewicht. Je kleiner die Gruppe der Wähler, je größer ist die Gefahr, dass das Ergebnis nicht die Stimmung der Stadtgesellschaft spiegelt. Ein Rechenbeispiel: Läuft es morgen in Gronau so ähnlich wie damals in Mönchengladbach und die Wahlbeteiligung sinkt auf 31 Prozent, dann können weniger als 6100 Gronauer darüber bestimmen, wer in den nächsten sechs Jahren Bürgermeister/-in ist. Eine solch schwache demokratische Legitimation wäre auch für den Gewinner oder die Gewinnerin eine schwere Bürde – und für die große Mehrheit der Gronauer, die dem Amtsinhaber oder der Amtsinhaberin ihre Stimme nicht gegeben haben, ein sprudelnder Quell der Unzufriedenheit.

Deshalb meine Bitte: Tun Sie das sich und Ihrer Stadt nicht an! Seien Sie gute Demokraten und gehen Sie am Sonntag wählen! Und wenn Sie dann in Übung sind, können Sie bei der Europawahl am 26. Mai gleich noch ein Kreuzchen machen . . .

 

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