Prozess wegen Brandstiftung in Spielcasino und versuchten Mordes
Casino-Betreiber stand tief in der Kreide

Gronau/Münster -

Drei Männer sollen im Dezember 2017 an der Enscheder Straße in einem Spielcasino Feuer gelegt haben. Zuvor sollen sie die darin befindlichen Spielautomaten aufgebrochen und das Geld herausgenommen haben. Die Anklage gegen sie lautet unter anderem auf versuchten Mord in sieben Fällen, weil in dem Geschäfts- und Wohnhaus sieben Bewohner hätten umkommen können.

Freitag, 22.03.2019, 18:19 Uhr aktualisiert: 24.03.2019, 15:56 Uhr
Wegen des Brandes in der Spielothek an der Enscheder Straße rückte am 8. Dezember 2017 die Feuerwehr aus.
Wegen des Brandes in der Spielothek an der Enscheder Straße rückte am 8. Dezember 2017 die Feuerwehr aus. Foto: Klaus Wiedau

Am dritten Verhandlungstag ging es am Freitag unter anderem darum, die Geschäftsstrukturen und die finanzielle Situation der GmbH zu klären, von der die Spielothek betrieben wurde. Denn einer der Angeklagten, ein 47-jähriger Mann aus Herne, soll de facto der Besitzer und Geschäftsführer gewesen sein. Und einer der Mitangeklagten, ein 32-jähriger Mann aus Düsseldorf, hatte in dem Betrieb offenbar weitgehende Befugnisse. So hatte er laut Zeugenaussagen unter anderem Bewerbungsgespräche geführt und Einstellungen vorgenommen. Auch soll er einen Schlüssel für die Geldautomaten gehabt haben und für deren Leerung mitverantwortlich gewesen sein.

Der tatsächliche Geschäftsführer, der 26-jährige Sohn des 47-jährigen Angeklagten, hatte diesen Posten wohl nur pro forma inne, weil sein Vater aufgrund gesundheitlicher Probleme kürzer treten musste. Er sagte als Zeuge sinngemäß aus, im Grunde sei das Casino der Laden seines Vaters gewesen. Dementsprechend konnte er auch viele Fragen der Vorsitzenden Richterin nicht beantworten. Er sei auch gar nicht so oft vor Ort gewesen, gab er zu Protokoll.

In den Monaten vor der mutmaßlichen Tat war der 47-jährige Angeklagte offenbar nicht willens oder in der Lage, Steuern und Rechnungen zu begleichen. Mitarbeiter von Firmen, bei denen für das Casino Geldspielautomaten gemietet worden waren, berichteten als Zeugen von Rückständen von 15 000 beziehungsweise gut 3500 Euro.

Mitarbeiter der Stadt (Stadtkasse und Ordnungsamt ) schilderten als Zeugen ihre Eindrücke von dem Casino. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamts sagte aus, er haben bei einem Ortstermin den Eindruck gehabt, der Laden sei sehr heruntergekommen, vielleicht sogar aufgegeben gewesen. Es sei dreckig gewesen, die Stühle vor den Automaten seien allesamt kaputt und mehrere Automaten aufgrund fehlender Prüfbescheinigungen gar nicht mehr für den Betrieb zugelassen gewesen.

Ein Verteidiger wies darauf hin, dass im Casino sogar ein Weihnachtsbaum gestanden habe. Diese Dekoration hätte man sicher nicht aufgestellt, hätte man das Geschäft aufgegeben, gab er zu bedenken.

Bei der Stadtkasse stand die GmbH noch tiefer in der Kreide. Ein Betrag von 22 000 Euro wurde genannt. Weil sie Vergnügungssteuern nicht gezahlt hatte, waren die Geldspielautomaten kurz vor dem Brand versiegelt worden, und das darin befindliche Geld sollte gepfändet werden. Das zu verhindern ist laut Staatsanwaltschaft auch eines der Motive für die Tat gewesen.

Im Prozessverlauf wurde deutlich, dass auch noch ein versuchter Versicherungsbetrug eine Rolle spielen könnte. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6489962?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Pläne seit 15 Jahren in der Schublade
Hunderte Räder werden rund um das Parkhaus Bremer Platz abgestellt. Ab Ende August soll eine Radstation im Innern des Gebäudes zur Verfügung stehen. Diesen Plan gab es auch schon vor 15 Jahren.
Nachrichten-Ticker