Bischof Andrade beim Redaktionsbesuch
Ein Brasilianer, der nichts von Fußball versteht

Epe -

Bischof Edivalter Andrade aus dem Bistum Floriano/Piaui bricht heute wieder in Richtung Heimat auf. Zehn Tage lang war er im Münsterland und der Grafschaft unterwegs – und er nimmt viele Eindrücke mit. Bei seinen Begegnungen stieß er auf offene Ohren und Herzen. „Ich habe verschiedene Gruppen kennengelernt, die sich sozial engagieren. Das war schon bemerkenswert. Zum Beispiel verkauft eine Frauengruppe selbsthergestellte Osterkerzen. Vom Erlös werden soziale Projekte unterstützt“, erzählt er bei einem Besuch der WN-Redaktion. „Außerdem habe ich Schulen besucht und mit Schülerinnen und Schülern diskutiert.“ Was die Jugendlichen alles wissen wollten: „Sie haben mich über meine Berufung befragt, die Arbeit, was ich verdiene, sie hatten Fragen zum Leben in Brasilien, zur Umwelt und zum Abholzen des Urwaldes. Es gab großes Interesse an der Situation der Kinder in Brasilien. Und Fragen über Fußball.“ Wobei der Bischof so überhaupt kein Faible für das Spiel mit dem runden Leder hat. „Das erstaunte die Schüler denn doch: Ein Brasilianer, der nichts von Fußball versteht!“, lacht Dom Edivalter, der zusammen mit Maria Detert und Andreas Leuderalbert (Brasilienkreis) zum Gespräch in die Redaktion gekommen ist. Detert – die schon seit 30 Jahren in Brasilien arbeitete – übersetzt aus dem Portugiesischen und zurück.

Dienstag, 02.04.2019, 10:00 Uhr
Bischof Andrade und Maria Detert beim Besuch der WN-Redaktion. Im Hintergrund ein Foto, das bei der Heimatprimiz Bischof Dinkelborgs entstand.
Bischof Andrade und Maria Detert beim Besuch der WN-Redaktion. Im Hintergrund ein Foto, das bei der Heimatprimiz Bischof Dinkelborgs entstand. Foto: Klaus Wiedau

Welche Erwartungen verknüpfte Bischof Andrade mit seinem Besuch? „Ich bin zum ersten Mal in Deutschland. Ich war einer Einladung des Eper Brasilienkreises gefolgt. Darum habe ich schon mit einer gewissen Offenheit und Interesse der Menschen hier gerechnet. Ich hatte eher Sorge, ob ich meinerseits die Erwartungen erfülle, die an mich herangetragen werden.“ – „Das hat er!“, kommentiert Andreas Leuderalbert lachend.

Was Dom Edivalter erstaunt hat, ist, dass auch die Landbevölkerung in Deutschland mit Sorgen wie dem Preisverfall zu kämpfen hat. Dennoch: Die Ausprägung der Probleme in seinem Heimatland ist deutlich heftiger: „Die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind in Brasilien größer als in Deutschland. Viele Menschen leben dort in extremer Armut.“ Obwohl Brasilien als Schwellenland gilt, gibt es gerade im Nordosten unterentwickelte Gebiete.

Positiv überrascht war der Bischof von der Bereitschaft, gemeinsam an Lösungen für die Herausforderungen in Brasilien zu arbeiten. Wie aber können die Menschen in Gronau und Epe an der Verbesserung der Verhältnisse mitwirken? Eine Möglichkeit ist es, Gruppen zu unterstützen. Je nachdem, wo man seinen eigenen Interessenschwerpunkt setzt, kann man sich engagieren. „Im Arbeitskreis Pater Beda arbeitet ein Netzwerk von fast 30 Initiativen zusammen“, erläutert Maria Detert . Sie unterstützen soziale Projekte, landwirtschaftliche Gruppen, die Imkerei, Umwelt- und Aufforstungsprojekte, Projekte mit ehemaligen Gefangenen, mit Kindern und Jugendlichen, es gibt Bildungsarbeit und das Projekt ,Gerechtigkeit und Frieden‘. Wer sich also engagieren will, findet ein breites Betätigungsfeld. „Es gibt auch Freiwillige aus der hiesigen Region, die für ein paar Wochen oder Monate nach Brasilien kommen.“

Der Brasilienkreis in Epe sammelt gerade für eine Photovoltaikanlage fürs Bischofshaus, wo auch Fortbildungen und Seminare abgehalten werden. Die selbst erzeugte Energie könnte die Stromrechnung erheblich verringern. „Die Hälfte der Anlagekosten können wir selbst aufbringen“, so der Bischof. Rund 20 000 Euro sollen aus Epe kommen (Spendenkonto: Brasilienkreis, DE 25401640240240205449103 bei der Volksbank Gronau).

Nicht nur Gutes tun, sondern auch darüber reden, ist eine weitere Möglichkeit der Hilfe. Öffentlichkeit über erfolgreiche Projekte von Nicht-Regierungsorganisationen und der Kirche herzustellen, kann gerade in der derzeitigen politischen Situation in Brasilien hilfreich sein. „Nicht-Regierungsorganisationen gelten ja beim neuen Präsidenten schon als kommunistisch“, erläutert Detert. „Wenn Berichte über Projekte in Brasilien in den ausländischen Medien ein differenzierteres Bild vermittelten, wird das durchaus auch registriert. Vielleicht dringt dann ja auch in der Regierung durch, dass nicht alles nur schwarz oder weiß ist.“

Mit Edilbert Dinkelborg, dem aus Epe stammenden, früheren Bischof, verbinden die Menschen der Diözese Floriano gute Erinnerungen. „An seinem Todestag halten wir alljährlich eine Gedenkmesse ab“, sagt Bischof Andrade. „Sein Mut, sich in der schwierigen Zeit der Militärdiktatur für die Armen einzusetzen, war groß. Er hat die Menschen durch sein pastorales und soziales Handeln inspiriert. Dafür wird er bewundert. Er hat sein Bischofs-Leitwort ,Liebt sie bis zum Ende‘ wahrlich gelebt.“

Es war der erste Besuch von Bischof Andrade in Epe. Doch wenn es nach ihm geht, nicht der letzte. In etwa zwei Jahren steht eine Visite beim Papst an. Der kleine Umweg übers Münsterland fällt angesichts der Reisestrecke kaum ins Gewicht. Man könnte es auch in Abwandlung eines geflügelten Wortes sagen: Alle Wege führen nach Epe . . .

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