Pläne für Germania-Gelände: Mix verschiedener Wohnformen mit Anbindung an den Park
Das Ende des Dornröschenschlafs

Epe -

Bis 1992 sorgte die Germania AG für textiles Leben in Epe. Mit der Stilllegung der Produktion sanken die Gebäude in einen Dornröschenschlaf, der bisher anhält. Und das, obwohl seit Jahren über die Revitalisierung des großen Areals in unmittelbarer Nachbarschaft zum Eper Park nachgedacht wird. Im Bauausschuss legte jetzt Diplom-Ingenieur Volker Pahmeyer (Noweck & Pahmeyer GmbH, Hamm) einen neuen Vorentwurf für die Nutzung des ehemaligen Firmengeländes vor. Geht es nach den Verantwortlichen der Germania und ihren Planern, soll daraus ein lebendiges Quartier mit einem Mix unterschiedlicher Wohnformen, nicht-störendem Gewerbe, Gemeinschaftseinrichtungen, der Nutzung der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude und fußläufiger Anbindung an Ahauser Straße und Eper Ortskern werden.

Freitag, 12.04.2019, 08:46 Uhr aktualisiert: 12.04.2019, 08:50 Uhr
Skizzen zeigen, wie sich das Germania-Areal verändern könnte. Oben ein Blick über die neue Germania-Allee mit (links) neuer Bebauung und rechts dem alten Industriegebäude.
Skizzen zeigen, wie sich das Germania-Areal verändern könnte. Oben ein Blick über die neue Germania-Allee mit (links) neuer Bebauung und rechts dem alten Industriegebäude. Foto: Büro Noweck &Pahmeyer

Pahmeyer präsentierte eine deutlich überarbeitete Version von Plänen, die vor einigen Jahren vorgestellt worden waren. Der jetzige Entwurf zeigt ein erheblich verkleinertes Baugebiet, das auch die Grenzen von möglicherweise eintretenden historischen Hochwasser-Ereignissen der Dinkel berücksichtigt.

Die Planungen des Hammer Architekturbüros gehen davon aus, dass das Projekt in sieben Bauabschnitten zu realisieren ist. Baufeld 1 wäre die Nutzbarmachung der historischen Bestandsgebäude. Mit in die Immobilie geschnittenen Innenhöfen will Pahmeyer für Licht sorgen. Entstehen könnten im Erd und Obergeschoss rund 80 Mikro-Appartements (35 bis 40 Quadratmeter) für Studenten sowie seniorengerechte Wohnungen (85 Quadratmeter) im Obergeschoss. Im Erdgeschoss bieten sich laut Planer zudem Flächen für nicht-störendes Gewerbe, eine Pflegestation, Gastronomie oder überdachte Parkflächen an. In beiden Etagen sollen Büro- oder Miet-Arbeitsplätze sowie im Erdgeschoss eine Kita weitere Flächen füllen. Um die Optik der Fassade nicht zu beeinträchtigen, sieht die Planung eine Haus-in-Haus-Bauweise vor. „Wir werden da keine modernen Fenster einbauen“, so Pahmeyer. Zwischen historischer Fassade und Wohnungen würde so eine Art Loggia entstehen.

In einem weiteren Bauabschnitt lässt die Planung die Errichtung von sieben repräsentativen Einfamilienhäusern im rückwärtigen Bereich erkennen. Zudem sollen – gegliedert in weitere Abschnitte und räumlich versetzt angeordnet – Wohnungen (teilweise sozialer Wohnungsbau), aber auch drei Stadtvillen und Mehrfamilienhäuser entstehen. Zum Teil verfügen diese Wohnanlagen über Tiefgaragen, andere über Stellplatzanlagen.

Die Verkehrsanbindung soll über die heute bereits auf das Gelände führenden Wege (einer im Bereich des Verwaltungsgebäudes an der Bahnlinie, ein weiterer über die heutige Zufahrt am Pförtnerhaus) erfolgen. Quer durch das Gelände ist die „Germania-Allee“ als neue Verkehrsachse vorgesehen. Fußläufige Verbindungen führen über eine Dinkelbrücke in den Park, aber auch in Verlängerung der „Germania-Allee“ in Richtung Ahauser Straße.

Pahmeyer betonte, dass es ihm bei der Planung um „eine harmonische Geschlossenheit des Quartiers“, um eine „einheitliche Architektursprache“ und die Schaffung eines Areals mit ganz unterschiedlichen Nutzungen gehe.

Die zeitliche Umsetzung sieht Pahmeyer optimistisch: „Ich glaube nicht, dass wir zehn Jahre daran herumbauen müssen“, sagte er auf Fragen aus dem Ausschuss. Dort wurde das Nebeneinander von repräsentativer Bebauung und Sozialwohnungen als möglicherweise kritisch gesehen. Andere hatten Fragen zu Details des Quartiers (Verkehrserschließung, Wohndetails), in dem bei Umsetzung der Pläne rund 1000 Menschen ein neues Zuhause finden könnten.

Trotz aller Fragen gab es viel Lob für die Planung: Erich Schwartze (FDP) sprach von einen „qualitätsvollen Architekturplan“, der keine „typische Investorenplanung“ darstelle, sondern naturbelassene Flächen und eine dem Standort zuträgliche Maßstäblichkeit aufweise. Besonderes Lob gab es dafür, dass die Hammer Planung „Ansätze für einen soziokulturellen Begleitplan“ aufweise. Schwartze: „Das ist eine Entwicklung, auf die wir 20 Jahre gewartet haben.“

Auch Werner Bajorath (SPD) lobte das „positive gute Konzept“. „Dieser Ansatz scheint sehr stimmig zu sein“, fand auch Herbert Krause (Pro Bürgerschaft/Piraten) anerkennende Worte.

Die Verwaltung will die vorgelegte Entwurfsplanung jetzt zur Grundlage für weitere planungsrechtliche Schritte für das Projekt machen.

  Foto: Büro Noweck & Pahmeyer

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