Testphase im großen K+K-Markt läuft
Mehrwegdosen statt Plastikmüll

Münsterland -

Früher war die Frage beim Einkauf an der Ladentheke durchaus üblich: „Darf´s ein bisschen mehr sein?“ Heute müsste die Frage – wenn es um die Verpackung von Waren geht – eigentlich so lauten: „Darf´s bisschen weniger sein?“ Möglich ist das. Jetzt auch im großen K+K-Markt an der Albrechtstraße. Dort (und in einem weiteren Markt in Rheine) läuft aktuell ein Pilotprojekt zur Einführung von Mehrwegdosen. Sollte das Angebot hier auf Nachfrage stoßen, ist an eine Ausweitung in den anderen der insgesamt 215 Filialen gedacht.

Dienstag, 16.04.2019, 09:00 Uhr
Die Mehrwegdosen gibt es in der Testphase im großen K+K-Markt in drei Größen. Verkäuferin Dagmar Tieke und Metzger Thomas Krüger zeigen an der Fleisch- und Wursttheke die Behälter.
Die Mehrwegdosen gibt es in der Testphase im großen K+K-Markt in drei Größen. Verkäuferin Dagmar Tieke und Metzger Thomas Krüger zeigen an der Fleisch- und Wursttheke die Behälter. Foto: Klaus Wiedau

Die bisherige Nachfrage lässt hoffen: „Gleich am ersten Tag – wir hatten noch keine Werbung dafür gemacht – wurden schon Dosen gekauft“, so Marktleiter Hubert Damer im Gespräch mit den WN . „Der Bedarf scheint also da zu sein.“

Nicht nur der. Auch die Notwendigkeit, Müllberge zu reduzieren, steigt immer weiter. Laut Umweltbundesamt (UBA) produzierten die Deutschen im Jahr 2016 pro Kopf 220,5 Kilogramm Verpackung. Dazu eine Vergleichszahl: EU-weit lag der Schnitt bei 167,3 Kilogramm (2015). Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA: „Wir produzieren viel zu viel Verpackungsmüll – ein trauriger Spitzenplatz in Europa.“

Dass viele Verbraucher gegensteuern wollen, merken auch Hubert Damer und seine Kollegen im Supermarkt: „Es gibt Kunden, die kaufen Obst und Gemüse nur in der Stofftasche. Einzelne nehmen grundsätzlich Obst und Gemüse ohne Verpackung mit – das sind aber noch Ausnahmen“, so Damers Beobachtung.

Dennoch: Immer wieder haben Kunden in der Vergangenheit nach Möglichkeiten gefragt, ihren Einkauf ohne umweltbelastende Verpackungen mitzunehmen. Darauf habe K+K mit dem jetzt testweise eingeführten System reagiert, so Damer.

Mit dem neuen Mehrwegdosen-System könnte die Zahl derer, die umweltbewusst einkaufen, steigen. Das System ist dabei leicht umzusetzen. Der Kunde zahlt einmal Pfand (4,99 Euro) und bekommt dafür eine Dose. „Er kann wählen zwischen drei Größen – 1,2 Liter, 2,3 Liter oder 5,5 Liter Inhalt“, so Hubert Damer. Die Dose lässt er beim Einkauf an der Fleisch-, Wurst- oder Käsetheke befüllen, zahlt und nimmt die Ware so mit nach Hause. „Nur bei marinierten Produkten wird noch etwas Verpackung anfallen“, schränkt Damer ein.

Das Gewicht der Dose wird natürlich beim Wiegen der Waren abgezogen, so dass der Kunde nur für sein gekauftes Produkt bezahlt, nicht aber für die Verpackung.

Nach dem Gebrauch spült der Kunde die Mehrwegdose daheim grob vor und legt sie beim nächsten Einkauf im Markt in einen Sammelbehälter. Im Gegenzug bekommt er eine neue Dose. Damer: „Gezahlt wird aber nur einmal pro Dose“.

Bei K+K werden die zurückkommenden Dosen in einer eigens angeschafften Industriespülmaschine gereinigt, desinfiziert und anschließend wieder in den Kreislauf gebracht, erklärt der Marktleiter das System, das im Übrigen mit der Lebensmittelüberwachung des Kreises Borken abgestimmt wurde.

Das jetzt angebotene Verfahren ist in der Branche nicht neu, andere Einzelhandelsketten machen damit schon seit dem vergangenen Jahr gute Erfahrungen. Daneben gibt es auch andere Varianten, bei denen der Kunde beispielsweise seine eigenen Behälter von Zuhause mitbringt und im Geschäft auf ein Tablett setzt, auf dem sie dann befüllt werden können, ohne dass das private Behältnis mit dem Ladenbereich hinter der Theke in Berührung kommt. Hier sehen aber viele Unternehmen die Gefahr, dass möglicherweise doch Keime und Bakterien hinter den Verkaufstresen gelangen und lehnen dieses System deshalb mit Blick auf Hygienevorschriften ab.

Die mögliche Schlussfolgerung, dass das Unternehmen Klaas + Kock durch den Einsatz von Mehrwegdosen spart, weil weniger Verpackungsmaterial anfällt, ist zumindest während der Testphase kein Thema. „Im Prinzip ist der Einsatz der Mehrwegdosen für uns teurer“, sagt Damer und verweist auf den Aufwand, der damit für das Unternehmen verbunden ist: Allein die Anschaffung der speziellen Spülmaschine schlägt mit 5000 Euro zu Buche, hinzu kommen die Kosten für deren Installation und den laufenden Betrieb. Außerdem ist da noch der Einkauf der Mehrwegdosen, die bei Beschädigung und Abnutzung im Laufe der Lebensdauer natürlich vom Betrieb ersetzt werden müssen.

Fazit: Das Angebot für den verpackungssparenden Einkauf ist – testweise – da. Jetzt ist es an den Kunden, davon Gebrauch zu machen. Wichtig: Wer keine Mehrwegdose nutzen möchte, kann weiter wie bisher einkaufen.

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