Ingo Hoff sieht in Gronau als Grenzstadt besondere Potenziale
„Der Handel ist nicht alles“

Gronau -

Für Ingo Hoff hat das Drio Zukunft – aber nur mit einem veränderten Konzept. Gemeinsam mit der Firma List Develop Commercial hat sein Gronauer Unternehmen in den vergangenen Monaten intensiv an dem Projekt gearbeitet. Im Gespräch mit unserem Redakteur Guido Kratzke erklärt der Gronauer Immobilienfachmann, warum die ursprüngliche Planung nicht umsetzbar war, worin die gemeinsamen Probleme vergleichbarer Städte liegen und wie es vor Ort weitergehen soll.

Mittwoch, 24.04.2019, 08:19 Uhr
Die Investoren verfolgen auch in der überarbeiteten Planung ihr Konzept mit drei Gebäuden auf dem Kurt-Schumacher-Platz und dem ehemaligen Hertie-Areal.
Die Investoren verfolgen auch in der überarbeiteten Planung ihr Konzept mit drei Gebäuden auf dem Kurt-Schumacher-Platz und dem ehemaligen Hertie-Areal. Foto: Drio

Der 31. März war der mit der Stadt Gronau vereinbarte Stichtag. Danach hätten sich viele Gronauer gewünscht, dass es mit der Umsetzung des Drio losgeht.

Ingo Hoff : Das hätten wir uns auch gewünscht. Aber wir mussten feststellen, dass sich die ursprünglichen Planungen so nicht realisieren lassen. Das haben wir Ende März der Verwaltungsspitze und am 4. April dem Ältestenrat der Stadt Gronau mitgeteilt.

Aber damit ist das Projekt nicht tot, oder? Mitte Mai wollen Sie dem Rat neue Vorschläge unterbreiten . . .

Ingo Hoff: Wir glauben weiterhin an Gronau, wollen hier etwas schaffen. Aber Mittelstädte müssen sich heute anders positionieren. Und unsere Stadt hat aufgrund ihrer Lage an der Grenze ganz besondere Voraussetzungen. Die müssen Berücksichtigung finden. Einzelhandelsflächen lassen sich heute nicht mehr so vermarkten, wie das noch vor einigen Jahren der Fall war.

War die bisherige Planung überdimensioniert?

Ingo Hoff: Wir haben uns bewusst zu drei Gebäuden und nicht für ein großes Center oder Monolithen entschieden. Und das wurde von vielen Seiten begrüßt. An diesem Konzept wollen wir auch festhalten, die Planungen aber in verschiedenen Bauabschnitten umsetzen.

Für das Drio waren zwischen 5000 und 6000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche vorgesehen. Gibt es dafür keine Mieter?

Ingo Hoff: Wenn man ins Jahr 2016 zurückschaut, dann haben die Gutachter für Gronau seinerzeit einen Bedarf von bis zu 10 000 Quadratmetern festgestellt. Aber der Handel unterliegt einem ständigen Wandel und tut sich mit dem Standort Gronau extrem schwer. Vergleichbare Städte unter 100 000 Einwohnern haben mit denselben Problemen zu kämpfen und werden sie in Zukunft vermehrt haben.

Ist das eine Frage des Preises?

Ingo Hoff: Ganz klar: nein. Wir müssen feststellen, dass das Grundkonzept, zu dem wir noch immer stehen, in der Größenordnung nicht aufgegangen ist. Es war auch jeder Zuschnitt für Ladenlokale möglich. Aber für die Betriebe, die wir angesprochen haben, war der Standort einfach nicht interessant. Der Handel ist aber nicht alles.

Wenn Einzelhandel nicht mehr funktioniert – wie wollen Sie dann das Drio mit Leben füllen?

Ingo Hoff: Wir glauben an das Potenzial für Wohnungen in der Innenstadt. Das haben wir auch anhand früherer Projekte in Gronau – der Kircheninsel und dem Elefanten an der Bahnhofstraße – nachvollziehen können. Wesentlicher für uns ist aber, dass es in Gronau einen großen Bedarf an Flächen für Dienstleister gibt. Man findet in Gronau aktuell kaum freie Büroflächen.

Bringen Büros denn die gewünschte Belebung der Innenstadt?

Ingo Hoff: Wir sind als Menschen soziale Wesen, wollen andere Menschen sehen und treffen – aber nicht unbedingt ausschließlich beim Einkaufen. Es geht in diesem Bereich auch nicht nur um Mitarbeiter, die vor oder nach der Arbeit sowie in der Mittagspause die Stadt nutzen, sondern natürlich auch um Kunden, die die Einrichtungen aufsuchen. Das bringt auch Personen in die Innenstadt, die heute nicht kommen.

Reicht das als positiver Effekt aus?

Ingo Hoff: Wir müssen in dem neuen Konzept für die Stadt eine Chance sehen. Wenn Unternehmen, die nicht im produzierenden Gewerbe tätig sind, sich in Gronau ansiedeln oder erweitern wollen, dann ist dies heute nicht einfach. Wir wollen zusammen mit dem neuen Stadtbaurat und der neuen Wirtschaftsförderin schauen, dass wir mit dem Drio die Stadt gemeinsam voranbringen.

Ist der Markt dafür groß genug?

Ingo Hoff: Es soll im Drio auch Raum für junge, innovative Unternehmen geben. Es entwickeln sich um uns herum kleine Firmen, die nicht mehr in den üblichen Kategorien denken und arbeiten. Wir haben unlängst Räumlichkeiten an Gründer vermietet, die sich beispielsweise Flächen teilen. So etwas wäre früher kaum denkbar gewesen.

Woher nehmen Sie den Optimismus, dass diese Firmen gerade Gronau als Standort aussuchen?

Ingo Hoff: Wir vergessen viel zu oft, dass es mit der Bahn nur ein paar Minuten und Haltepunkte bis zur Hochschule in Enschede sind. Auch in unserer Nachbarstadt sind Büroflächen knapp. Und manch junger Unternehmer mag auch den Markt lieber von einem deutschen Standort aus bearbeiten. Dieser Standort hat – das sehe ich auch durch meine Tätigkeiten als stellvertretender Vorsitzender des AIW sowie bei der Initiative Gründerstein – wirkliches Potenzial. Wir müssen es nur nutzen wollen. Und viele Dienstleister wollen nicht in irgendwelche Gewerbegebiete abgeschoben werden. Sie wollen da sein, wo das Leben stattfindet.

Verschiedene Bauabschnitte – das könnte Befürchtungen vor einer unendlichen Geschichte hervorrufen.

Ingo Hoff: Das sehe ich nicht so. Die Anpassung des Konzeptes beruht auf unserer Einschätzung, dass mit dem Beginn des ersten Bauabschnittes, der den wesentlich größeren Anteil am Konzept enthält, ein positiver Eindruck und damit weitere Nachfrage erzeugt werden kann. Somit haben wir die Möglichkeit, im zweiten Bauabschnitt je nach Interesse weiteren Einzelhandel oder andere Nutzungen unterzubringen.

Was ist mit dem dritten Gebäude und der geplanten öffentlichen Nutzung?

Ingo Hoff: Sie war seinerzeit von der Stadt angefragt worden und ist immer noch gewünscht – sie passt ins Konzept, insbesondere in das Drio 3 – auch wenn zwischenzeitlich die Rathausfrage durch die Unterschutzstellung als Denkmal in die letztendliche Entscheidung einfließen wird. Wir finden es nach wie vor wichtig, dass der Kurt-Schumacher-Platz verkleinert neu gefasst wird. Das dritte Gebäude stellt architektonisch eine besondere Herausforderung dar, da es keine Rückseiten haben darf. Des Weiteren beraten wir mit der Stadt bereits die Themen Gründung des Gebäudes und Sanierung der Tiefgarage. Ingo Hoff Foto: Jörg Letz

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