Entwickler des Antriebs für den E-Roller „Srooser“ begrüßen geplante Zulassungsverordnung
Gas geben bei der Elektromobilität

Gronau -

„Wir freuen uns sehr!“ Robert Beckmann hat die Frage kaum zu Ende gehört, da schießt es schon aus ihm heraus. „Was wir vor drei Jahren verkauft haben, ist immer noch aktuell.“ Drei Jahre ist es her, dass Beckmann und seine Partner bei Innotronic in Gronau den Elektro-Roller „Scrooser“ mit ihrem intelligenten Antrieb vom Crowdfunding-Projekt mit auf den Weg zur Marktreife brachten (WN berichteten). Jetzt folgte die Weihe für den „Scrooser“, den „Scooter fürs Cruisen“: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) erklärte sich kürzlich zum Fan der „Elektrokleinstfahrzeuge“ und lobte sie als „echte Alternative zum Auto“.

Donnerstag, 25.04.2019, 10:00 Uhr
Andreas Farwerk (li.) und Robert Beckmann hatten den richtigen Riecher, als sie ihren Antrieb für den E-Roller Scrooser entwickelten.
Andreas Farwerk (li.) und Robert Beckmann hatten den richtigen Riecher, als sie ihren Antrieb für den E-Roller Scrooser entwickelten. Foto: Christiane Nitsche

„Da ist alles noch im Rollen“, kommentiert Beckmann die Gesetzesvorlage, die das Verkehrsministerium auf den Weg gebracht hat. Ob es letztlich dabei bleibt, dass E-Roller bis 20 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit ohne Führerschein und ohne Helm gefahren werden dürfen, ist noch nicht sicher. Noch steht die Zustimmung im Bundesrat aus für die geplante „Verordnung für die Fahrzeugklasse der Elektrokleinstfahrzeuge“.

Entsprechend erwartet Beckmann zunächst nicht die ganz große Auftragswelle. „Wo die dann fahren dürfen, ist noch die Frage“, sagt er. Aber dass sein Elektroantrieb auf alle Eventualitäten vorbereitet ist, dass erfüllt ihn mit diebischer Freude. „Die Fahrzeuge sind über einen Freigabeschlüssel auf eine Maximalgeschwindigkeit festgelegt“, erklärt er. „Die lag bei 25 Stundenkilometer.“ Jetzt könne jeder, der wolle, diesen Schlüssel einschicken. „Wir reduzieren den dann auf 20 km/h, ohne dass wir an die eigentliche Elektronik ran müssen.“ Tatsächlich hätten das bereits einige getan. Die Erwartungen an die Neuregelung sind also hoch.

Die Zulassungsverordnung für E-Roller ist überfällig, finden Beckmann und seine Kollegen. „Alle reden immer von der letzten Meile“, so Beckmann. „COvermeiden, Verkehrsentlastung – das gehört alles dazu.“ Der Roller biete die perfekte Lösung, um die Leute vom Auto runter auf schlanke E-Gefährte zu bringen. Bei den Pedelecs habe bereits ein Sinneswandel stattgefunden. Zuerst als Alte-Leute-Fahrrad verschrien, gälten sie inzwischen als Lifestyle-Gefährt. Da habe sich der Markt inzwischen eingestellt – und aufgeteilt unter den großen Anbietern. „Aber das strahlt aus auf die Kleinen“, meint Beckmann.

Pedelecs hatten bislang Vorteile gegenüber E-Rollern, weil sie rechtlich Fahrrädern gleichgestellt sind. Kennzeichen, Zulassung, Führerschein: alles nicht notwendig. Anders beim E-Roller: „Bisher waren die Zulassungsverfahren schwierig, weil es keine verlässlichen Vorgaben gab“, erklärt Beckmann. Als Pedelec konnten die Roller nicht angemeldet werden, weil das Merkmal der Pedale fehlte. Und ein Mofa ist eben eigentlich auch etwas anderes. „Jedes einzelne Fahrzeug musste zum TÜV gegeben werden“, so Beckmann. „Das hat den Erfolg ausgebremst.“

Dabei ist der bisher für das kleine Spin-Off-Unternehmen, das er vor 20 Jahren aus der Gronauer Wirtschaftsförderung heraus gemeinsam mit Andreas Farwerk und Martin Bügener gründete, durchaus beachtlich. In ihrer „Tüftelschmiede“ entwickeln die drei Absolventen des Elektro-Technik-Ingenieursstudiums der Fachhochschule Steinfurt individuelle Mikrocontrollersteuerungen für unterschiedliche Anwendungen, nicht nur im Bereich Elektromobilität: Rollstühle mit Antriebsunterstützung etwa oder Patientenlifte mit aktiver Lenkunterstützung oder eine Steuerung fürs Ausbringen von Salz im Winter mit Smartphone-App zur Fernbedienung. Elektromobilität aber ist den Männern von Innotronic ein Herzensanliegen.

Und auch da gehen die Ideen weiter. Behindertengerechte Fahrräder etwa. Oder bei der Suche nach effektiven Einsatzmöglichkeiten. Stichwort „letzte Meile“: „Wir sind jetzt an einem Projekt für Postverteiler dran“, erklärt Beckmann. Außerdem wird der Scrooser inzwischen in Prag als Ersatz für die dort inzwischen verbotenen Segways an Touristen vermietet.

„Eigentlich ist er auch ideal für den Einsatz bei Messen oder auf großen Firmengeländen“, findet Beckmann. Schließlich kann man auf dem breiten Trittbrett auch Lasten transportieren – sei es die Kiste Wasser beim Einkauf oder der Werkzeugkasten für den Mechaniker.

Und nicht zuletzt das „Großstadt-Hipster“-Publikum wartet vermutlich nur darauf, den Scrooser für sich zu entdecken. Emissionsfrei, unverschwitzt und ohne Parkplatzsorgen zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen, ist für Stadtbewohner sonst kaum drin. Stattdessen herrschen Enge und Verkehrschaos, übervolle Busse und Bahnen, und über allem schwebt die Drohung von Fahrverboten. Beckmann: „Ich war letztens in Berlin, da dachte ich: Schade, dass ich keinen Scrooser da habe.“

Möglich, dass sich das ändert, denn längst sind in anderen Städten Anbieter auf dem Plan erschienen, die ähnliches vorhaben wie in Prag. Bringt es Elektromobilität weiter voran, kann es Beckmann nur recht sein. „Da ist keine Anstrengung zu groß, um da Gas zu geben.“

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