Eröffnung des „Bamboo“
Gronaus erste digitale Gastronomie: „Die Menschen sind so weit“

Gronau -

Smartphone schon aufgeladen? Wenn nicht, wird’s Zeit. Denn wenn Sie heute noch in Gronaus neuen Beachclub „Bamboo“ wollen, werden Sie es brauchen. Heute Mittag geht die Gastronomie der anderen Art in Betrieb. Die Besonderheit: Das „Bamboo“ fußt auf einem rein digitalen Konzept.

Freitag, 26.04.2019, 09:00 Uhr
Claire Krotofil ist Managerin der Tobit-Gastronomie-Betriebe, sogenannte Showcases, die auch und vor allem dazu dienen, das digitale Konzept zu präsentieren. Am Donnerstag waren noch Handwerker mit letzten Arbeiten am „Bamboo“ beschäftigt.
Claire Krotofil ist Managerin der Tobit-Gastronomie-Betriebe, sogenannte Showcases, die auch und vor allem dazu dienen, das digitale Konzept zu präsentieren. Am Donnerstag waren noch Handwerker mit letzten Arbeiten am „Bamboo“ beschäftigt. Foto: Klaus Wiedau

Knapp 24 Stunden vor der Eröffnung ist die Baustelle noch fest in der Hand – weitgehend analog – arbeitender Handwerker. Aber Claire Krotofil, Managerin aller elf Showcases, wie die digitalen Betriebe der Ahauser Software-Firma Tobit heißen, hat die Eröffnung fest im Blick: „Wir freuen uns riesig, dass es endlich losgeht“, sagt sie.

Rund 170 Gäste finden in den verschiedenen „Bamboo“-Bereichen Platz. Auf Lounge-Möbeln rund um Feuerstellen unter freiem Himmel, auf Bänken oder Hochsitzmöbeln an überdachten Tischen. Anordnung und Gestaltung setzen auf Kommunikation: „Das Konzept lädt dazu ein, sich irgendwo dazuzugesellen und sich nicht festzunageln an einer Stelle“, sagt Krotofil. Wer sich bewegen will, findet bei Sessions im Bereich vor dem DJ-Pult eine freie Stelle für seine Füße im Sand.

Container als Herzstück

Herzstück des „Bamboo“ ist ein Container, der auf die vorhandene unterirdische Toilettenanlage gesetzt wurde. „Das Fundament hatte exakt die Container-Maße. Und da war schnell klar: Den packen wir dahin“, so Krotofil. Was außen wie eine Holzhütte am Strand wirkt, birgt innen ausgeklügelte Technik: Küche, Cocktail-Mixbar, Anlieferung, Lager und Spülbereich. Der Clou: Hier wird von hinten der gekühlte Thekenbereich mit Flaschengetränken bestückt, ohne dass der Gast es sieht. Hier werden Cocktails, Salate, Burger, Pizza und andere Kleinigkeiten vorbereitet. „Von vorn zu sehen ist nur der schöne Teil“, lacht Krotofil. Abends wird der Container verschlossen – „und alles ist sicher“, so Krotofil.

Unter dem Container liegt die Toilettenanlage. Der Rohbau war ein Relikt aus Laga-Zeiten. Jetzt sind hier moderne WC-Anlagen eingebaut. In einem Nebenraum steht ein Serverschrank – das elektronische Herz des „Bamboo“. Alle Bestell- und Bezahlvorgänge laufen nämlich digital ab. Und in Gronau soll dieses Konzept erstmals in aller Konsequenz gelebt werden. „Das ist auch für uns ein Experiment, Gronau hat insofern eine große Bedeutung“, sagt Krotofil.

Digital bestellen und bezahlen

So funktioniert’s: Der Gast geht per Smartphone auf die Website des „Bamboo“, bestellt und bezahlt entweder per Paypal, Kreditkarte, Voucher, per Lastschriftverfahren oder mithilfe der Tobit-Software „chayns“. Die Bestellung landet auf den Terminals der Service-Kräfte, die das Bestellte an den Tisch liefern. Parallel dazu erfolgt der Bezahlvorgang.

Und wenn der Strom ausfällt? Krotofil kann über die Frage nur schmunzeln. „Dann laufen die Terminals auf Akku-Betrieb. Und Gäste können weiter per Smartphone bestellen“, sagt sie. Nur der Bezahlvorgang verzögere sich dann. Größtes Problem für den Gast könnte vielmehr ein leerer Handy-Akku sein.

Keine Angst vor leeren Akkus

Aber keine Sorge: Kleine Powerbanks bietet das „Bamboo“ ebenso zum Kauf an wie Sonnencreme oder einen Smartphone-Ventilator. Die Befürchtung, dass Menschen mit den Abläufen überfordert sein könnten, haben die Tobit-Experten nicht: „Die Menschen sind so weit. Wir passen uns nur an deren Verhalten an“, so Krotofil.

Übrigens: Das Konzept für die digitalen Tobit-Gastronomien entsteht so digital wie sie funktionieren. „Zuerst bauen wir den Betrieb als Website auf“, erklärt Krotofil. Da ist von der Theke bis zu Tischen, von der Speisekarte bis zur Deko alles zu sehen. Jeder einzelne Showcase ist am Rechner dreidimensional begehbar. „Man wächst auf diese Weise in das jeweilige Konzept hinein“, sagt die Tobit-Managerin. Weiterer Vorteil: Die Handwerker bekommen anschauliche Vorlagen, nach denen dann in der Realität gebaut wird.

Das ist eine neue Stadt für uns, ein neues Publikum.

Claire Krotofil

Ein Team von zehn Leuten – alte Hasen und neue Kräfte – wird vor Ort für den Service sorgen. In den ersten Tagen sind zudem Scouts da, die Gäste bei technischen Fragen beraten. „Und wir lernen auch: Wie gehen die Gäste mit den Dingen um, wo lässt sich etwas optimieren“, so Krotofil.

Erst einmal freut sie sich jetzt auf den Start. Sie geht aber auch mit dem nötigen Respekt an die Arbeit, wie sie deutlich macht: „Das ist eine neue Stadt für uns, ein neues Publikum“. Das gegenseitige Kennenlernen sei da wichtig – das „Bamboo“ bietet dafür beste Voraussetzungen.

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