Eine mächtige Burg
Zu Besuch auf der Baustelle der Feuer- und Rettungswache

Gronau -

Die riesige Halle könnte auch eine Kirche sein. Oder eine zweite Bürgerhalle: groß, hoch, weit und lichtdurchflutet. Aber hier werden künftig keine Messen gelesen und keine Partys gefeiert. Hier parken in ein paar Monaten Feuerwehr-Fahrzeuge.

Mittwoch, 01.05.2019, 06:00 Uhr
Baustellen-Rundgang: Blick in die Fahrzeughalle.
Baustellen-Rundgang: Blick in die Fahrzeughalle. Foto: Klaus Wiedau

Die riesige Halle könnte auch eine Kirche sein. Oder eine zweite Bürgerhalle: groß, hoch, weit und lichtdurchflutet. Aber hier werden künftig keine Messen gelesen und keine Partys gefeiert. Hier parken in ein paar Monaten Feuerwehr-Fahrzeuge. Die Arbeiten am ersten Bauabschnitt der Feuer- und Rettungswache gehen mächtig voran.

„Das wird aber ‘ne mächtige Burg!“ Dieser Satz ist oft zu hören, wenn Menschen zum ersten Mal das neue Feuerwehr-Haus an der Eper Straße sehen. Stimmt! Aber: Hier arbeiten (und leben) ab Ende des Jahres auch rund um die Uhr Menschen. Hier werden künftig Fahrzeuge und Material für Brand-, Rettungs- und andere Katastropheneinsätze gelagert. Hier finden Schulungen und Übungsabende für Feuerwehrleute aus Gronau und der Region statt, hier werden Kita-Kinder mit dem Thema Brandschutz konfrontiert und hier macht die Jugendfeuerwehr erste Schritte in der Ausbildung.

Aktuell aber ist das Gebäude noch fest in der Hand der Handwerker. Überall wuseln sie beim Baustellenbesuch herum – Trockenbauer, Elektriker, Maurer. Stapelweise liegt Baumaterial herum, überall hängen Kabel an Decken und Wänden – die sichtbaren Endstücke von vielen Kilometern Leitung, die (bisher) verlegt wurden.

Mittendrin haben der stellvertretende Leiter der Gronauer Feuerwehr , Günter Setzpfand, und Oberbrandmeister David Meyer (Abteilung Technik) alles im Blick. Die beiden begleiten aus Sicht der Feuerwehr die Bauarbeiten, sind Bindeglied zwischen Planern, Bauamt und Handwerkern. Beide kommen gerade von einer knapp dreistündigen Baubesprechung. Da ging es um die Abfolge von Arbeiten, Änderungswünsche während der Bauphase und andere Details. „Irgendwas ist immer zu klären bei einem Vorhaben dieser Größe“, sagt Setzpfand.

Die Rolltore auf der Rückseite der Halle.

Die Rolltore auf der Rückseite der Halle. Foto: Klaus Wiedau

Wo der Besucher beim Rundgang auf nackte Betonwände schaut, sehen Setzpfand und Meyer vor ihrem geistigen Auge schon die künftige Nutzung. Hinter der Fahrzeughalle gibt es im Erdgeschoss die Atemschutzwerkstatt, einen Aufenthaltsraum für Freiwillige Feuerwehrleute, sowie deren Umkleiden, Duschen und Sanitärbereiche. Interessant: Die Umkleiden von Männern und Frauen werden nicht durch feste Wände getrennt sondern durch das Spind-System. „Damit bleiben wir flexibel, können je nach Anzahl männlicher und weiblicher Löschzugmitglieder die Größe verändern“, erklärt Setzpfand.

In ersten Obergeschoss liegen Räume für die Jugendfeuerwehr, deren Umkleiden sowie Technik-, Lager- und Archivraum.

Ein Stockwerk höher sind künftig Gästeräume (für Praktikanten im Wachdienst), ein Fitnessraum und Versorgungseinrichtungen zu finden. Längs über der Fahrzeughalle entstehen aktuell in Trockenbauweise Ruheräume für die zwölf hauptamtlichen Kräfte einer Schicht, dazu Umkleiden, Duschen, WC, Küche, Aufenthalts- und Besprechungsraum sowie eine kleine Dachterrasse.

Vorn – zur Eper Straße hin – wird im zweiten OG die Verwaltung der Feuerwehr zu finden sein: Hier haben der Chef der Wehr, sein Stellvertreter, der Löschzugführer und die Kollegen des Vorbeugenden Brandschutzes ihre Büros. Daneben gibt es auf dieser Etage eine Leitstelle und einen Stabsraum, von dem aus größere Einsätze zentral geführt werden können.

Hier entstehen die Ruheräume der Wachmannschaft.

Hier entstehen die Ruheräume der Wachmannschaft. Foto: Klaus Wiedau

Ein Stockwerk tiefer ist neben einem kleinen Foyer der neue teilbare Schulungsraum angeordnet. „Hier können sitzend rund 150 Menschen Platz finden“, erklären Meyer und Setzpfand. Wie im Stabsraum werden hier unter anderem Media-Boards für moderne Informationsübertragung sorgen. Außerdem gibt es auf dieser Etage eine Teeküche, Toiletten für Lehrgangsteilnehmer sowie Räume für Lehrmittel, Lagerzwecke und Technik.

Im Erdgeschoss des vorderen Gebäudetraktes liegt neben dem Eingang ein weiteres Büro. Zudem sind hier die sogenannten Alarm-Umkleiden für die hauptamtlichen Kräfte, die Kleiderkammer und Räume für die Reinigung (Wäsche, Desinfektion) von Einsatzkleidung zu finden.

Trotz der Größe des Komplexes entspricht der Platz dem, den die Feuerwehr heute hat. „Erst wenn mit dem zweiten Bauabschnitt die Rettungswache entsteht, haben wir mehr Fläche“, verrät Meyer. Die gesamte Baumaßnahme (geplante Kosten rund 18 Millionen Euro) soll Ende 2020 fertig sein. Bis dahin müssen Feuerwehr und Rettungsdienst aber nach Fertigstellung des ersten Bauabschnittes erst einmal im Neubau zusammenrücken. „Das wir logistisch eine ganz schöne Herausforderung“, so Setzpfand. Schließlich gelte es in der Übergangszeit das gesamte Personal, alle Vorräte, Einsatzmittel und sonstige Bestände im Neubau unterzubringen.

Mit dem zweiten Bauabschnitt entstehen dann speziell für den – vom Kreis getragenen – Rettungsdienst Plätze für dessen Fahrzeuge, sowie für die Reinigung der Fahrzeuge und eine zentrale Reparaturwerkstatt. Bis es soweit ist, gehen noch einige Monate ins Land. Nach dem Umzug in den jetzt im Bau befindlichen Baukörper wird zunächst im Frühjahr 2020 die alte Feuerwache abgebrochen und dann mit dem zweiten Bauabschnitt begonnen.

Aus der – heute noch sakral wirkenden – Halle ist dann längst eine große Garage geworden, in der 20 Feuerwehrfahrzeuge auf den nächsten Einsatz warten.

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