Prozess wegen Brandstiftung und versuchten Mordes vorm Landgericht
Mieter war mit Zahlungen im Rückstand

Gronau/Münster -

Als er am Tatort ankam, waren die Einsatzkräfte schon in Aktion – Feuerwehr, Polizei, Notarzt. Für den Gronauer war klar: Vor seinen Augen brennt gerade sein Elternhaus ab. Der 61-Jährige hatte das historische Gebäude an der Enscheder Straße 368 vermietet, in 2011 eröffnete dort eine Spielothek. Die stand nun lichterloh in Flammen.

Samstag, 11.05.2019, 08:00 Uhr
Beim Feuer morgens um etwa 5.30 Uhr waren sieben Bewohner im Obergeschoss von Flammen und Rauch bedroht.
Beim Feuer morgens um etwa 5.30 Uhr waren sieben Bewohner im Obergeschoss von Flammen und Rauch bedroht. Foto: Klaus Wiedau

Im Verfahren um den Casino-Brand im Dezember 2017 (wir berichteten) erklärte der Eigentümer am Freitag als Zeuge, dass ihn die Polizei frühmorgens per Telefon aus dem Bett geklingelt habe und er sofort losgefahren sei zum Haus am ehemaligen Grenzübergang Glanerbrug.

„Meine Eltern haben dort früher Gastronomie betrieben. Das Haus ist seit Generationen im Familienbesitz. Es ist von 1896“, sagte der gelernte Versicherungskaufmann. In einem Teil des Erdgeschosses sei – noch zu D-Mark-Zeiten – von einer Bank eine Wechselstube zum Umtausch von Mark und Gulden eingerichtet und für deren Mitarbeiter eine Wohnung angebaut worden. Im Obergeschoss hätten sich drei Wohnungen befunden.

Dem Betreiber des Spielcasinos, einem heute 47-Jährigen aus Herne, habe er nach dem Feuer „fristlos gekündigt“, sagte der Vermieter. Der 47-Jährige ist zusammen mit dem faktischen Geschäftsführer (32) und einem ehemaligen Mitarbeiter (31) unter anderem wegen versuchten Mordes und Brandstiftung angeklagt.

Doch nicht wegen einer möglichen Täterschaft, die erst später Thema wurde, habe er die Kündigung ausgesprochen, sondern weil der Herner „mit sechs Monatsmieten im Rückstand“ gewesen sei. Bei einer Monatsmiete von 3500 Euro für die Räume mit Casino, Bistro und Café sei der Spielotheken-Chef mit 21 000 Euro im Verzug gewesen. „Im letzten halben Jahr vor dem Feuer wurden die Unregelmäßigkeiten schlimmer“, erklärte der Vermieter. Zuvor hätten „mal eine oder mal zwei Mieten gefehlt“. Die habe der Herner aber nachgezahlt. Weiterer Kündigungsgrund seien „Veränderungen im Obergeschoss gewesen, die weder abgesprochen noch genehmigt waren. Es sind Wände durchbrochen und Bäder verändert worden.“

Der Herner ließ im Gerichtssaal seinen Anwalt ankündigen: „Sie werden keine Miete mehr bekommen.“ Denn es habe eine Verabredung gegeben, sagte der Spielotheken-Chef selbst, dass er mehrere Monatsmieten erlassen bekomme, falls er, wie beabsichtigt, eigene Renovierungen vornehme. Insgesamt habe er mehrere Zehntausend Euro investiert.

Das Haus übrigens, erklärte der Eigentümer, wollen seine Söhne instand setzen lassen. „Unten soll es wieder Gastronomie geben und Wohnungen im Ober- und im Dachgeschoss.“

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