Frauenprotest im Rahmen der Aktion „Maria 2.0“
„Wir sind immer noch draußen“

Gronau -

Auf vorbeieilende Passanten wirkt die Versammlung vor der St.-Antonius-Kirche wie ein Gottesdienst im Freien. Mehr als 50 Menschen – überwiegend Frauen und eine Handvoll Männer – stehen vor dem Gotteshaus, beten und singen. Aber irgendetwas ist anders am Samstagabend. Warum ist von drinnen dumpf der Klang der Orgel zu hören, während draußen ohne Instrumentalbegleitung gesunden wird? Die Antwort heißt „Maria 2.0“.

Sonntag, 12.05.2019, 19:14 Uhr aktualisiert: 12.05.2019, 19:28 Uhr
Auf einem Banner unterschrieben zahlreiche Frauen aus Gronau um zu dokumentieren, dass sie das Anliegen der Initiative „Maria 2.0“ unterstützen.
Auf einem Banner unterschrieben zahlreiche Frauen aus Gronau um zu dokumentieren, dass sie das Anliegen der Initiative „Maria 2.0“ unterstützen. Foto: Klaus Wiedau

Auf vorbeieilende Passanten wirkt die Versammlung vor der St.-Antonius-Kirche wie ein Gottesdienst im Freien. Mehr als 50 Menschen – überwiegend Frauen und eine Handvoll Männer – stehen vor dem Gotteshaus, beten und singen. Aber irgendetwas ist anders am Samstagabend. Warum ist von drinnen dumpf der Klang der Orgel zu hören, während draußen ohne Instrumentalbegleitung gesunden wird?

Die Antwort heißt „Maria 2.0“. Auch in Gronau gehen Frauen auf die Straße, um den Forderungen der Initiative, die ihren Ursprung in der Heilig-Kreuz Gemeinde Münster hat, zu unterstützen: Gefordert wird unter anderem eine radikaler Erneuerung der katholischen Kirche , der Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, die Abschaffung des Pflichtzölibats und die Überstellung von Missbrauchstätern an weltliche Gerichte.

„Wir treffen uns draußen – nicht, weil wir unsere Kirchenräume nicht wertschätzen, sondern um deutlich zu machen, dass wir Frauen immer noch ,draußen`sind – etwa, wenn in der Kirche wichtige Entscheidungen gefällt oder Ämter vergeben werden“, bringt Annette Franke , T

Der Wortgottesdienst wurde von Frauen vorbereitet und auch gestaltet.

Der Wortgottesdienst wurde von Frauen vorbereitet und auch gestaltet. Foto: Klaus Wiedau

eamsprecherin der KFD St. Antonius, das Anliegen zu Beginn auf den Punkt.

In einem Wortgottesdienst unterstreichen die Frauen mit sorgfältig gewählten Texten ihr Anliegen. „Kirche buchstabiert man nicht wie Steine und Glocken, sondern wie du und ich“, heißt es. Oder: „Altäre und Bänke und Orgeln und Kanzeln sind entbehrlich, aber du und ich, wir dürfen nicht abhanden kommen.“ Oder: „Dome kann man in der Kirche ersetzen, aber Menschen nicht.“

Kommentar: Kritik ernst nehmen

Nein, die Antonius-Kirche blieb am Samstagabend nicht leer und Pastor Edward Pawolka musste den Vorabend-Gottesdienst nicht alleine feiern. Trotzdem: Dass sich auch in Gronau mehr als 50 Menschen – zumeist Frauen – vor der Kirche versammelten, um die Aktion Maria 2.0 zu unterstützen, ist ein klares Zeichen.Und schon deshalb besonders, weil es nicht jene Dauer-Aufmüpfigen waren, die sich zum Protestgeschrei versammelt hatten. Im Gegenteil: Es waren viele jener Frauen der Gemeinde, ohne deren ehrenamtliches Engagement im Kirchenalltag wenig laufen würde – nicht in den Gottesdiensten, nicht in der Glaubensvermittlung in den Familien, nicht in der Kommunion- oder Firmvorbereitung, nicht in der Verbandsarbeit oder im Kirchenchor. Dass sie ihre Forderungen, Hoffnungen und Wünsche im Zusammenhang mit der Erneuerung der Kirche und dem Zugang von Frauen zu kirchlichen Ämtern im Rahmen eines Wortgottesdienstes vortrugen, zeigt, wie eng sie auch weiterhin ihrer Kirche und ihrer Gemeinde verbunden sind.Kirche – und damit meine ich die Verantwortlichen auf allen Entscheidungsebenen – wäre gut beraten, diese kritischen Töne aus den eigenen Reihen ernst zu nehmen und sie nicht, wie viele befürchten, mit ein paar warmen Worten des Verständnisses wegzulächeln, um zur Tagesordnung überzugehen. Maria 2.0 ist ein Weckruf. Wer den nicht hört, muss sich nicht wundern, wenn es ein Maria 3.0 vielleicht nicht geben wird.

...

Im Matthäus-Evangelium wird an das Wort von Lehre und Vorbild erinnert: „Wer unter euch am größten ist, soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst groß macht, wird von Gott gedemütigt. Und wer sich selbst gering erachtet, wird von ihm zu Ehren gebracht.“

Viele machten derzeit in der Kirche ein trauriges Gesicht, zitiert Andrea Doetkotte aus einem Text von Bischof Franz Kamphaus . Viele seien enttäuscht von nicht eingelösten Reformvorstellungen. Aber, auch daran erinnert Kamphaus: „Die Kirche ist nicht Gott. Sie ist nicht das Ziel des Glaubens, sondern im wahrsten Sinne des Wortes vor-läufig,“

In zwölf Fürbitten formulieren die Frauen Träume, Wünsche und Vorstellungen, die sie mit einer neuen Kirche verbinden. Von der Kirche, „die nicht ausgrenzt, sondern einlädt“, ist da die Rede. Von der Kirche, „die ihre verkrusteten Strukturen radikal ändert und sich auf den Ursprung unseres Glaubens ausrichtet“. Von der Kirche, die „sich für die Vergehen ihrer Amtsträger konsequent der Verantwortung stellt – besondern gegenüber allen missbrauchten Opfern“.

Am Ende schimmert in einem Beitrag für einen Moment die Kirche von Morgen durch, „in der das Wort Gottes nicht nur verkündet, sondern auch gelebt wird“.

Dass viele der Teilnehmer die Forderungen und Hoffnungen der Maria-2.0-Initiative unterstützen, machen sie durch ihre Unterschrift auf einem Banner deutlich: „Maria 2.0 – Ein Neuanfang in der Kirche. Ich bin dabei!“ steht über den Unterschriften.

Pastor Michael Vehlken kommt kurz vor Beginn der Aktion zu den Frauen auf den Kirchplatz. „Wir sind offen mit dem Thema umgegangen“, sagt er. Und macht keinen Hehl daraus, wie der die Aktion sieht: „Die Frauen haben meine volle Unterstützung in ihrem Anliegen!“

Dass nicht alle so denken – auch das bekommen die Frauen zu spüren. Nicht am Samstagabend vor der Kirche, aber in Anrufen und Gesprächen im Vorfeld, wie Annette Franke deutlich macht. „Das könnt ihr doch nicht machen. Ihr müsst doch folgen“, habe ihr jemand von der Aktion abgeraten. „Müssen wir folgen?“, fragt Franke selbstbewusst.

Dass Frauen jetzt den Mut haben, mit ihren Forderungen und ihrer Sicht der Dingen auf die Straße zu gehen, das sei längst überfällig. „Das hätten unsere Eltern schon tun sollen“, sagt Franke. Und gibt sich selbst die Antwort, warum das nicht geschehen ist: „Die haben das nicht gedurft. . .“

Dass sich die Zeiten geändert haben, wird auch an einer Aussage von KFD-Frau Andrea Doetkotte aus dem Aktionsteam deutlich: „Wir sind hier, um auf die Situation der Frauen in der Kirche aufmerksam zu machen. Denn: Ohne die ehrenamtliche Arbeit von Frauen läuft in der Kirche wenig. Und das wollen wir zeigen!“

Am Samstag haben Frauen und Männer genau das getan, wenn auch nur für eine gute Stunde. Am kommenden Samstag wollen sie es wieder tun – dann vor der Abendmesse in St. Josef.

 

 

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