Mehrkosten für Umbau und Sanierung der Euregio-Schule
Politiker müssen „Kröte“ schlucken

Epe -

Die Politiker taten sich schwer, am Ende aber blieb den Mitgliedern von Bau- und Schulausschuss in gemeinsamer Sitzung am Dienstag nichts anderes übrig, als die „Kröte“ zu schlucken: Für Umbau und Sanierung der Euregio-Schule Epe (Teilstandort ehemalige Sophie-Scholl-Schule) muss die Stadt 2,7 Millionen Euro mehr bereitstellen, als anfänglich geschätzt.

Donnerstag, 16.05.2019, 07:00 Uhr
Das Gebäude der ehemaligen Sophie-Scholl-Schule soll künftig ein Teilstandort der Euregio-Schule sein. Bis die Umbau- und Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind, heißt es aber: Betreten verboten!
Das Gebäude der ehemaligen Sophie-Scholl-Schule soll künftig ein Teilstandort der Euregio-Schule sein. Bis die Umbau- und Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind, heißt es aber: Betreten verboten! Foto: Klaus Wiedau

Stadtbaurat Ralf Groß-Holtick, Bernhard Kersting (Büro Kersting & Gallhoff, Duisburg) sowie Andrea Winkler und Thomas Brunnert (Fachdienst Gebäude- und Liegenschaftsmanagement) machten zuvor deutlich, wo die Ursachen für die Kostenexplosion liegen. Demnach seien im Zuge der tiefergehenden Betrachtung der Immobilie „Dinge aufgefallen, die im Vorfeld nicht erkennbar waren“ (Kersting). Allein rund 700 000 Euro Mehrkosten ergeben sich für Rückbau, Entsorgung und Neuaufbau der – wie sich herausstellte – ebenfalls schadstoffbelasteten „und in einer abenteuerlichen Konstruktion errichteten“ (Brunnert) Dachkonstruktion.

Mehraufwände ergeben sich auch im Bereich des Brandschutzes, bei der Fassadenkonstruktion und durch die teilweise notwendige statische oder aus Brandschutz erforderliche Ertüchtigung von Decken. Komplett neu aufgebaut werden muss auch die Entwässerung des Grundstückes, da die bisherige Regenwasserableitung in den Bösingbach nicht weiter erfolgen darf. Insgesamt listeten Verwaltung und Planungsbüro zehn verschiedenen Positionen auf, aus denen sich die Verteuerungen ergeben. Und: Da die Baubranche boome, lägen die Ergebnisse von Ausschreibungen oft deutlich über den erwarteten Ergebnissen.

Auf die Frage, ob es denn keine Pläne gebe, aus denen Bauweise und Beschaffenheit einzelner Bereiche der Schule zu entnehmen seien, gaben Kersting, Winkler und Brunnert eine verblüffende Antwort. Kersting: „Teilweise gibt es Pläne, teilweise auch nicht.“ Denn: In den 60er- und 70er-Jahren – der Entstehungszeit der Sophie-Scholl-Schule – sei offenbar „anders archiviert“ worden. Das sei aber, so Kersting aus Erfahrung, kein Gronau-spezifisches Problem: „Es ist überall das Gleiche.“ Hinzu komme, so Winkler, „dass das, was wir in den Plänen vorfinden nicht mit der Ausführung übereinstimmt“.

Bei allem Frust über den „kräftigen Schluck aus der Pulle“, der mit dieser Kostensteigerung verbunden ist, tröstete am Ende die Aussage der Verwaltung, dass die Schule nach Abschluss aller Arbeiten „einem Neubau vergleichbare Werte“ aufweise und von einer restlichen „Lebenszeit“ von 85 Jahren auszugehen sei, wie Brunnert auf die Frage von Herbert Krause (Pro Bürgerschaft/Piraten) erläuterte.

Ludger Hönerlage (CDU) machte indes deutlich, welche Bauchschmerzen ihm die Mehrkosten bereiten. Erst würden der Politik Schätzkosten vorgelegt, dann stimme Politik zu „und dann geht es los“, so Hönerlage. „Mir graut schon vor den nächsten Projekten und ich mag nicht zustimmen, weil ich Angst habe, dass die Kosten auch da explodieren.“

Jörg von Borczyskowski (UWG) hatte eine andere Sicht auf die Dinge: „Die Preissteigerer in diesem Projekt sitzen hier“, sah er den Ausschuss in der Verantwortung. Hier sei über die Veränderungen, die Lösung mit zwei Standorten und das Raumprogramm entschieden worden.

Mechthild Große-Dütting (SPD) kritisierte im Zusammenhang mit der Vorstellung der Umbaupläne und mit Blick auf die Inklusion vom Menschen mit Behinderungen, dass im Gebäude kein Aufzug vorgesehen sei. „Wir machen uns zur Lachnummer“, so ihre Einschätzung, wenn einerseits acht Millionen Euro investiert würden, anderseits aber keine 30 000 Euro für einen Aufzug vorhanden seien. „Das ist nicht zeitgemäß.“ Die Verwaltung hielt dagegen, dass nicht alle Schulstandorte mit Aufzügen versehen werden könnten, für Inklusions-Schüler aber alle Möglichkeiten am Standort der Gesamtschule Gronau gegeben seien. Zudem sei die ehemalige Scholl-Schule nur Teilstandort der Euregio-Schule für die ersten Jahrgänge. Bei einem Wechsel in die Oberstufe (ehemalige Realschule) müssten auch dort – in dem Gebäude aber mehrere – Aufzüge geschaffen werden, was nur mit unvertretbar hohen Aufwand möglich sei. Die Verwaltung sagte am Ende zu, in dem Bereich der Scholl-Schule, in dem ein nachträglicher Aufzug-Einbau möglich sei, die baulichen Grundvoraussetzungen zu schaffen.

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