Konsumenten haben viele Rechte
Im Verbraucherschutz steckt viel EU

Gronau -

Nicht alle Verbraucher sind Europäer, aber alle Europäer sind auf irgendeine Art Verbraucher. Beim Einkaufen stellen die Binnengrenzen immer seltener eine Hürde dar. Was Gronauer, die in Enschede shoppen gehen, und umgekehrt Enscheder, die Einkäufe in Gronau erledigen, bestätigen können. Doch auch Menschen, die weiter entfernt vom nächsten Nachbarland wohnen, kaufen immer häufiger bei Firmen im EU-Ausland ein: online.

Sonntag, 19.05.2019, 10:13 Uhr aktualisiert: 19.05.2019, 10:20 Uhr
Ein Mann liest in einem Supermarkt die Kennzeichnung auf einer Müsli-Packung durch.
Ein Mann liest in einem Supermarkt die Kennzeichnung auf einer Müsli-Packung durch. Foto: dpa

Wie selbstverständlich profitieren sie dabei von Verbraucherschutzgesetzen, in denen eine ganze Menge EU steckt. EU-weit können Konsumenten ihren Online-Kauf widerrufen und die Waren zurückschicken, sagt Elke Liening , Leiterin der Verbraucherberatung in Gronau. Wie im stationären Handel gilt innerhalb der EU eine Gewährleistungsfrist von zwei Jahren. Treten Mängel beim Produkt auf, muss der Käufer innerhalb der ersten sechs Monate nicht einmal beweisen, dass bereits beim Kauf etwas nicht gestimmt hat. Wenn in diesem Zeitraum etwas wegen Mängeln nicht mehr funktioniert, können Verbraucher Ersatz oder Reparatur fordern. Wenn das nicht möglich ist, können sie den Kaufpreis erstattet bekommen.

► Verbraucherschutz wird auch beim Lebensmitteleinkauf groß geschrieben. „In der EU gekaufte Lebensmittel und Getränke müssen auf dem Etikett eine ausführliche Nährwertdeklaration erhalten“, erläutert Liening. Diesen Informationen lässt sich entnehmen, wie viel Zucker, Salz und Kalorien ein Produkt beinhaltet. Allergene – zum Beispiel Nüsse, Gluten oder Laktose – müssen hervorgehoben sein. Dadurch ist es für Allergiker in der EU einfacher und sicherer geworden, Lebensmittel zu kaufen.

► Umweltfreundliche und ökologisch hergestellte Produkte sind einfacher zu erkennen: Alle vorverpackten Bio-Lebensmittel, die in einem EU-Mitgliedstaat hergestellt werden, tragen seit 2012 das EU-Bio-Siegel.

► Das europaweite Telefonieren ist günstiger geworden. Seit dem 15. Mai kosten Telefonate nur noch maximal 19 Cent pro Minute. Bisher wurden dafür bis zu 1,99 Euro fällig. Die Kosten fürs Verschicken einer SMS sind auf höchstens sechs Cent festgesetzt. Auch die Roaming-Gebühren fürs Telefonieren im europäischen Ausland sind weggefallen.

► Wer mit Karte zahlt, erlebt weniger böse Überraschungen als früher, so Liening: „Die Gebühren für den Einsatz von Kredit- oder Bankkarten sind gedeckelt.“ Was den Einkauf günstiger macht – sowohl zu Hause als auch im Urlaub. Wenn eine Überweisung in ein anderes Land der Eurozone vorgenommen oder an einem ausländischen Automaten Bargeld in Euro abgehoben wird, darf das inzwischen nicht mehr kosten als zu Hause.

► Ein schöner Nebeneffekt des Euro: Die Umtauschgebühren sind weggefallen. „D-Mark und Gulden sind mittlerweile schon richtig fremd“, findet Elke Liening. „Früher hatte ich ein Portemonnaie mit einem Mark- und einem Gulden-Fach. Dass wir heute eine Währung haben, macht auch spontanes Einkaufen viel einfacher.“ Und günstiger: Denn der Tausch in eine andere Währung kostete jedes Mal Gebühren. Und das nicht zu knapp.

► Nutznießer der EU-Regelungen zu Flug- und Fahrgastrechten sind alle Reisenden, die für verpasste Anschlüsse, Verspätungen oder Stornierungen pauschale Entschädigungen vorsehen. Mit dem Sicherungsschein bei Pauschalreisen hat die EU einen wichtigen Baustein für mehr Verbraucherschutz beim Reisen gelegt.

► Dank der EU-Ökodesign-Regeln sind zahlreiche Geräte wie Waschmaschinen, Heizgeräte und Kühlschränke energieeffizienter geworden. Dadurch spart ein Haushalt im Schnitt 332 Euro pro Jahr, hat die Verbraucherzentrale errechnet.

Auf dem Erreichten wollen sich die Verbraucherschützer nicht ausruhen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat zehn Forderungen an die EU aufgelistet, darunter die bedarfsgerechte Beratung bei Finanzfragen. Der Provisionsvertrieb bei Anlageprodukten und Finanzvergleichsplattformen soll beendet werden. Und um das Vertrauen der Verbraucher in wahrheitsgemäße Angaben zu Kraftstoffverbrauch und Abgaswerten wiederherzustellen, sollten realistische Mess- und Prüfverfahren für die Zulassung von Pkw eingeführt werden.

 

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