Auch Euregio-Mitarbeiter sind vor Formularen nicht gefeit
Von Dienstreisen und vom Pendeln

Gronau -

Schon mal etwas von der A1-Bescheinigung gehört? Die müssen Angestellte und Selbstständige mitführen, wenn sie sich auf eine Geschäfts- oder Dienstreise ins EU-Ausland begeben. Ganz egal, ob für ein paar Tage oder nur für einen mehrstündigen Workshop. Selbst für die Mitarbeiter der grenzüberschreitenden Euregio gilt diese Regelung. Sie müssen das Formular bei einer Kontrolle vorlegen können. „Auch wenn sie nur von der Geschäftsstelle an der Enscheder Straße mal eben die 100 Meter rüber zum Tagungszentrum nach Glanerbrück gehen“, sagt Euregio-Geschäftsführer Christoph Almering.

Freitag, 07.06.2019, 09:00 Uhr
Das Tagungszentrum der Euregio Terhaar sive Droste in Glanerbrück. Deutsche Euregio-Mitarbeiter, die aus der Geschäftsstelle an der Enscheder Straße in Gronau dort zu tun haben, müssen offiziell eine sogenannte A1-Bescheinigung mit sich führen.
Das Tagungszentrum der Euregio Terhaar sive Droste in Glanerbrück. Deutsche Euregio-Mitarbeiter, die aus der Geschäftsstelle an der Enscheder Straße in Gronau dort zu tun haben, müssen offiziell eine sogenannte A1-Bescheinigung mit sich führen. Foto: Martin Borck

Wieder mal also ein Beispiel für überbordende Brüsseler Bürokratie-Willkür? Eben nicht: Mit der Bescheinigung kann man den ausländischen Sozialbehörden nämlich im Falle eines Falles nachweisen, dass man sozialversichert ist. Ein geht einerseits darum, Sozialversicherungsbetrug zu vermeiden, andererseits wird verhindert, dass bei der Entsendung eines Arbeitnehmers für beide Länder Sozialversicherungsbeiträge fällig werden. Kontrollen sind zwar offenbar selten, aber möglich.

Solange die Sozialversicherungssysteme in der EU nicht angeglichen sind, bleiben derartige gesetzliche Lückenbüßer einfach erforderlich. Das ist manchmal lästig – ist aber ein kleines Übel im Vergleich zu den Chancen und Möglichkeiten, den der grenzübergreifende Arbeitsmarkt den Bewohnern der Grenzregionen bietet. „Und wenn man weiß, wie’s geht, wird es ja auch einfacher“, sagt Almering. Das entsprechende Wissen vermitteln die Fachleute vom Grenz-Info-Punkt (GIP) der Euregio. Ob Fragen zu Steuern, Rentenversicherung oder Krankenkasse – sie werden allesamt bei den regelmäßigen Sprechstunden oder im persönlichen Gespräch kompetent beantwortet. (Das A1-Formular können Arbeitnehmer übrigens über ihren Arbeitgeber bei ihrer Krankenkasse bzw. – bei privat Versicherten bei der Deutsche Rentenversicherung anfordern.)

Etwa 40 000 Menschen überqueren die deutsch-niederländische Grenze vom Wohn- zu ihrem Arbeitsplatz. Für sie gelten andere Vorschriften als für die, die sich nur auf einer Dienstreise befinden. Es ist für Grenzpendler also ratsam, sich vor einer Arbeitsaufnahme im Nachbarland beim GIP zu informieren, um relevante Vereinbarungen im Arbeitsvertrag festzuhalten. „Einige Mitarbeiter bei der Euregio, die gerne in ihrem niederländischen Sozialversicherungssystem bleiben wollen, müssen mindestens 25 Prozent ihrer Arbeitszeit in den Niederlanden arbeiten“, nennt Almering ein Beispiel.

Liegt es an derartigen Hürden, dass die Zahl der deutsch-niederländischen Grenzpendler derzeit nicht über rund 40 000 hinauskommt? Dabei könnte es sich auch finanziell für den ein oder anderen Arbeitnehmer lohnen, sich im Nachbarland nach einer Arbeit umzusehen. Denn es gibt je nach Region und Wirtschaftszweig unterschiedliche Löhne und Gehälter in den beiden Ländern. Generell lag im Jahr 2015 (neuere Daten liegen nicht vor) das durchschnittliche Arbeitnehmerentgelt je geleisteter Arbeitsstunde in Nordrhein-Westfalen bei 31,60 Euro und war damit niedriger als in den Niederlanden (33,40 Euro). Das haben die Mitarbeiter des Statistischen Landesamts errechnet (► Infokasten).

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