Urteil im Prozess um besonders schwere Brandstiftung
Sieben Jahre und drei Monate Haft

Gronau/Münster -

Zu sieben Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilte die Strafkammer einen 47-Jährigen aus Herne am Mittwoch wegen besonders schwerer Brandstiftung und wegen Verstrickung zum Siegelbruch.

Mittwoch, 19.06.2019, 18:55 Uhr aktualisiert: 19.06.2019, 19:10 Uhr
Hier ein aktuelles Foto vom Haus, in dem sich die Spielothek befand. Das Feuer am 8. Dezember 2017 hatte Teile der Einrichtung zerstört und war mangels Sauerstoff „erstickt“, also von selbst ausgegangen. Der oder die Brandleger hatten vergessen, eine Tür oder ein Fenster aufzulassen. Ein Sachverständiger nannte die Tat „eine dilettantische Anfängerbrandlegung“.
Hier ein aktuelles Foto vom Haus, in dem sich die Spielothek befand. Das Feuer am 8. Dezember 2017 hatte Teile der Einrichtung zerstört und war mangels Sauerstoff „erstickt“, also von selbst ausgegangen. Der oder die Brandleger hatten vergessen, eine Tür oder ein Fenster aufzulassen. Ein Sachverständiger nannte die Tat „eine dilettantische Anfängerbrandlegung“. Foto: Klaus Wiedau

Am zwölften Prozesstag hat das Landgericht sein Urteil wegen der Brandstiftung in einem Spielcasino an der Enscheder Straße (wir berichteten) gefällt. Die Richter sprachen den Inhaber am Mittwoch schuldig, von der Stadt versiegelte Spielautomaten geöffnet, geschätzt 15 000 Euro daraus entnommen und anschließend das Casino sowie ein dazugehöriges Café und ein Bistro mit Benzin in Brand gesteckt zu haben.

Zu sieben Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilte die Strafkammer den 47-Jährigen aus Herne wegen besonders schwerer Brandstiftung und wegen Verstrickung zum Siegelbruch. Die beiden Mitangeklagten – ein 32-Jahre alter Mitarbeiter aus Düsseldorf und ein 31 Jahre alter Ex-Beschäftigter aus Gronau – wurden freigesprochen.

Die Anwälte aller drei Männer hatten Freispruch für ihre Mandanten beantragt. Als am Mittwoch kurz vor der Urteilsverkündung fünf Justizwachtmeister den Gerichtssaal betraten, deutete sich an, dass mindestens einer der Angeklagten in Haft genommen würde und eine mögliche Flucht ausgeschlossen werden sollte.

Casino, Bistro und Café der Spielothek seien über Konzessionen des Sohnes des Inhabers gelaufen, erklärte die Vorsitzende Richterin. Der 47-Jährige sei jedoch derjenige gewesen, „der die Geschäfte führte und das Sagen hatte“. Bis zum Ende 2017 habe sich die wirtschaftliche Situation des Betriebs „zugespitzt“, sagte sie, und sei letztlich „desaströs“ gewesen, speziell durch „erhebliche Schulden“.

Der Vermieter hatte als Zeuge von sechs Monatsmieten Rückstand gesprochen. „Darüber kann man streiten“, so die Richterin. „Bei zwei Mieten Rückstand war man sich aber einig. Das sind 7000 Euro.“ Den Automatenaufstellern habe man 16 000 Euro geschuldet, Stromrechnungen und Sozialversicherungsbeiträge für Mitarbeiter seien offen geblieben. Es habe auf dem Betriebskonto „erhebliche Rücklastschriften“ gegeben. „Was über das Konto lief, wurde nicht mehr bezahlt“, resümierte die Richterin.

Die Stadt Gronau hatte mehrere Automaten versiegelt und wollte am Tag nach dem Brand das darin befindliche Geld abholen. Die Geräte blieben bespielbar, das Geld stand dem Betrieb aber nicht zur Verfügung. Der Inhaber, der viele Jahre in Oldenzaal lebte und schließlich Casinos in Herne und in Gronau unterhielt – habe gemerkt, „dass er das Ruder nicht mehr herumreißen kann“, hieß es weiter. Es sei ihm um das Geld in den Automaten und Entschädigung seiner Versicherung für das Bistro und das Café gegangen.

Den beiden weiteren Angeklagten könne eine Tatbeteiligung wegen eines eigenen Interesses nicht unterstellt werden. Allerdings sei es „wahrscheinlich“, sagte die Richterin, dass der 32-Jährige, der seit Jahren „die rechte Hand“ des Inhabers gewesen sei, ihm geholfen habe. Möglicherweise beim Aufmachen der Automaten, vielleicht aber auch beim Entzünden des Benzins. Sicher seien sich die Richter, dass der 32-Jährige als Bewohner im Obergeschoss die Mieter dort rechtzeitig warnen sollte, damit niemand ernsthaft zu schaden komme. Von versuchtem Mord, wegen dem ursprünglich alle drei Männer angeklagt waren, ging die Kammer nicht aus.

Beide Freigesprochenen werden laut dem Gericht Entschädigung für die Zeit ihrer Untersuchungshaft erhalten, der Gronauer zudem für die Durchsuchung seines Autos. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der 47-Jährige kann Revision einlegen. Seit gestern befindet er sich in Haft.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6706875?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Roller-Flotte wächst: 150 neue E-Scooter für Münster
E-Scooter gehören in Münster seit einem Monat zum Stadtbild. Es wird erwartet, dass ihre Zahl noch deutlich steigt.
Nachrichten-Ticker