Raub-Prozess: Zeugen sagen vor dem Landgericht aus
„Sie hatte Todesangst im Gesicht“

Gronau/münster -

Im Verfahren am Landgericht Münster um die beiden Überfälle auf eine Tankstelle an der Enscheder Straße um die Jahreswende sagten am Mittwoch jene Kassierinnen aus, die beim zweiten versuchten Raub am 19. Januar Dienst hatten. Der mutmaßliche Täter aus Gronau (42) ist angeklagt unter anderem wegen schweren sowie wegen besonders schweren Raubes.

Donnerstag, 27.06.2019, 07:00 Uhr
Zwei Mal wurde um die Jahreswende die JET-Tankstelle an der Enscheder Straße überfallen.
Zwei Mal wurde um die Jahreswende die JET-Tankstelle an der Enscheder Straße überfallen. Foto: Klaus Wiedau

„Ganz schön bescheuert“ sei ihre Kollegin gewesen, dem Räuber so gewagt und abweisend entgegenzutreten, ihm gar die Hand in Richtung seiner Pistole entgegen zu strecken. Dabei war die 25-Jährige Gronauerin selbst auch mutig – indem sie dem Bewaffneten drohte, ihm heißes Wasser aus ihrer Kaffeetasse ins Gesicht zu schütten.

Im Verfahren am Landgericht Münster um die beiden Überfälle auf eine Tankstelle an der Enscheder Straße um die Jahreswende sagten am Mittwoch jene Kassierinnen aus, die beim zweiten versuchten Raub am 19. Januar Dienst hatten. Der mutmaßliche Täter aus Gronau (42) ist angeklagt unter anderem wegen schweren sowie wegen besonders schweren Raubes (wir berichteten).

Die 25 Jahre alte Schülerin und Aushilfe der Tankstelle erklärte, dass sie seit diesem Winterabend „keinen normalen Alltag mehr führen“ könne. Sie habe im Nachhinein „Panikattacken, Bluthochdruck und Herzrasen“ bekommen. Dienste zu bestimmten Zeiten alleine halte sie nicht aus. Im Mai habe all das sogar zu einem Krankenhausaufenthalt geführt.

Der Angeklagte soll bei dem Überfall eine schwarze Waffe aus der Jacke gezogen und sie zuerst der niederländischen Kollegin (33) aus knapp einem Meter Entfernung vor das Gesicht gehalten haben. Die Tat wurde auf Überwachungsvideos festgehalten, die am Mittwoch bei Gericht gezeigt wurden.

„Geld her!“ habe der Täter gerufen, sagte die Frau aus Enschede aus. Als er die Pistole durchlud und bewegte, habe sie „an den Geräuschen gehört“, dass es sich um „eine Luftpistole mit Bällchen drin“ gehandelt habe. „Ab dem Moment habe ich ihn nicht mehr ernst genommen“, sagte sie. Auf die Forderung habe sie geantwortet „gibt‘s nicht. Da vorne ist die Tür!“ Der Mann sei dann zur 25-Jährigen an den anderen Schalter gegangen und habe hoch an die Wand geschossen. Kurz darauf überwältigte ihn ein Kunde (41) von hinten. Dieser Zeuge sagte bei Gericht über die jüngere Kassiererin: „Sie hatte Todesangst im Gesicht. Da habe ich gedacht: Mach‘ es!“ Zwei weitere Kunden halfen ihm.

Der langjährig drogenabhängige Angeklagte kommentierte die Zeugenbefragungen gegenüber den Richtern so: „Ich weiß nicht, warum so viele Zeugen hier auflaufen. Die Tat ist doch eindeutig.“ Er hatte beide Überfälle gestanden. Die Vorsitzende Richterin entgegnete: „Das überlassen sie ruhig uns.“ Der Gronauer: „Ich streite nichts ab. Ich war so zugedröhnt. Ich weiß nicht mehr, wie ich da überhaupt hingekommen bin.“

Das Gericht erwägt, so hieß es in einem rechtlichen Hinweis der Kammer am Mittwoch, den 42-Jährigen im Fall einer Verurteilung unter anderem in den Maßregelvollzug zu schicken. Der Gronauer hatte zu Prozessauftakt gesagt: „Ich habe überall Hausverbot. Ich will gar nicht mehr zurück in meine Heimatstadt. Sie können mich in Berlin-Tegel einsperren. Das wäre egal.“

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