Vortrag über Etty Hillesum
Die Frau, die nicht hassen wollte

Epe -

Etty Hillesums Tagebücher haben erst spät internationale Beachtung erfahren. Die jüdische Niederländerin hielt ihre Gedanken während der NS-Besetzung schriftlich fest. Pater Dominik Terstriep, Pfarrer in Stockholm und Dozent in Uppsala, schreibt an einem Buch über Etty Hillesum und referiert darüber im Eper Pfarrhof.

Sonntag, 30.06.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 01.07.2019, 14:04 Uhr
Etty Hillesum
Etty Hillesum Foto: unbekannt

Das Tagebuch der Anne Frank , die in diesen Wochen 90 Jahre alt geworden wäre, dürfte jedem Gronauer Schüler zumindest in Auszügen begegnet sein. Anders steht es um den Bekanntheitsgrad der Tagebücher der Etty (Esther) Hillesum, die einen großen Teil ihres viel zu kurzen Daseins in Deventer gelebt hat. Auch sie hat von 1941 bis 1943 Tagebuch geführt.

Auch sie wurde von Westerbork nach Auschwitz in den Tod geschickt. Anne Frank war damals 15, Etty Hillesum 29 Jahre alt. Während Anne Franks Tagebuchaufzeichnungen schon früh in der Nachkriegszeit veröffentlicht wurden und Weltruhm erlangten, war die Zeit für die Erstausgabe der Notizen Etty Hillesums unter dem Titel „Het verstoorde Leven“ in den Niederlanden erst 1981 „reif“. Innerhalb kürzester Zeit erschien es dann in zahlreichen Ländern und Auflagen.

Wer in dem Tagebuch blättert merkt gleich: Hier schreibt nicht ein junges Mädchen, hier schreibt eine gestandene, aber nicht weniger sensible Frau. Etty Hillesum war nicht „untergetaucht“, sondern hier hat jemand alle Phasen und Schrecken der Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in den besetzten Niederlanden erlebt – und ist dabei Mensch geblieben, wie Auszüge aus dem Tagebuch deutlich machen.

Am 15. März 1941 um halb 10 morgens schrieb Etty: „Und sollte es nur noch einen einzigen anständigen Deutschen geben, dann wäre dieser es wert, in Schutz genommen zu werden gegen die ganze barbarische Horde, und um dieses einen anständigen Deutschen Willen dürfe man seinen Hass nicht über ein ganzes Volk ausgießen.“

Gut ein Jahr später, am 1. Juli 1942, heißt es in den Aufzeichnungen: „Gut, diese neue Gewissheit, dass man unsere totale Vernichtung will, nehme ich hin. Ich weiß es nun. Ich werde den anderen mit meinen Ängsten nicht zur Last fallen, ich werde nicht verbittert sein, wenn die anderen nicht begreifen, worum es bei uns Juden geht. Die eine Gewissheit darf durch die andere weder angetastet noch entkräftet werden. Ich arbeite und lebe weiter mit derselben Überzeugtheit und finde das Leben sinnvoll, trotzdem sinnvoll, auch wenn ich mir das kaum noch in Gesellschaft zu sagen getraue.“

Als Etty Hillesum Anfang September 1943 den Zug mit 1000 „Transportfähigen“, darunter ihre Eltern und ihr Bruder Mischa, besteigt, sagte sie zu Zurückbleibenden:

„Ich habe meine Tagebücher, meine kleine Bibel, meine russische Grammatik und Tolstoi bei mir und habe keine Ahnung, was sonst noch alles in meinem Gepäck ist.“

Wer diese außergewöhnliche Frau näher kennlernen möchte, ist herzlich eingeladen zu einem Vortrag von Pater Dominik Terstriep, Pfarrer in Stockholm und Dozent in Uppsala, der an einem Buch über Etty Hillesum schreibt. Auf Einladung des „Förderkreises Alte Synagoge Epe“ in Absprache mit der katholischen Kirchengemeinde St. Agatha Epe referiert Dominik Terstriep am Dienstag (2. Juli) um 19.30 Uhr im Raum 3 des Eper Pfarrhofes.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6731669?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Italien-Rückkehrer in Deutschland mit Coronavirus infiziert
Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Coronavirus (SARS-CoV-2, orange), das aus der Oberfläche von im Labor kultivierten Zellen (grau) austritt.
Nachrichten-Ticker