Bürgerbeteiligung zu Gestaltungshandbuch- und satzung für Epe
„Wir sind auf einem guten Weg“

Epe -

Das Ziel ist ehrgeizig, die Zeitspanne knapp bemessen, die Aufgabe kniffelig: Bis zum Jahresende will die Stadt ein Gestaltungshandbuch und eine Gestaltungssatzung für den Stadtteil Epe auf den Weg bringen.

Donnerstag, 04.07.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 04.07.2019, 15:10 Uhr
Volles Haus in der „Latüchte“ bei der Bürgerbeteiligung in Sachen Gestaltungshandbuch. „Ein Thema, das Epe berührt“, kommentierte Stadtbaurat Ralf Groß-Holtick das große Interesse.
Volles Haus in der „Latüchte“ bei der Bürgerbeteiligung in Sachen Gestaltungshandbuch. „Ein Thema, das Epe berührt“, kommentierte Stadtbaurat Ralf Groß-Holtick das große Interesse. Foto: Klaus Wiedau

Dienstagabend wurde – nach einer ersten Präsentation im Bauausschuss – das Projekt mit Eper Bürgern diskutiert. Nach der Sommerpause soll die politische Beratung erfolgen und im Optimalfall bereits Ende 2019 Handbuch und Satzung in Kraft treten. Diesen Fahrplan nannte Stadtbaurat Ralf Groß-Holtick während einer Bürgerbeteiligung in der „Latüchte“.

Eine Stunde spazierten zuvor mehr als 50 interessierte Bürger in zwei Gruppen durch den Ort. Stadtplaner und Architekt Andreas Bachmann und sein Kollege, Raumplaner Felix Kutzera (beide vom Dortmunder Stadtplanungsbüro Pesch & Partner), gingen dabei auf Historie und Entwicklung von Epe , auf Parzellenstruktur, Gebäudetypologie, gelungene und weniger/gar nicht gelungene Umbauten und Veränderungen ein, stellten aber auch positive Beispiele vor (WN berichteten im Detail bereits bei der Vorstellung im Bauausschuss).

Während der folgenden Diskussion machte Bachmann deutlich, dass es am Ende des Projektes nicht um eine sofortige Umsetzung der Satzungsinhalte gehe, sondern darum, für künftige Neubauvorhaben oder Umbauten mit dem Gestaltungshandbuch und der entsprechenden Satzung ein verbindliches Regelwerk zu haben. Künftig sei vor diesem Hintergrund zu prüfen, wie sich ein Neubau in die vorhandene Struktur des Ortes und seiner unmittelbaren Nachbarschaft einpasse oder in welcher Weise ein geplanter Umbau die Struktur und Eigenart eines Gebäudes verändere. Die Betrachtung erfolge dabei „vom Großen ins Kleine“, so Bachmann, der auf Stichworte wie Gliederung von Straßenzügen, Material-Kanon, Fassadengestaltung, Dachausbauten, Vorgärten, Grünalagen oder Werbeanlagen hinwies.

Optimierungen seien dabei nicht immer eine Frage des Geldes, sondern guter Planung. Bachmann plädierte dafür, Bauherren und Investoren auf dem Weg zum neuen Ortsbild mitzunehmen, ihnen Vorgaben zu erklären: „Wichtig ist zu vermitteln, warum etwas so ist.“

Die Satzung, dies wurde auf Fragen deutlich, werde nach Inkrafttreten in gleicher Weise verbindlich wie andere Vorgaben des Ortsrechts. Die wenigen Fälle, in denen bestehende Bebauungspläne möglicherweise andere gestalterische Festsetzungen enthalten, gelte es mit der Gestaltungssatzung zu harmonisieren.

Groß-Holtick verwies darauf, dass es nicht in erster Linie darum gehe, dem Bürger Vorgaben zu machen und Erschwernisse aufzulegen. „Fördern und fordern“ seien gefragt – also eine intensive Bauberatung von Architekten im Vorfeld, aber auch beispielsweise die städtische Bezuschussung von Mehraufwendungen, die sich aufgrund der Satzung für bestimmte Maßnahmen ergeben.

Mit Hilfe der Satzung das Bewusstsein dafür zu wecken, Flair in Epe zu erhalten, sah auch Josef Brefeld als vorrangiges Ziel des Projektes, das der Heimatverein auf den Weg gebracht hatte. Auf dem Zwangsweg sei das sicher nicht zu erreichen. Für Spielregeln zum Erhalt des Eper Ortsbildes warb auch Ralf Kötter: „Wir haben eine Seele und eine Vergangenheit. Und wir haben ein liebenswertes Epe“, so sein Plädoyer. „Aber wir verlieren das“, warb er angesichts von aktuellen und künftigen Veränderungen dafür, gegenzusteuern.

Ob eine Satzung der richtige Weg sei, Nutzung und Schönheit von Gebäuden in Einklang zu bringen – daran hatte Heiner Möllers Zweifel. Sein Credo: Bauherren mit „pragmatischem Menschenverstand“ davon zu überzeugen, wie Epe noch schöner werden könne. „Wer hat Recht mit seinem Pragmatismus?“, hielt Groß-Holtick dagegen, dass eine Satzung – anders als unterschiedlicher Menschenverstand – verbindliche Regeln schaffe.

Weitere Fragen und Redebeiträge drehten sich in der Diskussion um Details – etwa die Zulässigkeit von (sichtbaren) Solaranlagen, die Abgrenzung des Geltungsgebietes der Satzung oder unterschiedliche gestalterische Festlegungen in unterschiedlichen Bereichen des Ortskerns.

Wie ein roter Faden zog sich (einmal mehr) die Forderung nach Verbannung des Schwerlastverkehrs aus der Gronauer Straße durch den Abend. „Erst muss der Verkehr raus, sonst investiert da keiner“, brachte es einer auf den Punkt. Groß-Holtick versprach, die Problematik als Arbeitsauftrag mitzunehmen. Auch die Klage über den hohen Leerstand in Epe nahm die Verwaltung unter dem Stichwort „City-Management“ mit. Gleichwohl war hier auch Kritik von Eperanern an Eperanern zu hören: „Setzt die Mieten runter und ermöglicht so Gründern einen Start für neue Unternehmen“ – damit lasse sich Leerstand verhindern, so ein Argument.

Mit Blick auf die Gestaltungssatzung stellte Bauausschuss-Mitglied Martin Dust (CDU) am Ende fest: „Wir sind auf einem guten Weg“, auch wenn das Planungsbüro noch viel Arbeit zu leisten habe. Patrick Bröckers erhielt auf seine Frage, ob die Versammlung das Projekt Gestaltungssatzung so positiv sehe wie er, keinen Widerspruch (bis auf die Aussagen von Heiner Möllers). Epe, so scheint es, will diesen Weg gehen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6747195?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Mickie Krause geht baden
Als Anwärter auf den Cheftrainer-Posten bei den Kaderschwimmern der SG Schwimmen Münster machte Schlagersänger Mickie Krause im Hallenbad Hiltrup eine gute Figur. Zum Finale ging es mit Sonnenbrille und guter Laune ins knapp 30 Grad warme Wasser.
Nachrichten-Ticker